Valley Talk: Online-Gentests nur Kaffeesatz-Leserei

Valley Talk: Online-Gentests nur Kaffeesatz-Leserei

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Matthias Hohensee berichtet für die WirtschaftsWoche aus dem Silicon Valley

von Matthias Hohensee

In den USA geraten Online-Anbieter von Erbguttests unter Beschuss, die Aussagekraft der Gentests sei oft „verheerend“. Auch Google ist in dem Geschäft involviert.

Die Ermittler des General Accounting Office (GAO), einer Art Bundesrechnungshof der USA, agierten verdeckt. Bei vier Unternehmen, die Gentests online anbieten, orderten sie jüngst zu Preisen zwischen 299 und 999 Dollar insgesamt 40 Tests, mit denen laut Werbung der Unternehmen jedermann feststellen kann, wie hoch sein persönliches Risiko ist, an Krebs, Herzinfarkt oder Diabetes zu erkranken. Die Idee ist, rechtzeitig seinen Lebensstil umzustellen oder vorbeugend Medikamente zu nehmen. Seit Monaten vermarkten Unternehmen wie 23andme oder Navigenics Tests auf der ganzen Welt.

Doch die Ergebnisse sind oft reine Kaffeesatzleserei: Einer Probandin etwa bescheinigten einige Tests ein erhöhtes Blutkrebs-Risiko, andere Tests stuften das Risiko unterdurchschnittlich ein. „Verheerend“, so das Urteil von GAO-Direktor Gregory Kutz über die Aussagekraft der Gentests. Der US-Genforscher Craig Venter hatte dies nach ähnlichen Studien bereits im Frühjahr in der Fachzeitschrift Nature kritisiert.

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Grund für die widersprüchlichen Aussagen ist, dass die Wissenschaft noch zu wenig darüber weiß, wie das Erbgut den Ausbruch von Krankheiten beeinflusst. Zudem wird nur ein zu kleiner Teil der Erbmasse untersucht.

Der GAO-Report jedenfalls hat selbst die Regierung aufgerüttelt. Die US-Arzneimittelbehörde denkt darüber nach, Gentest-Anbieter künftig ähnlich streng wie Hersteller von medizinischen Geräten zu behandeln.

Googles Beziehung zu Gentests

Im Silicon Valley sorgte der Regierungsbericht für Aufregung, weil der Suchgigant Google Anteile an 23andme und Navigenics hält. Google sieht die Gentest-Anbieter als Pioniere bei personalisierten Medizin, der Experten enormes Wachstumspotenzial bescheinigen. Google-Gründer Sergey Brin ist 23andme zudem verwandtschaftlich verbunden: Seine Frau Anne, eine Biologin, hat die Firma mitgegründet. Schlagzeilen machte Brin, als ihm ein Test von 23andme ein hohes Risiko bescheinigte, an Parkinson zu erkranken.

23andme wehrt sich heftig gegen den Prüfbericht, beklagt sich über dessen unwissenschaftliche Herangehensweise. GAO-Direktor Kutz kontert, dass man nur das nachvollzogen habe, was jeden normalen Kunden der Gentest-Firmen erwartet.

Am Ende könnte das PR-Malheur sich jedoch als positiv für die Firmen erweisen. Denn kein Kunde kann jetzt noch behaupten, nicht vorab gewarnt worden zu sein. Zudem schrecken mögliche staatliche Auflagen potenzielle Konkurrenten ab. 23andme ist mit 23 Millionen Dollar und Navigenics sogar mit 43 Millionen Dollar bereits gut mit Wagniskapital ausgestattet und im Markt etabliert.

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