Virtuelles Arbeiten: Videokonferenztechnik wird massentauglich

Virtuelles Arbeiten: Videokonferenztechnik wird massentauglich

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medwedew Videokonferenz

von Thomas Kuhn und Sebastian Matthes

Selbst kostenlose Dienste wie Skype bieten hochauflösende Bilder. Videokonferenztechnik wird massentauglich.

Zehntausende Geschäftsleute erlebten vergangene Woche, was es bedeutet, wenn die Natur der Globalisierung eine Atempause aufzwingt. Sie saßen auf Flughäfen fest, mussten Verhandlungen verschieben und Konferenzen absagen. Wenn überhaupt, traf man sich virtuell. Unternehmen verlegten Meetings in die digitale Welt (siehe Seite 72). Damit rückt eine Kommunikationsform in den Fokus, die zuletzt enorme Fortschritte gemacht hat: Videokonferenzen. Politiker wie Bundeskanzlerin Angela Merkel oder der russische Präsident Dimitri Medwedew nutzen die Technik regelmäßig. Selbst die Verkehrsminister der EU hielten Krisentreffen zu Flugverboten am Bildschirm ab.

Vorbei die Zeiten, in denen Gesprächspartner nur briefmarkengroß und pixelig am Rand des Bildschirms zu sehen waren. In modernen Videokonferenzstudios sind Bilder in hochauflösender TV-Qualität Standard. Der Eindruck ist verblüffend: „Wer an High-End-Videokonferenzen teilnimmt, vergisst, dass der Partner Tausende Kilometer weit weg sitzt“, sagt August-Wilhelm Scheer, Präsident des IT-Branchenverbandes Bitkom.

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Basis für den Erfolg der Technik ist die weite Verbreitung schneller Internet-Zugänge via DSL oder Kabel zur Übertragung der Bilderflut und dass die Technik immer billiger wird. Zwar kostet Studiotechnik der Businessklasse noch immer einige Zehntausend Euro. Andererseits gibt es semiprofessionelle Systeme, die sich in Unternehmen am PC nutzen lassen, schon für wenige Hundert Euro.

Mitdenkende Kamera

Dabei funktionieren alle Videomeetings im Wesentlichen gleich: Die Gesprächspartner kommunizieren über eine Konferenzkamera und sehen einander auf dem Bildschirm. Eine Software oder ein Zentralrechner überträgt die Videos zu allen Teilnehmern. In Funktion und Leistungsfähigkeit sowie bei Bild- und Tonqualität aber unterscheiden sich die Systeme deutlich.

Obwohl mit fünf- bis sechsstelligen Euro-Beträgen vergleichsweise teuer, kann sich professionelle Technik von Anbietern wie Cisco/Tandberg, Hewlett-Packard, Lifesize oder Polycom für Großunternehmen mit mehreren Standorten schnell amortisieren, weil Reise- und Hotelkosten sinken. In speziellen Konferenzräumen zeigen hochauflösende Plasmabildschirme die Gesprächspartner in Lebensgröße. Aufwendige Audiosysteme vermitteln zudem die Illusion, alle Teilnehmer befänden sich an einem Ort. Zugleich sind Top-Modelle unter den Konferenzkameras in der Lage, immer denjenigen Teilnehmer einer Runde heranzuzoomen, der gerade spricht. Das erleichtert die Kommunikation mit vielen Teilnehmern. Auf Wunsch lassen sich auch einzelne externe Arbeitsplätze mit eigenen Kameras zu den Konferenzen zuschalten. Allerdings sind nicht alle Systeme zueinander kompatibel.

Virtuelle Podiumsdiskussion

Deutlich billiger und auch für Mittelständler, Startups oder Privatleute finanzierbar ist Technik, die jeder Anwender auf seinem Computer installieren kann. Teils sind das semiprofessionelle Angebote wie Placecam von Daviko, über das sich bis zu zehn Teilnehmer per Video zusammenschalten lassen. Das Programm ermöglicht sogar virtuelle Podiumsdiskussionen und ist für Privatleute kostenlos. Ein PC mit Webcam und Internet-Anschluss genügen. Die Version für Unternehmen kostet gut 500 Euro pro Arbeitsplatz.

Ähnlich funktionieren Konferenzsysteme wie Softphone von Miral sowie das internetgestützte Angebot Nefesis, das über den Browser bedient wird. Softphone kostet einmalig knapp 170 Euro pro Nutzer, die Lizenz für Nefesis 350 Dollar für fünf Rechner. Sehr gute Bildqualität und Konferenzfähigkeit bietet die Software iChat. Sie ist kostenlos, funktioniert aber nur auf Apple-Computern und kommt daher für viele Unternehmen nicht infrage.

Eine Alternative ist der wohl bekannteste Internet-Telefondienst Skype, der auf jedem Rechner kostenlos läuft und sogar Videos in HD-Qualität ermöglicht. Ohne die kostenpflichtige Zusatzsoftware VuRoom (zehn Dollar im Monat) lassen sich allerdings nur Videotelefonate zu zweit führen.

Eine eher außergewöhnliche Spielart virtueller Plauderei bietet das Startup Mingleverse. Das Internet-Portal ist eine Mischung aus Second Life, Skype und dem Online-Prsäsentationsdienst Netviewer: Nutzer kreieren mit dem eigenen Foto eine Kunstfigur im Netz. In den virtuellen Konferenzräumen können sie dann mit bis zu 50 Teilnehmern diskutieren oder Präsentationen vorführen. Mingleverse, so viel ist klar, macht Videokonferenzen mit den virtuellen Kunstfiguren ein wenig bunter.

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