Verkaufsstart in Düsseldorf: iPhone 3G: Glückliche Neukunden und enttäuschte Fans

Verkaufsstart in Düsseldorf: iPhone 3G: Glückliche Neukunden und enttäuschte Fans

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Tumultartige Szenen haben sich heute Morgen in den T-Punkten der Düsseldorfer Innenstadt zwar nicht abgespielt. Doch so mancher, der sich glücklich schätzen konnte, eines der wenigen Exemplare des begehrten iPhone 3G in den Händen zu halten, hätte durchaus auch ein T-Shirt mit der Aufschrift tragen können, wie Ho Kak-yin, der erste iPhone-Käufer in Hongkong: "Jealous?" - "Eifersüchtig?" ... und wie!

Endlich! Der Kalender zeigt Freitag, 11. Juli! Auf in den T-Punkt! iPhone holen! - Denkste! Denn für Spontankäufer oder iPhone-Wechsler (aus Alt mach Neu) war's eher ein Freitag, der 13.: Sie hatten heute Morgen das Nachsehen. Apples begehrtes Kulthandy in der 3G-Version war binnen weniger Minuten ausverkauft. Zumindest in den T-Punkten der Düsseldorfer Innenstadt, wie WirtschaftsWoche-Redakteur Sebastian Schulte feststellen musste.

9.40 Uhr, Düsseldorf, Schadowstraße: Sechs junge Männer ducken sich vor dem leichten Nieselregel unter das Vordach des T-Punkts. Noch 20 Minuten. Dann werden hoffentlich die Glastüren aufgesperrt. Sechs junge Männer, die alle das iPhone 3G kaufen wollen. Die meisten von ihnen sind Neukunden, einige von ihnen haben sich auf eine Warteliste setzen lassen und sind nun zuversichtlich, das Kulthandy auch heute - am ersten Verkaufstag hierzulande - in den Händen zu halten. Anders als damals, im November vergangenen Jahres, hatte sich Mobilfunkanbieter T-Mobile, der das Apple-Handy exklusiv in Deutschland vermarktet, dazu entschlossen, diesmal keinen Verkauf ab Mitternacht in seinem Flagship-Store in der Kölner Innenstadt zu starten.

"Ich war heute schon in einem anderen T-Punkt", murrt einer der sechs jungen Männer, längere blonde Haare, schwarz geränderte Brille mit dickem Rahmen, Jeans und Regenjacke - und zieht hastig an seiner Zigarette. So sehen also Steve Jobs' "Jünger" aus. "Alle schon wenige Minuten nach Ladenöffnung weg! So eine Pleite!", macht er seinem Frust Luft. Dass nicht jeder heute stolzer Besitzer des begehrten Mobiltelefons werden kann, war der kleinen Gruppe von vorneherein klar. "Wir haben nicht so viele Geräte bekommen, wie wir bestellt hatten", erfuhr wiwo.de schon tags zuvor aus Unternehmenskreisen bei T-Mobile. Schwacher Trost: Auch in anderen Ländern sieht es nicht anders aus. Dennoch kann die Telekom-Tochter zufrieden sein: Am Ende des heutigen Tages meldet der Mobilfunker stolz den Verkauf von mehr als 15.000 neuen Apple-Handys.

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Als sich dann endlich um 10.01 Uhr die Glastür des T-Punkts in der Schadowstraße öffnet, geht es zivilisiert zu. Niemand schubst oder drängelt. Inzwischen hat sich eine immer noch überschaubare Menschenmenge vor dem Laden eingefunden. Darunter auch eine ältere Dame. "iPhone? Nee, was soll das sein?", fragt sie erstaunt. Sie sei zum T-Punkt gekommen, weil sie eine Frage zu ihrer Telefonrechnung habe. Dass der Zeitpunkt dafür vielleicht ein wenig ungünstig ist, hat sie erst zu spät gemerkt.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Die Enttäuschung kann man an diesem Freitagmorgen in Metern messen: Nur wenige Schritte sind es bis zum Verkaufstisch. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Doch diesmal stirbt sie den Heldentod: "Wir können Sie auf eine Liste setzen", sagt der T-Punkt-Mitarbeiter freundlich, aber es ist überhaupt nicht das, was der junge Mann mit den blonden Haaren und der schwarz geränderten Brille hören will. Doch seine Wut schluckt er hinunter. "Wie lange wird's denn dauern?", fragt er. Und da ist sie wieder, diese Zuversicht, vielleicht doch nicht Wochen auf das begehrte Handy warten zu müssen. "Wir rufen Sie dann an", meint der immer noch freundliche Verkäufer lächelnd. Und fügt die erlösenden Worte hinzu: "In zwei bis drei Tagen."

