Virenjäger Kaspersky: "Ein Kollaps des Internet ist möglich" - Seite 2

Virenjäger Kaspersky: "Ein Kollaps des Internet ist möglich"

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Apple-Rechner Quelle: AP
Apple-Rechner Quelle: AP

Auch über Angriffe auf die Energieversorgungsnetze oder andere Infrastrukturen wird oft diskutiert. Wie realistisch ist dieses Szenario?

Es ist möglich, da immer mehr kritische Teile der Infrastruktur mit dem Internet verbunden sind. Allerdings brauchen die Kriminellen jemanden, der Ihnen erklärt, wie es funktioniert.

Sie können sich zwar mit dem System verbinden, doch um es zu schädigen, müssen sie die technischen Details kennen.

Vor einigen Monaten war in Moskau beispielsweise auf einer elektronischen Werbetafel an einer Hauptstraße ein harter Porno zu sehen. Der verursachte einen Stau und viele Nachrichten. Der Urheber wurde später festgenommen. Er sagte, er hätte nicht gewusst, dass die Tafel an einer Autobahn in Moskau war, er dachte sie wäre in einem Einkaufszentrum.

Im Vergleich dazu scheinen die Gefahren für Privatnutzer geradezu gering. Wie hat sich die Bedrohung im vergangenen Jahr entwickelt?  

Die Zahl der Schadprogramme nimmt weiter zu, aber der Anstieg der Kurve ist flacher. Zumindest die Zahl der Cyberkriminellen nimmt anscheinend nicht mehr stark zu.  

Und gibt es einen Wandel bei den Methoden?

Smartphones werden zu einem immer beliebteren Ziel. Sonst sind es im Wesentlichen die gleichen Maschen.  

Wie werden Smartphones angegriffen?

Es gibt Spionageprogramme und Mobiltelefon-Trojaner, die SMS an kostenpflichtige Nummern senden.

Sind dabei bestimmte Geräte besonders gefährdet?

Traditionelle Geräte und Handys mit offeneren Betriebssystemen von Symbian, Microsoft oder Android sind unsicherer, Blackberrys und iPhone sind besser geschützt.

Wie kann man sich als Nutzer schützen?

Wir bieten einen Virenschutz speziell für Smartphones, die auf Symbian und Windows Mobile laufen. Und wenn das Telefon gestohlen wird oder verloren geht, kann man damit die Daten per SMS löschen. Bis Anfang kommenden Jahres bieten wir das auch für Android und Blackberry.

Und nicht für das iPhone?

Wir haben keine Erlaubnis, Apple lässt uns keine Software entwickeln. Die haben ein eigenes Sicherheitssystem und wollen keinen Wettbewerber neben sich. Das ist der richtige Weg, Kunden zu verlieren. So wie mit dem Mac, wo Apple schon einmal den Markt an IBM-PCs verloren hat, für die jeder Software entwickeln konnte. Nun machen sie denselben Fehler noch einmal.

Apples Macintosh-Computer galten lange als sicher vor Viren. Ist das immer noch so?

Ja, die Cyberkriminellen scheinen bislang nicht so stark an Apple interessiert zu sein. Wir haben zwei, drei Epidemien im Jahr mit einigen tausend infizierten Rechnern und das war´s.

Aber der Marktanteil wächst und die Käufer der teuren Geräte müssten doch lukrative Ziele sein?

Wir warten noch auf die kritische Masse. Apple ist populär in Amerika, Westeuropa oder Japan. Die meisten Cyberkriminellen leben aber in China, russischsprachigen Ländern oder Lateinamerika, daher kennen sie sich mit Apple nicht so gut aus.

Aber Apple will ja mehr Geschäfte in China öffnen, damit könnte sich das ändern. Wenn das passiert, könnten wir tausende Mac-Viren sehen.

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9 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 10.04.2010, 03:04 UhrAnonymer Benutzer: Udo Caspers

    Treffend von Kaspersky analysiert und formuliert. Es wäre daher wünschenswert wenn bspw. Firmen wie Apple, die ja nun doch ein Riesengeschäft durch ihren Produktabsatz beim End-user machen, auch dafür Sorge trägt, dass eine adäquate und laufende, zeitnahe "Schutzsoftware" entwickelt und installiert wird. Wer läuft schon gerne mit einem teuren aber "verseuchten" Gerät herum .. abgesehen von den von Kaspersky (und anderen) geschilderten, schon iT apokalyptischen, globaleren Auswirkungen !

  • 07.04.2010, 10:50 UhrAnonymer Benutzer: Albrecht

    ich halte es für möglich, daß terroristische Organisationen sich Fachleute kaufen und dann solche Angriffe auf ein oder mehrere Länder (EU, USA) starten. Oder direkt gegen die Stromversorgung eines Landes oder dessen Verkehrsleitsysteme oder dessen "e-government" . im Zuge der durch globalisierungsbedingten Preiskonkurrenz erzwungenen Vorgabe der Minimierung von investitionskosten für solche Anlagen ist Sicherheitsvorsorge (Redundanz, übersichtliche und mehrfach geprüfte Anlagenstruktur) Glückssache geworden !
    Das Publikum hat keine Ahnung von der neuen , wachsenden Abhängigkeit lebenswichtiger Systeme.- - -
    Daher sind alle Vorbeugemaßnahmen gegen internetverseuchungen auch ein Überlebensbeitrag für unsere Zivilisation.
    Solange es auf dem Markt der Virenabwehr freie Konkurrenz gibt, sollten wir sie nutzen.-

  • 23.03.2010, 02:07 UhrAnonymer Benutzer: Observer

    Sind die Umsätze gefallen?

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