Valley Talk: Woran Googles Datenbrille scheitern könnte

ThemaGadgets

kolumneValley Talk: Woran Googles Datenbrille scheitern könnte

Bild vergrößern

Vom gefeierten Gadget zur "Geldverschwendung". Wie Google mit Glass Geld verdienen will ist noch unklar

Kolumne von Matthias Hohensee

Allmählich läuft der Verkauf von Google Glass an, auch wenn das Hightech-Gadget stark umstritten ist. Doch das ist nicht ihr wahres Problem.

Es ist ein bewährter Marketingtrick: Nur ein beschränkter Kreis von Nutzern darf neue Produkte ausprobieren. Die künstliche Knappheit weckt Begehrlichkeiten bei den Ausgeschlossenen. Google nutzte diese Taktik, um seinen E-Mail-Dienst Gmail zu bewerben. Beim Start im April 2004 konnten nur einige Auserwählte mitmachen, die wieder andere einladen durften. Die Strategie funktionierte. Heute ist Gmail mit rund 600 Millionen Kunden weltweit eins der erfolgreichsten Google-Produkte.

Bei Google Glass zeigen sich aber die Schattenseiten von „Du musst erst einmal draußen bleiben“. Im April 2013 konnten sich Entwickler und einige Auserwählte die erste Version der berühmten Datenbrille sichern. Seitdem ist ein Jahr vergangen – eine Ewigkeit in der High-Tech-Branche.

Anzeige

Glass-Träger werden angefeindet

Einstige Fans wie der New Yorker Medienprofessor Jeff Jarvis sind der Brille inzwischen überdrüssig, halten sie für „kolossale Geldverschwendung“. Sogar der im Silicon Valley allgegenwärtige Blogger Robert Scoble, der sich selbst beim Duschen nicht von Google Glass trennte, ist längst nicht mehr so enthusiastisch. Wer in San Francisco mit der Brille durch die Straßen geht, riskiert Anfeindungen. Nicht nur, weil die Menschen ihre Privatsphäre verletzt sehen. Sondern auch, weil sich das Image von Google von einem Start-up mit dem Anspruch, die Welt zu verbessern, zu einem arrogant auftretenden Megakonzern gewandelt hat. Es ist ein weiteres Beispiel für die Selbstverliebtheit der High-Tech-Branche, die neues Spielzeug kreiert, statt Geißeln der Menschheit zu bekämpfen.

Weitere Artikel

Auch als Mobiltelefone Anfang der Neunzigerjahre neu waren, wurden ihre damals vorwiegend geschäftlichen Nutzer zuweilen kritisiert, weil sie angeblich ihre Umwelt störten. Doch dann wurden die Handys alltäglich, und kaum jemand stößt sich noch an ihnen. Auch das Image tragbarer Internet-Geräte wird sich bessern, wenn erst einmal sinnvolle Anwendungen existieren. Immerhin scheint es eine Nachfrage zu geben: Vor Kurzem startete Google in den USA den Verkauf der Datenbrille. Trotz des stolzen Preises von 1500 Dollar waren die verfügbaren Exemplare schnell ausverkauft. Wann die nächste Tranche kommt, ist noch offen. Konkurrenten wie Apple, Sony und Samsung beobachten das interessiert.

Keiner will Werbung im Sichtfeld

Die Herausforderung liegt woanders. Die Telekoms hatten beim Siegeszug des Handys klare Geschäftsmodelle. Wie Google mit seiner Datenbrille jenseits des Verkaufs der Hardware Geld verdienen will, ist unklar. Der App-Verkauf ist eine begrenzte Umsatzquelle. Werbung wird es nicht sein, jedenfalls nicht in der heutigen Form. Nur Masochisten werden sich Anzeigen auf die Augen projizieren lassen – selbst wenn sie maßgeschneidert sein sollten.

Die Risikokapitalgeber sind noch optimistisch, dass Google und Co. Geschäftsmodelle finden. Laut dem Beratungsunternehmen CB Insights wurden vergangenes Jahr 458 Millionen Dollar in 49 Unternehmen für tragbare Internet-Geräte investiert. Fast die Hälfte des Kapitals floss ins Silicon Valley. Die Analysten von Credit Suisse sehen für das Jahr 2017 einen Markt von 50 Milliarden Dollar für High Tech à la Google Glass respektive smarter Armbanduhr voraus. Doch Marktpotenzial und Geldverdienen sind verschiedene Dinge.

Google hat die Regeln fürs Hardwaregeschäft grundlegend verändert, als es Android gratis verfügbar machte und den Wettbewerb unter den Geräteproduzenten ankurbelte. Seitdem hat sich die Wertschöpfung in Richtung Software und Dienste gedreht. Auch bei tragbaren Internet-Geräten ist mit einer Welle von Gratis-Offerten zu rechnen. Aber bei Kostenlos-Diensten hat das Silicon Valley ja große Erfahrung. Und schon geht das Spielchen mit den elitären Einladungen für begeisterungsfähige Erstkunden wieder von vorn los.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%