Valley Talk: Ist SAP reif für die Cloud?

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Ab Mai leitet Bill McDermott den Vorstand allein. Mit der Verdoppelung des Cloud-Umsatzes auf zwei Milliarden Euro will er ein Denkmal setzen

Kolumne von Matthias Hohensee

Die Baden-Württemberger wollen künftig mehr Software als bisher vermieten, statt sie zu verkaufen. Die High-Tech-Szene ist skeptisch, ob der Strategiewechsel gelingt.

Jonathan Becher definiert sich nicht als Amerikaner. Obwohl er das laut Pass natürlich ist. Aber weil seine Eltern aus Europa kommen, sieht er sich als eine Art Weltbürger. Genau wie er gern seinen Arbeitgeber SAP beschreibt. Der hat zwar seinen Hauptsitz immer noch im beschaulichen Walldorf unweit von Heidelberg, ist aber längst in die weite Welt gezogen. Becher ist seit knapp drei Jahren oberster Marketingchef von SAP, mit Sitz in Palo Alto, Silicon Valley. Zuvor hatte er drei kleinere Softwarefirmen geführt.

Nun muss er das schier Unmögliche vollbringen: SAP als die „Cloud Company“ etablieren. Nicht nur im Silicon Valley ist das ein Schenkelklopfer. SAP gilt als konservativ. Und bisher alles andere als erpicht darauf, sein bewährtes Geschäftsmodell des Verkaufens von Software auf deren Vermietung umzustellen. Erst fünf Prozent der 16,8 Milliarden Euro Umsatz erzielt der Konzern mit der klassischen Software aus der Wolke. Und das auch nur, weil SAP sich die Silicon-Valley-Unternehmen SuccessFactors und Ariba einverleibte.

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SAP erschien bisher eher als Nachzügler denn als Trendsetter. Doch Becher und sein Chef Bill McDermott meinen es ernst. McDermott leitet ab Mai den Vorstand von SAP allein. Der 52-Jährige, dem Ambitionen als US-Senator nachgesagt wurden, will sich mit dem Umbau von SAP in ein modernes Mietsoftwareunternehmen ein Denkmal setzen. Damit muss er Ähnliches bewerkstelligen wie der neue Microsoft-Chef Satya Nadella, der zuvor die Cloud-Sparte seines Konzerns führte.

Bis Ende 2015 will McDermott den Cloud-Umsatz auf zwei Milliarden Euro verdoppeln. „Man muss das Wachstum sehen, nicht den derzeitigen Anteil am Gesamtumsatz“, weist Becher die Kritik zurück, das Image als „Cloud Company“ sei weit hergeholt. Behutsam haben McDermott und Becher die Strategie in den vergangenen Tagen Wall-Street-Analysten erläutert. Denn das Vermieten von Software wirkt sich zunächst negativ auf Umsatz und Gewinn aus. Die Einnahmen verteilen sich über einen längeren Zeitraum.

In sechs Quartalen soll dieses Zwischentief überwunden sein und die Strategie sich dann umso stärker positiv auswirken. Ein Unsicherheitsfaktor ist, wie schnell SAP sein wird. Zwar kann der Konzern den Wandel über seine Preispolitik antreiben. Doch das Tempo geben die Kunden vor. Sie entscheiden, ob sie lieber mieten, statt zu kaufen. Während US-Konzerne mehr und mehr Letzteres bevorzugen, halten viele Kunden in Europa es lieber mit der Tradition.

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Mietsoftware galt bislang als Schreckgespenst für konventionelle Anbieter. Dabei könnte sie sogar den Umsatz beflügeln. Zwar versprechen Cloud-Anbieter, auch McDermott, weniger Komplexität. Doch tatsächlich bringt die neue Softwarelandschaft mit ihrer Gemengelage aus externer und firmeninterner Wolke, regulatorischen Auflagen wie Datenschutz und Datensicherheit sowie von weltweit ins Firmennetz eingebundenen Mobilgeräten noch mehr Aufwand. Und damit zusätzliche Serviceleistungen – der eigentlichen Goldader der Softwarebranche. Hinzu kommt: Die Anbieter müssen wegen der niedrigen Anfangsinvestition meist nicht mehr zentral über den IT-Chef des Kunden gehen, der größere Ausgaben genehmigt. Stattdessen können sie direkt an die Bereiche verkaufen. Was Newcomer wie Salesforce oder Workday bereits erfolgreich praktizieren. So wird die Landkarte noch bunter.

McDermott wie auch Nadella müssen noch beweisen, ob sie ein traditionelles Geschäftsmodell mit dessen Kostenstruktur und den Entwicklungszyklen so einfach auf ein neues Fundament hieven können. Dabei helfen Slogans wenig. So sind beide sowohl Treibende als auch Getriebene.

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