Ob er wohl sein Versprechen wird halten können? Immerhin rechnet T-Mobile schon in der nächsten Woche mit einer Nachlieferung. Auch im T-Punkt in der Friedrichstraße war das iPhone 3G binnen weniger Minuten ausverkauft. Zwölf Geräte seien dort gestern geliefert worden, heißt es dort, die meisten in der wohl begehrtesten Variante: schwarz und 16 Gigabyte. Wer als iPhone-Alt-Kunde mit dem Wunsch nach einem Upgrade in den Laden kommt, erhält eine Lektion in Sachen Solidarität mit den Mitkonsumenten: "Sie haben doch schon ein iPhone", lächelt die nette T-Punkt-Mitarbeiterin. "Gönnen Sie den Neukunden doch auch mal dieses Erlebnis!" Doch Solidaritätsbekundungen wollen die wenigsten abgeben an diesem trüben, regnerischen Morgen in Düsseldorf.

Das iPhone als "Bückware"?

Auch im dritten T-Punkt, in der Düsseldorfer Altstadt, sieht's nicht anders aus. "Stehen Sie auf der Liste?", wird ein junger Mann gefragt. Nein, steht er nicht. Pech gehabt. "Dann können Sie hier ein iPhone reservieren", bemüht sich der T-Punkt-Mitarbeiter, die herbe Enttäuschung des potenziellen Neukunden in zivilisierte Bahnen zu lenken. Wer ein Upgrade von Alt auf Neu möchte, soll auch den umfangreichen Reservierungsfragebogen ausfüllen. Völlig unverständlich, denn die Kundendaten sind doch schon allesamt im T-Mobile-Computer gespeichert. "Wenn jemand abspringt, rufen wir Sie heute noch an!" - der fromme Wunsch des Telefonverkäufers dürfte wohl nicht in Erfüllung gehen.

Das iPhone als "Bückware"? "Ist ja wie früher in der DDR! Ohne Beziehungen läuft da gar nichts", zieht ein frustrierter Apple-Jünger Bilanz. Er hätte heute gerne sein altes iPhone gegen ein iPhone 3G ausgetauscht. "Die im T-Punkt bekommen wahrscheinlich mehr Provision für Neuverträge, als wenn sie uns Bestandskunden den Vertrag verlängern", vermutet er.

Die Werbemaschinerie hat ihr Bestes gegeben: Das iPhone ist in aller Munde. Schon wieder. Oder immer noch. Dass die Lieferengpässe programmiert sind, überrascht nicht. T-Mobile selbst hat darauf schon im Voraus hingewiesen. Immerhin: Einige T-Mobile-Neukunden dürfen sich heute zu den wohl glücklichsten Menschen des Tages zählen, wenn denn ein Handy als "Glücks-Messer" überhaupt taugt. Für die anderen gilt: Dabeisein ist alles. Wie bei Olympia. Und schließlich werden Steve Jobs' Kulthandys auch im Reich der Mitte produziert. Nachschub soll schon unterwegs sein, ist zu hören. Irgendwo auf dem Meer, in einem Container, auf einem Schiff. In den nächsten Wochen kann die Logistik zeigen, wie gut sie ist. Dann wird hoffentlich auch der blonde iPhone-Enthusiast mit der schwarz geränderten Brille wieder glücklich sein.

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