Valley Talk: Klassenkampf im Silicon Valley

ThemaInternet

kolumneValley Talk: Klassenkampf im Silicon Valley

Bild vergrößern

Demnächst sollten die Mitarbeiter von Google, Facebook und Apple lieber mal auf das Fahrrad umsteigen. Grund sind die Proteste gegen die Busse der Firmen, die ihre Fahrgäste an ihre Arbeitsplätze im Silicon Valley bringen.

Kolumne von Matthias Hohensee

Das Gebahren der High-Tech-Elite in Kalifornien stößt zunehmend auf Widerstand der übrigen Bewohner. Doch ein Sinneswandel ist nicht absehbar.

Vinod Khosla zelebriert sich gern als grünes Gewissen des Silicon Valley. Mit Recht: Der Wagnisfinanzierer hat Milliarden Dollar in die Umwelttechnik gesteckt. Etliche hochriskante Projekte kamen nur zustande, weil er als prominenter Investor einstieg und zuvor zögerliche Geldgeber mitzogen. Der Milliardär hat eine Mission: das Leben der Menschheit durch High Tech zu verbessern und gleichzeitig Kapital zu mehren.

Nicht zu diesem Image passt ein derzeit viel diskutierter Rechtsstreit. Vor einigen Jahren hat Khosla ein besonders schönes Grundstück direkt am Meer in Half Moon Bay gekauft, rund 40 Autominuten vom Silicon Valley entfernt. Der vor seiner Immobilie liegende Strand ist bei Surfern wegen seiner kräftigen Wellen beliebt.

Anzeige

Internet Diese Männer greifen nach Ihrem Geschäft

Thermostate, Diagnosegeräte, Bildung - das Web erobert jede Nische unseres Lebens. Über die großen Trends bis 2020 und neue Player, die etablierten Unternehmen Konkurrenz machen.

Quelle: dpa

Doch Khosla hat die Zufahrt blockiert und damit ein heiliges Prinzip verletzt. Strand ist öffentlich in Kalifornien, und Besitzer angrenzender Grundstücke sind verpflichtet, allen Zugang zu gewähren. Selbst Hollywood-Milliardäre im südkalifornischen Malibu müssen hinnehmen, dass sich das gewöhnliche Volk vor ihren Anwesen sonnt. Khoslas Anwälte konnten sich bisher vor Gericht mit dem Argument durchsetzen, das Grundstück sei bereits vor der Gründung Kaliforniens als Ranch genutzt worden und falle daher unter eine Ausnahmeregelung. Die Küstenkommission des Bundesstaates sieht das anders. In Kürze beginnt die Berufungsverhandlung.

Das Verfahren ist ein neuer Höhepunkt in der sich zuspitzenden Auseinandersetzung um das Gebahren der High-Tech-Kaste. Spannungen gibt es seit Jahren im Silicon Valley. Sie reichen vom Ärger über Nachtfluggenehmigungen am Flughafen San Jose, damit Oracle-Milliardär Larry Ellison mit seiner Privatmaschine flexibler reisen kann. Und setzen sich mit der Invasion von Internet-Firmen wie Twitter oder Zynga in ehemals günstige Stadtteile San Franciscos fort sowie dem Zuzug von Google- und Facebook-Mitarbeitern, die fast jeden Grundstücks- oder Mietpreis zahlen können.

Seit Neuestem brodelt der Unmut aber nicht mehr unter der Oberfläche. Er zeigt sich öffentlich in Protesten gegen die Busse von Google, Facebook oder Apple, die ihre Fahrgäste hinter verspiegelten Fenstern aus deren hippen Wohnort San Francisco an ihre Arbeitsplätze im Silicon Valley befördern und dafür wie selbstverständlich städtische Bushaltestellen nutzen.

Weitere Artikel

Eine Ursache des wachsenden Widerstands ist die kräftige Expansion der High-Tech-Branche in den vergangenen zehn Jahren. Sie hat die Kluft zwischen den hohen Einkommen dieser Kaste und den in der Regel stagnierenden Löhnen der Allgemeinheit sichtbarer gemacht. Mehr noch: Galten Internet-Startups früher als Rebellen gegen das Establishment, betrachtet die Öffentlichkeit ihre Produkte und Dienstleistungen inzwischen kritisch. Dabei geht es nicht nur um Datenverwerter wie Google, sondern auch um Firmen wie Uber, die Mitfahrgelegenheiten vermitteln, und AirBnB, die private Unterkünfte anbieten. Deren Geschäft bedroht die traditionellen Jobs von Taxifahrern und Zimmermädchen sowie die Steuereinnahmen der klammen Kommunen.

Weil kreative Zerstörung zum Silicon Valley gehört, werden sich die Konflikte verschärfen. Die Internet-Branche tut Dinge ungefragt. Selbst wenn es nur um das Ansteuern öffentlicher Bushaltestellen geht. Aber die High-Tech-Elite wäre gut beraten, zumindest in ihrer Nachbarschaft bescheidener aufzutreten. Google ist auch deshalb eine so beliebte Zielscheibe von Protesten, weil der Konzern jahrelang seinen Mythos als Hort der Superelite gepflegt hat. Vielleicht erkennt auch Khosla, dass Nachgeben manchmal klüger als Gewinnen ist. Aber: Das wäre völlig konträr zu den üblichen Sitten im Valley.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%