Valley Talk: Internationaler Job-Marktplatz in der Wolke

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kolumneValley Talk: Internationaler Job-Marktplatz in der Wolke

Kolumne von Matthias Hohensee

Zwei Griechen vermitteln im Netz erfolgreich Aufträge für Freiberufler – und verändern nebenbei die Arbeitswelt. Welches Potenzial in der Plattform oDesk noch steckt.

Wir vergessen es in der laufenden Debatte um Einwanderung leicht: Immigranten haben viele der Internet-Giganten des Silicon Valley gegründet. Berühmte Beispiele sind Sergey Brin (Russland) von Google, Pierre Omidyar (Frankreich) von Ebay, Jerry Yang (Taiwan) von Yahoo sowie Peter Thiel von PayPal und Konstantin Guericke (beide Deutschland) von LinkedIn.

Weniger bekannt, aber nicht minder eindrucksvoll sind Odysseas Tsatalos und Stratis Karamanlakis. Die beiden Griechen sind dabei, den Jobmarkt tief greifend zu verändern, indem sie ihn noch stärker international öffnen, ohne sich von Barrieren wie Zuwanderungsgrenzen für Ausländer behindern zu lassen. Und indem sie Arbeit zu einem handelbaren Gut machen. Das gilt zumindest für die steigende Zahl von Jobs, die sich via Internet erledigen lassen.

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Die Informatiker aus Athen gründeten vor knapp zehn Jahren oDesk. Die beiden Schulfreunde hatten ein Programm entwickelt, um über weite Distanzen hinweg gemeinsam an Softwareprojekten zu arbeiten. Während Tsatalos Ende der Achtzigerjahre zum Studium in die USA übersiedelte und Mitte der Neunzigerjahre ins Silicon Valley zog, blieb Karamanlakis in Athen.

Globalisierung Wie die Digitalisierung die Arbeitswelt umkrempelt

Wer heute einen Job sucht, steht vor den Herausforderungen einer digitalisierten Welt. Startups wie oDesk machen sich diese zum Geschäftsmodell und bringen Freiberufler aus aller Welt zusammen.

Eine Frau bedient in einem Cafe ein iPad. Der Tablet Computer iPad von Apple ist mit einem Umsatzanteil von 53 Prozent nach aktuellen Berechnungen die wichtigste Umsatzquelle im mobilen Online-Handel in Europa.  Quelle: dpa

oDesk ist mittlerweile die weltweit größte Vermittlungsplattform für Freiberufler, spezialisiert auf alle – seriösen – Arbeiten, die Menschen am Computer erledigen und abrechnen können: etwa Web-Seiten programmieren, Bücher schreiben, Marketingpläne entwerfen, bis hin zu Tätigkeiten wie Übersetzen, Buchhaltung, Steuerberatung und dem Prüfen von Verträgen. Quasi eine Art internationale Job-Wolke. Ähnlich wie bei Ebay benoten die Auftraggeber die Güte der erbrachten Leistungen. Auch das Geschäftsmodell ähnelt sich. oDesk stellt die Plattform bereit und erhält zehn Prozent der Auftragssumme.

Im Dezember kündigten Tsatalos und Karamanlakis an, mit der Nummer zwei im Markt, Elance, zusammenzugehen. Damit vergrößern sie den Abstand zur Konkurrenz wie Guru und Pareto Central noch weiter. Nach eigenen Angaben verbindet die fusionierte Firma weltweit etwa acht Millionen Dienstleister und zwei Millionen Auftraggeber. 60 Prozent der Projekte kommen aus Nordamerika. Deutschland ist zum größten Markt außerhalb des englischen Sprachraums aufgestiegen. Noch ist der Umsatz bescheiden. Beobachter schätzen ihn für das kombinierte Unternehmen in diesem Jahr auf 70 Millionen Dollar bei einem Geschäftsvolumen von 700 Millionen Dollar.

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Doch das Geschäft wächst, vor allem seit Cloud Computing es leichter macht, Aufträge zu erledigen. Kritiker bemängeln indes, die internationale Plattform würde mit ihrer Transparenz die Honorare drücken und feste Arbeitsbeziehungen aufweichen. „Unseren Daten zufolge sind die Honorare in den vergangenen Jahren gestiegen, vor allem für spezialisierte Tätigkeiten“, entgegnet Matt Cooper, bei oDesk für Geschäftsentwicklung zuständig. Es gebe viele Dienstleister auf ihrer Seite mit sechsstelligem Jahreseinkommen, behauptet er.

Zudem gebe es viele Beispiele, bei denen Unternehmen dank des flexiblen Zugriffs auf die Online-Talente zusätzliche Jobs vor Ort schaffen konnten, beispielsweise in Verkauf und Produktion. Egal, wie wir oDesk sehen – der Bedarf für seinen Marktplatz ist vorhanden. Was in dem Modell steckt, macht das Unternehmen selber vor. 75 Prozent seiner Mitarbeiter sind Freiberufler. Und Mitgründer Karamanlakis hat Athen nie verlassen. Von der griechischen Hauptstadt aus koordiniert er noch heute die Softwareentwicklung von oDesk. Und ist damit wohl bislang der einzige Gründer, der aus der Ferne erfolgreich einen Marktführer im Silicon Valley aufgebaut hat.

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