Valley Talk: Meister des Tamtams

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Matthias Hohensee: Wird das Geld für neue Ideen und Produkte knapp?

von Matthias Hohensee

Sie glauben, das Silicon Valley wurde durch lauter Nerds und Superentwickler zum High-Tech-Eldorado? Falsch, das eigentliche Erfolgsgeheimnis ist die Macht des Marketings.

Mal angenommen, ein Unternehmer hätte nur die Wahl, sein neues Produkt durch zusätzliche Entwickler zu verfeinern oder das Marketing kräftig zu verstärken. In Deutschland bekäme in den meisten Fällen der Ingenieur den Vorzug. Und im Silicon Valley, dem High-Tech-Eldorado? Sicher doch auch der Entwickler, denken Sie? Falsch!

„Am Marketing dürfen Sie keinesfalls sparen“, sagt Bill Campbell. Was nicht verwundert. Schließlich hat der Aufsichtsratschef der Finanzsoftwareschmiede Intuit seine Karriere im Silicon Valley Anfang der Achtzigerjahre als Marketingchef bei Apple angefangen. Sein Wort hat Gewicht, berät der 69-Jährige doch unter anderem Apple-Chef Steve Jobs.

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Tatsächlich ist das Silicon Valley nicht nur ein Magnet für Wissenschaftler, Unternehmer, Ingenieure und Geldgeber. Auch im Vermarkten ihrer Ideen sind sie im High-Tech-Tal ungekrönte Meister des Tamtams.

Jüngstes Beispiel sind das Unternehmen Bloom Energy und sein Gründer KR Sidhar. Der Ex-Raumfahrtprofessor, ein gebürtiger Inder, entwickelte eine Festoxid-Brennstoffzelle aus Keramik, die als Katalysator statt teuren Platins eine günstige Legierung benutzt. Damit lassen sich aus Hunderten Brennstoffzellenmodulen Mini-Kraftwerke montieren, die aus Erd- oder Biogas Strom erzeugen.

Schon bei EBay, Google, Coca-Cola und Wal-Mart im Einsatz

Doch weil nicht einmal ein so innovatives Produkt im Valley die erwünschte Aufmerksamkeit erzeugt, lud Sidhar zur Premiere von Bloom Energy im Februar erstrangige Unterstützer wie Gouverneur Schwarzenegger, Ex-Außenminister Colin Powell, der im Aufsichtsrat des Startups sitzt, sowie Google-Gründer Larry Page, dessen Firma als erster Testkunde fungiert. Mit Erfolg: Jetzt kennt Bloom in der Energiebranche jeder – weltweit.

Ob die Technik die Erwartungen erfüllt, muss der Langzeittest zeigen. Bei Ebay, Google, Wal-Mart und Coca-Cola sind die Mini-Kraftwerke bereits im Einsatz. Großzügig subventioniert durch den notorisch klammen Staat Kalifornien, der sich mit der Cleantech-Innovation schmückt.

Von dem Image-Erfolg profitiert auch Kapitalgeber Kleiner Perkins, der Anfang 2001 das Startkapital bereitstellte. Seitdem hat Bloom Energy mehr als 400 Millionen Dollar eingesammelt. Das Tamtam hilft auch anderen Firmen, die an Brennstoffzellen arbeiten. Denn so neu, wie die PR verspricht, ist KR Sidhars Idee nicht.

Aber ist das wirklich wichtig? Auch die Gründer von Google haben die Suchmaschine schließlich nicht erfunden. Aber sie erdachten eine bessere Version, die sich – auch – dank der erfolgreichen Vermarktung durch ihre Silicon-Valley-Kapitalgeber weltweit durchsetzte.

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