Von Nullen und Einsen: Die Handy-Halunken

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WiWo-Technik-Kolumnist Ben Schwan lebt als Journalist in Berlin

Kolumne

Sie biedern sich bei der "Generation Upload" an und wollen mit modernsten Geräten Nutzer in ihre Netze locken, doch ihre Tarife sind voller Falltüren: Beim Weg ins echte Überall-Internet sind die Mobilfunkanbieter die größten Bremser.

Das Internet wird mobil - endlich. Nach Jahren des Wartens auf gut ausgebaute Netze geht technisch inzwischen so einiges. Man kann sich mobil mit bis zu 7,2 Megabit pro Sekunde Videos herunterladen und flott im Web surfen, kostengünstig oder gar kostenlos Internet-Telefonie-Dienste wie Skype nutzen statt der teuren Handy-Sprachtarife. Kann jederzeit chatten, ohne für SMS-Wucher zu zahlen, und unterwegs eben praktisch all das tun, was man bislang nur vom Internet zuhause kannte - passende Hardware wie einen Laptop mit Datenkarte oder ein Smartphone vorausgesetzt.

Wären da nicht die Mobilfunkanbieter mit ihrem Tarifchaos. Abonnements mit 24 Monaten Laufzeit sind die Regel, das Kleingedruckte der Verträge für mobiles Internet nimmt mehrere Seiten ein. "Die Nutzung von VoIP und Instant Messaging ist nicht Gegenstand des Vertrages" schreibt beispielsweise T-Mobile seinen Kunden vor, "Sie dürfen die Karte auch nicht für Voice over IP, Instant Messaging und Peer-to-Peer-Verbindungen nutzen", ist Vodafone bisher kaum weniger Nutzer-unfreundlich. Ergo: Das mobile Internet ist keineswegs frei, es steckt in einer Zwangsjacke.

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Da können Konzerne wie Vodafone noch so sehr per Reklame an die "Generation Upload" appellieren oder T-Mobile stolz seine iPhone-Errungenschaft herumzeigen - im Gegensatz zum preisgünstigen und tariflich inzwischen mit etwas Mühe gut durchschaubaren Festnetz-Internet agieren die großen Mobilfunkanbieter geradezu kundenfeindlich.

Teurer Filmspaß

Erste Ansätze zur Besserung sind in den letzten Monaten zwar vorhanden. So werden inzwischen vereinzelt Flatrates ohne Vertragslaufzeit angeboten, etwa von Simyo (dort allerdings noch mit lahmem Netz ohne HSDPA), O2 (mit je nach Wohnort mittelprächtig ausgebauter Versorgung, dafür aber VoIP-Zulassung) oder Simply (auf Grundlage von T-Mobile). Doch selbst diese Anbieter schlagen ihre Kunden mit der Volumenbegrenzungskeule: Nach spätestens fünf Gigabyte (Simyo: ein Gigabyte) ist Schluss, dann wird entweder die Datenbremse angezogen oder teuer nach Megabytes abgerechnet.

Tarife von 24 Cent pro Megabyte werden dabei als "günstig" tituliert. Rechnen wir das mal durch: Käme man auf die Idee, zu diesem Preis ein HD-Video bei iTunes mit etwa 1,5 Gigabyte herunterzuladen, was im Festnetz per DSL überhaupt kein Thema ist, wären das schlappe 360 Euro. Es soll ja Menschen geben, die neben dem Mobilfunkanbieter auch noch ihre Miete zahlen müssen ...

Darüber hinaus haben viele Kunden die Volumentarife nicht im Blick, weil es nur schlecht nutzbare Zähler (oder gar keine) gibt. So mancher hüpft da - einige ohne es zu wissen – schnell über das im Vertag enthaltene Inklusivvolumen. Hinzu kommt, dass nicht selten unfein abgerechnet wird - etwa in ungenauen 100-Kilobyte-Schritten, die bares Geld kosten können. 

Welpenschutz für Mobilfunkriesen?

Die Mobilfunkanbieter jammern, dass ihre Netze nicht mehr Verkehr zulassen, sie die Nutzung einfach begrenzen müssten. Da müssen sie sich allerdings fragen lassen, warum sie ihre Angebote nicht längst mit den fetten Gewinnen der letzten Jahre deutlich ausgebaut haben? Schließlich beten sie den Trend zum mobilen Internet ja selbst seit Ewigkeiten herbei. Ich glaube eher, dass man den Status Quo möglichst lange ausnutzen will. Da sich alle Anbieter bisher auffällig konform verhalten, bricht auch keiner aus der Bremser-Front aus.

Einige Anbieter, wie etwa T-Mobile, sind gar erstaunlich offen darin, zu verkünden, warum sie moderne Dienste wie VoIP blocken, beziehungsweise demnächst nur gegen happige Zusatzgebühren ermöglichen wollen. So heißt es in einer Pressemitteilung der Telekom-Tochter aus dem Juni, die Netzbetreiber hätten in den vergangenen Jahren viele Milliarden Euro in den Ausbau ihrer Netze investiert. Grundlage dieser Investitionen sei aber eine Tarifkalkulation gewesen, die aus Einnahmen aus Sprachtelefonie und mobilem Datenverkehr bestehe. "Wenn diese Grundlage nicht mehr gegeben ist, ist die Zukunftssicherheit der Netze in Gefahr", ließ sich der damalige T-Mobile-Deutschlandchef Georg Pölzl zitieren.

Das ist eine Aussage, die man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen muss. Sie bedeutet faktisch dies: "Wir haben nicht kalkuliert, dass Technik sich verbessert, deshalb verbieten wir sie einfach mal." Welpenschutz für Mobilfunkriesen? Muss das wirklich sein? Hallo, Bundesnetzagentur?

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