Valley Talk: Lukrative neue Wolke

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Matthias Hohensee: Wird das Geld für neue Ideen und Produkte knapp?

von Matthias Hohensee

Die Zukunft der Computer- und Softwareindustrie sieht rosig aus – weil die digitale Welt der nächsten Dekade immer komplizierter wird.

Als ich 1998 als Korrespondent ins Silicon Valley übersiedelte, beherrschte ein Begriff das High-Tech-Tal wie ein Mantra. Wer in der IT-Branche etwas gelten wollte, musste ihn fortwährend murmeln. „Dotcom“ war’s – das klang nach Fortschritt, nach einer neuen Welt mit grenzenlosem Wachstum, Millionen von Kunden weltweit. Und alles nur einen Mausklick entfernt. Rund zwei Jahre ging das noch gut, bis das Schlagwort – nach dem Absturz der Technologiebörse Nasdaq – plötzlich zum Synonym wurde für enttäuschte Hoffnungen, für Unternehmen ohne Geschäftsmodell, Sinn und Verstand.

Heute jedoch erinnert im Silicon Valley wieder vieles an 1998. Während der Rest der USA noch die Folgen der Rezession spürt, herrscht zumindest in der Computer- und Softwareindustrie wieder Optimismus. Programmierer und Verkäufer sind rar. Eine High-Tech-Messe jagt die nächste. „So eine Aufbruchsstimmung gab es lange nicht mehr“, sagt Klaus Besier, der in den Neunzigerjahren das US-Geschäft für den deutschen Softwarekonzern SAP aufbaute. Er weiß auch, warum. „Es gibt dort in den nächsten Jahren richtig Geld zu verdienen.“

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Beschäftigung für die nächste Dekade

Das neue Mantra heißt „Cloud Computing“. Es beschreibt den Trend, Software und Daten nicht mehr auf stationären Arbeitsplatzrechnern, sondern in zentralen Rechenzentren oder im Internet zu betreiben oder zu speichern – „in the Cloud“. Der Begriff wird so inflationär verwendet, dass Software-Tycoon Larry Ellison ätzt: „Es ist, als gäbe es plötzlich nur noch eine Farbe. Alles ist rot, es gibt nichts anderes.“ Doch entziehen will sich auch der Gründer und Chef des IT-Konzerns Oracle dem Thema nicht: Oracle bewirbt seine eigene elastische Wolke. Andere konzipieren virtuelle Wolken oder solche nach Bedarf.

Immerhin: Im Gegensatz zum Dotcom-Hype des vergangenen Jahrzehnts glauben selbst Kritiker des Cloud-Begriffes, dass der damit verbundene technische Umbruch die Computer- und Softwarebranche mindestens für die kommende Dekade beschäftigen wird.

Denn der Vorteil der Technik ist nicht nur, dass Anwendungen und mit ihnen verknüpfte Daten stets für alle Anwender aktuell sind. Je nach Bedarf lässt sich auch Rechenleistung flexibel zu- oder abschalten. Als Erfinder der modernen Wolke gilt – ausgerechnet – ein Dotcom-Unternehmen: Der Online-Händler Amazon.com bietet seit 2006 Rechenleistung nach Bedarf an, die der Kunde nach Verbrauch bezahlt.

Längst hat der Begriff Cloud Computing eine Eigendynamik entwickelt und wird viel weiter gefasst. Fans der Technik preisen sie als Heilmittel gegen die zunehmende Komplexität von Computern und Software. Nur noch 30 Prozent ihrer IT-Budgets stecken Unternehmen heute in neue Technik. Der Rest geht dabei drauf, Hard- und Software am Laufen zu halten. Der Anteil, locken Cloud-Anbieter, ließe sich dank ausgelagerter Infrastruktur auf 50 Prozent senken.

Das klingt nur im ersten Moment so, als wolle sich die IT-Branche selbst ein Bein stellen, weil der Markt durch effektivere Systeme schrumpfen könnte. Tatsächlich ist es wohl anderes herum: „Es wird zunächst alles noch komplizierter“, prognostiziert Besier, heute Chef der niederländisch-amerikanischen Firma RES Software.

Denn die eine optimale und universelle Wolke bleibt bloße Utopie. Stattdessen wird es eine Vielzahl von Rechnersystemen geben, gekoppelt mit privaten und öffentlichen Wolken, umhüllt von allerhand Sicherheitssoftware. Zwischen all diesen Plattformen müssen gigantische Mengen von Daten abgeglichen werden, damit die Anwender darauf zugreifen können, vor allem mit mobilen Endgeräten. Ein immenser Aufwand, auch bei der Absicherung der Technik gegen digitale Angreifer, der den Herstellern anhaltend gute Geschäfte bescheren wird. Zumal sich die Datenflut alle anderthalb Jahre verdoppelt – und der Bedarf an leistungsfähigeren Rechenzentren schier ungebremst wächst.

Dem Nutzer mag es dabei grausen, die Stimmung im Valley aber treibt es auf alte Höhen – wie in den späten Neunzigern.

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