Valley Talk: Streaming-Dienste hängen am seidenen Faden

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kolumneValley Talk: Streaming-Dienste hängen am seidenen Faden

Kolumne von Matthias Hohensee

Internet-Musikdienste erleben einen trügerischen Boom. Bisher nämlich floriert die Branche nur, weil die Investoren die Zeche zahlen.

Das Spielerparadies Las Vegas hat viele gute und schlechte Zeiten durchgemacht, seit es in den Vierzigerjahren von der Mafia aus der Taufe gehoben wurde. Drei Konstanten sind geblieben: Glücksspiel, Shows und die All-you-can-eat-Buffets.

Die Software- und Internet-Branche hat derzeit viel mit Las Vegas gemein. Mit Gratisofferten werben Unternehmen wie die Speicherdienste Dropbox, Box.net, Evernote oder der Marketingsoftwareanbieter Hootsuite um Nutzer. Die können in bester All-you-can-eat-Manier die Angebote testen. Wie bei den Kasinos steckt die Hoffnung dahinter, dass der Kunde länger bleibt und – besser noch – wiederkehrt. Für Showglanz sorgen derweil schwindelerregende Summen wie jene zehn Milliarden Dollar, mit denen Dropbox jüngst bewertet wurde.

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Besondere Geschäftigkeit herrscht bei Online-Musikdiensten. Wer kostenlos grooven will, wird in den USA bei einer Armada von Anbietern fündig; vom schwedischen Marktführer Spotify über Rdio, Google Play, Rhapsody, Pandora, Microsofts Xbox Music bis zu Apples iTunes Radio. Der Markt ist völlig überlaufen, und doch starten noch Newcomer: wie der Kopfhörer- und Lautsprechervermarkter Beats Electronics, der gerade eine Kopie von Spotify startet.

Günstiger Pauschalpreis

Vorbild für alle ist der Online-Videoanbieter Netflix, der bereits den Jackpot gewonnen hat. Das Unternehmen aus dem Silicon Valley ist der größte und bekannteste Online-Videoanbieter, wird an der Börse mit 22 Milliarden Dollar bewertet und konnte vergangenes Jahr sogar 112 Millionen Dollar Gewinn ausweisen.

Mit Letzterem unterscheidet sich Netflix zudem von den meisten Nacheiferern. Wohl auch, weil Netflix-Gründer Reed Hastings das Las-Vegas-Modell am besten umgesetzt hat. Da gibt es den Zugang zum Buffet eben auch nicht für lau, sondern zum günstigen Pauschalpreis. Wer die Spielfilme und Serien auf Netflix legal schauen will, muss 7,95 Dollar pro Monat berappen.

Damit setzt sich Netflix von Unternehmen ab, die ihre Dienste kostenlos anbieten und mit Werbung finanzieren. Auch die kassieren zwar bei einer mehr oder minder überschaubaren Zahl von Kunden Geld für Premiumangebote – ohne Werbung und mit mehr Funktionen. Spotify etwa hat weltweit sechs Millionen zahlende Kunden. Doch die Konkurrenz ist so hart, dass kein Musikdienst die Abopreise erhöhen kann – und alle nur Investorengeld verbrennen.

Dass Netflix so herausragt, hat auch damit zu tun, dass die US-Telekomaufsichtsbehörde FCC bisher streng darüber wachte, dass die Telefongesellschaften und Kabelanbieter die Dienste von Internet-Firmen nicht torpedieren konnten. Doch inzwischen stellen US-Gerichte die sogenannte Netz-Neutralität infrage, die sichert, dass alle Angebote mit gleicher Priorität und Geschwindigkeit durchs Netz geleitet werden. Auf Dauer wird das die Kosten der Online-Dienste hoch treiben, weil sie für den Transport für ihrer Inhalte zahlen müssen.

Songbibliotheken gleichen sich sehr

Während bei Web-Speicheranbietern wie Evernote, Dropbox oder Box.net die Kunden selber für die Inhalte sorgen, müssen die Online-Musikdienste die Kosten der Songs einkalkulieren. Noch sind die Lizenzgebühren dafür niedrig. Doch Studios und Künstler wollen höhere Preise durchsetzen.

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Und während sich Netflix mit selber produzierten Videoserien von der Konkurrenz abheben kann – so wie es für jeden Geschmack unterschiedliche Buffets in Las Vegas gibt –, ist das bei den Musikdiensten schwerer. Ihre Songbibliotheken gleichen sich bis auf wenige Exklusivtitel.

Noch profitieren die Nutzer von der Konkurrenz. Doch das wird nicht so bleiben. Beobachter gehen davon aus, dass am Ende nur ein paar große Anbieter überleben werden. Dann ist Schluss mit der Flut der Gratisdienste. Auch da ist Las Vegas Vorbild: Am Ende gewinnt immer das Kasino.

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