Valley Talk: Warum Facebook von strengeren Datenschutzregeln profitieren wird

Valley Talk: Warum Facebook von strengeren Datenschutzregeln profitieren wird

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Schriftzug von Facebook

von Matthias Hohensee

Neue Vorschriften der US-Aufsichtsbehörden sollen die Datenschnüffelei von Google & Co. einschränken. Doch ausgerechnet Facebook wird von strengeren Datenschutzregeln profitieren.

Mark Zuckerberg hat sich 2010 als Web-Mogul etabliert. Am Geschäftsmodell seines sozialen Netzwerks Facebook zweifelt keiner mehr: Im abgelaufenen Jahr hat Facebook mit Online-Werbung etwa 1,8 Milliarden Dollar umgesetzt und dabei einen Gewinn von mehreren Hundert Millionen Dollar erwirtschaftet, heißt es im Silicon Valley.

2011 verspricht ein nicht minder glänzendes Jahr zu werden. Nicht nur, dass die Zahl von einer Milliarde Facebook-Mitgliedern in Reichweite rückt. Es sieht vor allem danach aus, als ob ausgerechnet Facebook von der anhaltenden Datenschutz-Debatte profitieren wird – gerade die Web-Seite, die am meisten über ihre Nutzer weiß und bisher am stärksten für ihren Umgang mit den Daten ihrer inzwischen rund 700 Millionen Nutzer gescholten wurde.

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Von Verbraucherschutzverbänden unter Druck gesetzt, will die US-Telekomaufsichtsbehörde FCC nun das Ausspionieren von Internet-Nutzern eindämmen. Google & Co. tun dies meist mithilfe sogenannter Cookies, die sie auf die Computer ihrer Nutzer spielen. Diese kleinen Schnüffeldateien merken sich, was wir im Netz treiben und melden die gewonnenen Informationen an ihren Auftraggeber zurück. Der wiederum blendet – basierend auf diesen Informationen – passende Werbung in seinen Web-Seiten ein. Die Surf-Spionage von Web-Analyse-Firmen ist mittlerweile so ausgeklügelt, dass Internet-Nutzer ihre Spuren nicht mehr problemlos verwischen können.

Mehr Schutz gegen Spione

Das soll sich ändern. Beispielsweise über eine Funktion im Browser, mit der Web-Seiten am Protokollieren der Surfgewohnheiten ihrer Besucher gehindert werden.

Ob der Schutz gegen Datenspürhunde tatsächlich staatlich verordnet wird, ist fraglich. Dazu ist die Online-Werbelobby in Washington zu einflussreich. Klar aber ist, dass es zumindest freiwillige Einschränkungen geben wird. Microsoft ist bereits vorgeprescht und bietet in seinem neuesten Web-Browser eine Funktion an, die das Übermitteln von Web-Analyse-Daten unterdrückt. Microsoft, über seine Firma Aquantive ebenfalls im Online-Werbegeschäft unterwegs, hat kein Problem damit. Denn die neuen Auflagen begünstigen die Großen der Branche, bei denen viele Internet-Nutzer ohnehin schon angemeldet sind.

Wie etwa Facebook, an dem auch Microsoft beteiligt ist – eine der besten Web-Investitionen des Softwareriesen. Heimliche Spionage hat das Netzwerk im Grunde nicht nötig: Niemand ist besser im Bilde über die Interessen seiner Abermillionen von Kunden als Facebook. Denn seine Nutzer geben die Informationen über sich und ihren Freundeskreis fortlaufend freiwillig auf der Plattform preis. Das versetzt Facebook – besser als jedes andere Unternehmen – in die Lage, maßgeschneiderte Werbung einzublenden. Kleinere Web-Analyse-Firmen, die auf das Aufzeichnen des Surfverhaltens von Internet-Nutzern angewiesen sind, sind da meilenweit unterlegen.

Dagegen wird auch Google mit den absehbar verschärften Datenschutzregeln zurechtkommen. Denn ähnlich wie Facebook bietet Google mit seiner Suchmaschine einen begehrten Dienst. Die Natur einer Suchmaschine ist, dass Nutzer dort über Suchbegriffe ihre Interessen offenbaren. Google muss dann nur noch die passende Werbung einblenden.

Für die Suche allein muss man sich nicht bei Google anmelden. Doch die Verquickung der vielen anmeldepflichtigen Dienste von E-Mail über Textverarbeitung bis hin zur Suchfunktion in den Handys mit Googles Android-Betriebssystem macht es den Nutzern immer schwerer, sich der Datensammlung des Suchmaschinenriesen zu entziehen. Und klar ist auch, dass viele Internet-Dienste in der Zukunft nur für die Nutzer gratis sind, die sich dabei anmelden. Denn bei registrierten Kunden dürfen die Werber auch künftig Daten sammlen.

Egal also, wie die Debatte ausgeht: Die Web-Ikonen, die heute schon Millionen Nutzer haben, stehen als Gewinner fest.

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