Valley Talk: Netflix-Gründer nimmt die Datenautobahn

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kolumneValley Talk: Netflix-Gründer nimmt die Datenautobahn

Kolumne von Matthias Hohensee

Geht es um heikle Themen wie die Netzneutralität, sind auch Internet-Unternehmer schnell keine Heiligen mehr. Und das stets unter dem Deckmäntelchen der Service-Leistungen. Warum das clever ist.

Fällt der Internet-Gründer Reed Hastings seiner eigenen Branche in den Rücken, ist er ein Verräter? Im Silicon Valley hat der Chef des Online-Videoanbieters Netflix sich jedenfalls etliche Sympathien verscherzt, seit er mit dem Kabelnetzbetreiber Comcast einen kontroversen Pakt einging. Netflix, in den USA Marktführer beim Vermieten von Spielfilmen und Fernsehserien über das Internet, speist seine Inhalte jetzt direkt ins Netz des Kabelfernsehgiganten ein, statt diese über Dienstleister anzuliefern. Die Daten von Netflix können so zuverlässiger und rascher zum Endkunden fließen. Dies Privileg lässt sich Comcast bezahlen.

Hastings hat damit eine heilige Kuh des Silicon Valley zumindest verwundet: die Netzneutralität, von der viele Internet-Unternehmen im Silicon Valley profitieren. 2005 schrieb die Aufsichtsbehörde Federal Communications Commission (FCC) vor, dass Betreiber von Telefon- und Kabelnetzen die von ihnen transportierten Internet-Inhalte nicht willkürlich beeinflussen dürfen. Ihnen ist also etwa nicht gestattet, die Datenpakete von Vielnutzern oder Konkurrenten abzubremsen oder zusätzliches Geld für die schnellere Zustellung zu verlangen. Dank dieser Regel florierten Internet-Vielnutzer wie Google oder Facebook.

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Netflix - Erfolg durch Vorteile

Kein anderer Internet-Unternehmer hat aber von der durch den Steuerzahler bezuschussten Infrastruktur so profitiert wie Hastings. Er gründete 1997 Netflix und verschickte zunächst DVDs an die Kunden – und zwar kostengünstig und zu Sonderkonditionen über die US-Post. Konkurrenten wie Blockbuster, die teure stationäre Videotheken betrieben, konnten nicht mithalten und gingen bankrott. Später stellte Hastings auf Internet-Videos um. Und machte dank einer günstigen monatlichen Pauschalgebühr erfolgreich ähnlichen Angeboten von US-Kabelnetzbetreibern wie Comcast Konkurrenz, die dank der Netzneutralität zähneknirschend die Inhalte von Netflix transportieren mussten. Zwar verletzt der Pakt von Netflix und Comcast auf dem Papier nicht die Netzneutralität. Denn Hastings bezahlt nicht für schnelleren Transport. Netflix kann aber seine Daten effektiver bereitstellen. Das verbessert die Zuverlässigkeit seiner Dienste im Vergleich zu den Wettbewerbern, was die Netzneutralität untergräbt. Die ist ohnehin unter Beschuss, seit ein Berufungsgericht die FCC-Regeln kippte. Nun will die Behörde nachbessern, dabei aber die Netzneutralität beibehalten. Laut Beobachtern wird das aber nicht gelingen, weil der republikanisch dominierte Kongress dies blockieren will.

Pragmatisches Vorgehen

Ist Hastings damit ein Verräter an der Internet-Kultur? Nein. Er ist nur ein pragmatischer Geschäftsmann. Der Pakt mit Comcast verbessert den Service für die Kunden. Netflix spart sogar Geld. Denn es soll dem Netzbetreiber für die direkte Anlieferung weniger bezahlen, als es bislang für den Transport über externe Dienstleister ausgeben musste. Netflix ist mittlerweile so populär, dass die Kabelnetz-Konzerne den Dienst nicht einfach boykottieren können. Der Videoservice könnte eventuelle Mehrkosten sogar verschmerzen und diese auf seine in der Regel treuen Kunden umlegen.

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Ähnlich pragmatisch geht Jeff Bezos vor. Der Amazon-Gründer kämpfte jahrelang dagegen, die US-Verkaufssteuer auch aufs Internet auszuweiten. Jetzt unterstützt er sie, denn sein Unternehmen ist populär genug und benötigt den Preisvorteil gegenüber stationären Geschäften nicht mehr. Seine Web-Wettbewerber aber schon.

Internet-Unternehmer stellen sich gern als Weltverbesserer dar. Tatsächlich verändern sie die Welt. Zuallererst sind sie aber Geschäftsleute. Und müssen damit Wettbewerber bekämpfen, auch indem sie Regeln und Vorschriften attackieren – selbst wenn sie einst von ihnen profitierten.

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