Valley Talk: Netzneutralität kippt - und Google hilft mit

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Bisher war Google ein Verfechter der Netzneutralität. Das könnte sich nun ändern

Kolumne von Matthias Hohensee

Beobachter erwarten, dass sich die Netzneutralität in den USA künftig aufweichen wird. Ausgerechnet Google trägt dazu bei.

Internet-Nutzer im Silicon Valley können nur davon träumen, was Google im 3000 Kilometer entfernten Kansas City offerieren will: Für 70 Dollar bietet der Konzern einen Internet-Anschluss mit superschnellen Downloads von einem Gigabit pro Sekunde. Für 50 Dollar zusätzlich ist noch Kabelfernsehen mitsamt Festplattenrekorder und einem Nexus Tablet als Fernbedienung inklusive.

Das freut nicht nur die Kunden. Kansas Citys Lokalpolitiker haben sich sogar Hoffnungen gemacht, dass das ultraschnelle Netz viele neue Internet-Startups anlocken würde, für die schnelle und billige Web-Zugänge eine Lebensgrundlage sind.

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Doch daraus wird nichts. Google will mit dem Angebot nur Privatkunden ansprechen und verlangt in den Nutzungsvereinbarungen, dass Kunden nur mit ausdrücklicher Genehmigung von Google eigene Server anschließen dürfen.

Google spricht mit gespaltener Zunge

Damit tut Google genau das, was anderen Internet-Providern wie der Telekom vorgeworfen wird: Das Unternehmen versucht, seine Investitionen zu schützen. Für Googles Kritiker ist das der Beleg, dass der Silicon-Valley-Gigant mit gespaltener Zunge argumentiert: Bislang galt Google als Unterstützer der sogenannten Netzneutralität, bei der Inhalte ohne Rücksicht auf Inhalt und Umfang diskriminierungsfrei durchs Internet geschleust werden müssen.

Im Grunde verletzt Google die Netzneutralität mit dem neuen Angebot in Kansas City nicht. Weder legt der Konzern fest, welche Inhalte seine Kunden dort nutzen dürfen, noch jagt er seine eigenen Dienste auf einer Sonderspur durchs Netz.

Andererseits schränkt Google den Gebrauch seines Angebots ein. Denn jeder private Computer könnte zugleich als Server definiert werden. So könnte Google unliebsame Vielnutzer einfach ausschließen. Von einem neutralen Umgang mit Nutzern wäre keine Rede mehr. Und das zeigt, dass Google – je nach Interessenlage – mal für und mal gegen ein neutrales Netz argumentiert. Dieses Coming-out in der US-Provinz könnte die gesamte Netzneutralität und sogar die US-Telekomaufsichtsbehörde FCC ins Wanken bringen: Im September soll das US-Berufungsgericht in Washington darüber befinden, ob die FCC ihre Kompetenzen überschritten hat, als sie 2011 den US-Providern die Netzneutralität auferlegte.

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