Valley Talk: In der Tiefe suchen

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Logoschild im Google-Hauptgebäude in Mountain View, Kalifornien

von Matthias Hohensee

Ein Ex-Hacker will eine neue Suchmaschine neben Google und Bing etablieren. Aber wer braucht die?

Richard Skrenta war schon als Schüler ein Pionier: In den Achtzigerjahren programmierte er einen der ersten wirklich gefürchteten Computerviren. Der Name des Ungeziefers: Elk Cloner. Glücklicherweise hat der Hacker mittlerweile eine neue Passion entdeckt, von der die Allgemeinheit künftig sogar profitieren könnte: Skrentas Leidenschaft ist das Vorsortieren und Aufbereiten von Informationen im Netz mittels einer Kombination aus menschlicher und maschineller Intelligenz. Daraus will der 43-jährige Unternehmer nun ein Geschäftsmodell machen.

Erst vor wenigen Tagen ging seine neue Suchmaschine Blekko ins Netz. Und das Interesse in der Web-Gemeinde ist jetzt schon enorm. Nicht zuletzt, weil sich Skrenta einem Abenteuer verschrieben hat, bei dem schon Dutzende Internet-Stars gescheitert sind. Zudem will er Blekko mit vergleichsweise bescheidenen 24 Millionen Dollar Anschubkapital etablieren. Zwar ist er nicht verrückt genug, um Google oder Bing ersetzen zu wollen. Doch Skrenta und seine Investoren wollen Blekko als dritte Kraft im Suchmaschinen-Markt etablieren – neben Google und Bing.

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Nutzer filtern Informationen

Dabei fokussiert sich Blekko auf eine Marktnische. Während die Großen hauptsächlich horizontale Suchmaschinen betreiben, also alle im Netz verfügbaren Seiten durchwühlen, will Blekko in die Tiefe gehen: Die neue Suchmaschine soll zu Schlagwörtern wie etwa Umwelt, Gesundheit oder Politik mittels menschlicher Intelligenz – sprich den eigenen Mitarbeitern und Nutzern – die jeweils populärsten Web-Seiten identifizieren und nur diese durchsuchen.

Dazu haben Skrenta und sein Team sogenannte Slashtags entwickelt, was in etwa so viel bedeutet wie Schrägstrich-Kennwörter. Diese Slashtags können für die Suche immer weiter verfeinert werden. Wer etwa nach Informationen zur aktuellen Umweltpolitik sucht, gibt das entsprechende Stichwort ein. Die Suche nach global warming/liberal filtert zudem alle Suchergebnisse heraus, die von Web-Seiten mit liberaler Agenda stammen. Global warming/conservative wirft Informationen der Gegenseite aus.

Die Idee, Informationen im Web mithilfe der Nutzer zu filtern, ist allerdings nicht ganz neu. Jimmy Wales, Kopf hinter dem Internet-Lexikon Wikipedia, versuchte mit Wikia Search Ähnliches und stellte das Projekt mangels Nutzerinteresse entnervt wieder ein. Die vor fünf Jahren gestartete Web-Seite Mahahlo, bei der Redakteure nützliche Internet-Adressen zusammensuchen, hat zwar überlebt, fristet aber eher ein Mauerblümchendasein. Und im September wurde der mit viel Getöse gestartete Google-Herausforderer Cuil nach zwei Jahren von heute auf morgen eingestellt. Zugleich bauen Google wie auch Bing ihre vertikale Suche aus.

Auf der Suche nach Talenten

Wer also braucht eine neue Suchmaschine? Tatsächlich birgt Blekko einen Rohdiamanten, der nur richtig geschliffen werden muss. Denn der Dienst macht es Nutzern einfach, eigene Spezial-Suchmaschinen zusammenzustellen. Statt sich die Mühe zu machen, die relevanten Web-Seiten beispielsweise zum Thema Hauskauf zusammenzusuchen, könnte man einem kundigen Bekannten oder einem renommierten Experten vertrauen, der diese via Blekko zusammenstellt und kommentiert.

Blekko, das ähnlich wie Google sein Geld durch das Vermarkten von Suchbegriffen machen will, könnte die populärsten Experten an seinen Einnahmen beteiligen. Blekko könnte zudem nicht nur durch seine Technologie, sondern vor allem durch sein Team für Wettbewerber wie Google als Übernahmeobjekt interessant werden. Denn Google hat massenhaft Talente an die Konkurrenz von Facebook verloren, zuletzt den Wave-Erfinder Lars Rasmussen. Galt früher die Regel, dass Google nur Technologie zukauft, die der Konzern nicht selbst entwickeln kann, ist der Suchgigant jetzt auch auf der Suche nach talentierten Teams.

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