Valley Talk: Personalrochade beim Cloud-Giganten

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Der ehemalige Technikchef bei Intel, Pat Gelsinger muss noch auf den Chef-Posten bei EMC warten. Joe Tucci will seinen Platz trotz Rentenalter noch nicht räumen

Kolumne von Matthias Hohensee

Intels einstiger Technikchef muss sich als Kronprinz für die CEO-Nachfolge beim High-Tech-Imperium EMC beweisen - es ist eine der wichtigsten Personalien im Valley.

In dem Trubel um die neue Yahoo-Chefin Marissa Mayer ging eine andere überraschende Personalie völlig unter. Dabei hat sie wesentlich mehr Auswirkungen auf das Silicon Valley als der Wechsel der ehemaligen Google-Produktchefin an die Spitze des angeschlagenen Online-Medienunternehmens.

Der Bostoner Datenspeicher-Gigant EMC, Eigner des Virtualisierungsspezialisten VMWare aus Palo Alto, tauschte dessen Chef aus. Das Unternehmen entwickelt Software, mit der sich auf Servern in Rechenzentren der Betrieb mehrerer Computer simulieren lässt. An der Spitze von VMWare steht ab September Pat Gelsinger. Sein Vorgänger Paul Maritz, früher ein enger Vertrauter von Microsoft-Gründer Bill Gates, wird neuer Strategiechef von EMC. Beide Männer tauschen die Rollen.

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Dabei war erwartet worden, dass Gelsinger, einst Technikchef von Intel, in Kürze zum neuen Chef von EMC berufen werden würde. Doch dessen Vorstandschef Joe Tucci, der gerade das Rentenalter erreicht hat, denkt noch nicht ans Aufhören. Er will erst sichergehen, dass der Technologieexperte Gelsinger auch einen Milliardenkonzern führen kann. Das kann er nun bei VMWare beweisen, das vergangenes Jahr 3,7 Milliarden Dollar umsetzte. Mehrheitseigner EMC selbst nahm 2011 die 20-Milliarden-Dollar-Marke beim Umsatz.

Auswirkungen auf die gesamte Branche

Wie Gelsinger sich bei VMWare schlägt, und wer künftig EMC führt, hat große Auswirkungen auf die gesamte Technologiebranche. Denn die Unternehmen entscheiden maßgeblich, wie sich der Wettbewerb um den Milliardentrend Cloud Computing entwickelt. EMC hat sich darauf spezialisiert, die Speichersysteme zu entwickeln, in denen Daten fürs Cloud Computing abgelegt und von wo sie abgerufen werden. VMWare wiederum ist Experte für den effizienteren Betrieb von Datenzentren, weil es seine Software unter anderem erlaubt, Server zu einem oder mehreren virtuellen Rechnern zusammenzuschalten.

Beide liefern also in Konkurrenz mit Hewlett-Packard und IBM die Datenautobahnen, über die künftige Internet-Dienste ausgeliefert werden. Dabei zählt nicht mehr nur, wie viele Spuren diese haben, sondern vor allem, wie sicher ihre Ein- und Ausfahrten sind, wie leistungsfähig ihre Zubringer sind und wie die Industrie das Tempo weiter steigern kann. Damit alles zusammenspielt, verschmelzen einst separate Komponenten wie Prozessor, Speicher- und Netzwerktechnik immer stärker miteinander.

Alte Liebesaffäre verdrängt

Was dabei technisch möglich wird und vor allem, wie viel das kostet, das entscheidet, wie schnell sich Cloud Computing durchsetzt. Im Silicon Valley gilt es als gigantischer Wachstumsmarkt, der die langjährige Liebesaffäre mit dem Online-Werbegeschäft längst verdrängt hat. Auf dem jüngsten Silicon Valley Innovation Summit, auf dem in den Vorjahren Social-Media-Unternehmen dominierten, gaben denn auch Cloud-Computing-Startups den Ton an.

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Gelsinger kann sich nun seine Sporen verdienen, wenn er die Produkte des von VMWare gerade für 1,2 Milliarden Dollar übernommenen Startups Nicira etabliert und damit den Netzwerkgiganten Cisco herausfordert. Nicira hat Software entwickelt, mit der sich Netzwerktechnik verschiedener Hersteller mithilfe einheitlicher Software managen lässt.

Das ähnelt dem Softwarekonzept, das VMWare für Server offeriert. Basis ist die an der Stanford-Universität entwickelte Open-Flow-Technologie. Sie kommt auch bei der Deutschen Telekom zum Einsatz, die sich davon billigere und weniger komplexe Netzinfrastruktur erhofft. Wenn Gelsinger VMWare mit dem Zukauf neuen Schwung geben kann und den Markt beflügelt, ist ihm der Spitzenposten bei EMC sicher.

Dabei kann der Erfolg von EMC übrigens durchaus auch für die neue Yahoo-Chefin Marissa Mayer als Vorbild dienen. Denn EMC, das in den Neunzigern ein Glanzstück der Branche war, wäre in der Dotcom-Blase fast bankrott gegangen. Heute ist es stärker als jemals zuvor.

Da will auch Mayer mit Yahoo wieder hin.

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