Valley Talk: Warum Apps am Ende sind

kolumneValley Talk: Warum Apps am Ende sind

Kolumne von Matthias Hohensee

Die Tage der Apps sind gezählt, meint ausgerechnet Evernote-Chef Phil Libin. An ihre Stelle sollen smarte Dienste treten.

Etwa 1,2 Millionen Apps gibt es für Apples iPhone und iPad, ähnlich viele für Googles Android. Der Boom, den Apple im Juli 2008 mit dem Start seines App Stores anschob, hat eine Branche mit selbstständigen Entwicklern, Hunderten von Start-ups allein im Silicon Valley und neuen Diensten hervorgebracht. Und es hat einige Unternehmer – wie die Gründer des gerade für 19 Milliarden Dollar von Facebook erworbenen SMS-Diensts Whatsapp – reich gemacht.

Phil Libin ist trotzdem überzeugt. Apps sind nur eine Übergangsphase. Auch wenn das von ihm seit sieben Jahre geführte Start-up Evernote selbst ein bedeutender Anbieter von Apps ist. Schon heute, glaubt Libin, raubten die vielen Spezialanwendungen ihren Nutzern zu viel Zeit. Hunderte Male schauen typische Smartphone-Besitzer am Tag aufs Handydisplay und rufen zig Apps auf.

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Was heute noch klappt, funktioniere mit der neuen Generation von Internet-Geräten wie vernetzten Armbanduhren oder Datenbrillen gar nicht mehr – oder nur eingeschränkt. Mit denen interagiere der Nutzer bis zu 1000-mal am Tag, oft nur für ein paar Sekunden. „Wenn man da jedes Mal eine App auswählen müsste, ist der Tag schnell vorüber“, sagt Libin.

Konkurrenz von Google, Microsoft und Facebook

Gleichzeitig sind die neuen Geräte nur dann wirklich von Nutzen, wenn sie die gesammelten Daten untereinander austauschen. So sollte beispielsweise eine übers Smartphone empfangene Nachricht selbstständig als Erstes auf der vernetzten Uhr erscheinen, wenn ihr Träger nach ihrem Eingang darauf schaut.

Libin glaubt, dass einige wenige, dafür umso populärere Dienste die Apps ersetzen werden, wie etwa der Videodienst Netflix, der Netzhändler Amazon oder Facebook. Und er hofft, dass sein Evernote der Dienst für das digitale Gedächtnis wird. An solchen Konzepten arbeiten allerdings auch Google, Microsoft oder Facebook.

Evernote ist ein Service, der alles sammelt, was sich digital speichern lässt, online in einem gigantischen Notizbuch ablegt und über verschiedene Geräte abgleicht. Was der Nutzer auf einem Smartphone aufzeichnet, ist auch auf Notebook und Tablet erreichbar – und umgekehrt. Evernote konnte sich vor allem deshalb durchsetzen, weil Libin die Software zum Sammeln und Verwalten der Daten sowohl für klassische PCs als auch Smartphones und Tablets offerierte, und zwar für nahezu alle Betriebssysteme und in der Grundversion kostenlos.

Libin setzt auf Expansion

Seinen auf derzeit 200 Millionen Dollar geschätzten Jahresumsatz erzielt Evernote mit rund 4,5 Millionen Nutzern, die für Premium-Abos mit mehr Funktionen und Speicherplatz zahlen. Mittlerweile setzen auch Unternehmen auf den Dienst. 300 Millionen Dollar Wagniskapital hat Evernote bislang eingesammelt. Sein Wert wird auf mehrere Milliarden Dollar geschätzt. Profitabel ist das Start-up trotzdem noch nicht, vor allem weil Libin auf Expansion setzt. In wenigen Wochen will er die Hürde von 100 Millionen Kunden überspringen. Übrigens auch mithilfe der Deutschen Telekom, mit er ein Vermarktungsabkommen schloss.

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Ob Libins Vision vom zentralen digitalen Gedächtnis aufgeht, wird maßgeblich davon abhängen, ob die Nutzer das Vertrauen haben, ihre relevanten Informationen an einer Stelle zu speichern. Ein baldiger Verkauf von Evernote an eine der Internet-Größen sei laut Libin nicht geplant. Auch einen Börsengang sieht er erst in ein paar Jahren. „Wir wollen ein Unternehmen für die nächsten 100 Jahre aufbauen“, sagt er.

Mal schauen, wie belastbar das Versprechen ist. Auch die Gründer von Whatsapp oder Oculus VR hatten einen Verkauf ausgeschlossen, bis Facebook mit milliardenschweren Angeboten und dem Versprechen weitgehender Autonomie überzeugte.

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