Valley Talk: Mit Facebook-Fotos Geld verdienen

kolumneValley Talk: Mit Facebook-Fotos Geld verdienen

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Matthias Hohensee berichtet für die WirtschaftsWoche aus dem Silicon Valley

Facebook sorgt mit seiner Gesichtserkennung erneut für Ärger. Ein Münchner Unternehmer will derweil den Fotoschatz von Facebook für den eigenen Erfolg im Internet nutzen.

Der Schritt war gewagt. Im Frühjahr 2007 entschied Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, sein soziales Netzwerk erstmals für externe Entwickler zu öffnen. Facebook hatte damals erst rund 20 Millionen Nutzer. Im Aufsichtsrat gab es Diskussionen um die Gefahr, dass Außenstehende die Reputation von Facebook ruinieren und seine Nutzer vergraulen könnten.

Zuckerberg setzte sich durch. Je mehr Programmierer auf Facebook aufsetzen, so sein Kalkül, umso attraktiver werde die Plattform für die eigenen Nutzer und andere Entwickler. Er lag richtig. Vier Jahre später wird die Zahl der externen Facebook-Entwickler auf mindestens eine Million weltweit geschätzt. Ihr Engagement lässt das Unternehmen Facebook viel größer erscheinen, als es tatsächlich ist. Obwohl es Hunderte Millionen Nutzer hat, beschäftigt das soziale Netzwerk weltweit gerade mal 2500 Mitarbeiter, nur ein Dutzend davon in Deutschland.

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Dagegen zählt alleine Zynga – einer der bekanntesten Profiteure der Facebook-Plattform und Programmierer von Online-Spielen wie FarmVille oder Mafia Wars – rund 2000 Mitarbeiter. Das Unternehmen aus San Francisco wird in Kürze an die Börse gehen. Sein Wert wird bereits jetzt auf zehn Milliarden Dollar geschätzt. Ob Zynga, Crowdstar oder Playfish, Hunderte Unternehmen sind im Windschatten der Facebook-Plattform bereits entstanden. Einige, wie Slide.com oder Playdom, wurden von Google beziehungsweise Disney gekauft.

Facebook verdient eifrig mit

Die Vielzahl der Angebote macht es Neueinsteigern immer schwerer, Fuß zu fassen, besonders in der überlaufenen Kategorie sogenannter Social Games. Konnten sich Frühstarter wie Zynga noch fast ungebremst auf Facebook austoben, müssen Newcomer längst massiv Werbung schalten, wovon wiederum Facebook profitiert.

Ab Juli müssen zudem alle Online-Spiele-Anbieter, die virtuelle Güter vermarkten, Facebook Credits, die Währung des sozialen Netzwerks, verwenden und 30 Prozent ihrer Einkünfte an Facebook abgeben.

Sind die Zeiten, in denen Entwickler mit guten Ideen, aber wenig Geld dennoch ihr eigenes Facebook-Imperium hochziehen konnten, also schon wieder vorbei?

Julian Klym sieht das anders. Der 34-jährige Münchner glaubt, dass es noch lukrative Geschäftschancen auf Facebook gibt. Seine eigene sieht er in den rund 80 Milliarden Fotos, die auf Facebook lagern und täglich um weitere Millionen ergänzt werden. Denn Fotos auf Facebook her-aufladen ist leicht, sie dort zu verwalten nicht. Die nun auch in Deutschland aktivierte Gesichtserkennung soll das erleichtern, argumentiert Facebook - und zieht sich doch wieder einmal viel Ärger zu.

Auch Klym will das Bilder-Verwalten mithilfe seines Fotobrowsers Timdoo ändern, der Bilder von Freunden übersichtlich in Alben organisiert und das Suchen in ihnen erleichtert.

Bald soll eine Printfunktion dazukommen. Damit können die Fotos automatisch zu Druckanbietern wie Hewlett-Packard geschickt werden, von denen Timdoo dafür eine Provision bekommt. Denn trotz aller digitalen Bilderrahmen, Smartphones, Tablets oder der heimischen Fernseher als Wiedergabeschirm werden Digitalfotos weiter kräftig auf Papier gedruckt.

Um näher an Facebook zu sein, ist der Münchner mit seinem Startup nach San Francisco gezogen. Das Startkapital hat ihm unter anderem Jörg Überla, ein ehemaliger Partner des deutschen Wagnisfinanziers Wellington Partners, gegeben. Momentan versucht Klym im Valley weitere rund 700 000 Dollar einzusammeln. Einfach wird es für ihn nicht, denn es gibt schon ein Dutzend Wettbewerber auf Facebook. Und wenn sich die Idee bewährt, wird deren Zahl noch enorm zunehmen.

Zudem gibt es keine Gewähr, dass Facebook seine derzeit dürftigen Fotoverwaltungsfunktionen nicht kurzerhand selbst ausbaut. So wie Facebook seinen eigenen Lokalisierungsdienst in Konkurrenz zu Foursquare oder Facebook Deals als Alternative zu Groupon etabliert hat.

Für Klym ist es also ein riskantes Manöver. Aber dass sich das durchaus auszahlen kann, hat Zuckerberg ja schon höchst-persönlich bewiesen.

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