Von Nullen und Einsen: Die Tablet-Revolution steht noch am Anfang

kolumneVon Nullen und Einsen: Die Tablet-Revolution steht noch am Anfang

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Das iPad von Apple beherrscht mittlerweile 90 Prozent des Marktes für Tablet-PCs

Kolumne von Ben Schwan

Im Januar jährt sich die Vorstellung von Apples iPad zum ersten Mal. Mittlerweile sind zahlreiche Formate auf dem Gerät ausprobiert worden - der Retter der Medienindustrie, den sich Verlage erhofft haben, ist es bislang nicht geworden. Trotzdem muss man die Hoffnung ja nicht gleich aufgeben, meint wiwo.de-Technik-Kolumnist Ben Schwan.

Eine gute Nachricht habe ich für alle verzweifelten Verlagsoberen, die noch immer glauben, man müsste mindestens einmal täglich zu Steve Jobs beten, weil der sich via iPad zum großen Retter potenziell bröckelnder Geschäftsmodelle aufschwang: Die Tablet-Revolution, sie steht noch ganz am Anfang.

Apples Flunder ist, obwohl sich ihre Vorstellung in diesem Monat bereits zum ersten Mal jährt, nach wie vor der einzig ernstzunehmender Player auf dem Markt. Android-Geräte wie das Schöne-Hardware-trifft-miese-Software-Produkt Galaxy Tab von Samsung waren allerhöchstens Vorboten der zweiten Welle, von Windows-Geräten einmal ganz zu schweigen. RIMs PlayBook könnte - Konjunktiv! - nett werden, HPs WebOS-Versuche erblicken frühestens im Februar das Licht der Welt. Da kann auf der CES noch so viel Tablet-Hype verbreitet werden - die Branche kommt erstaunlich langsam in die Puschen.

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Tablets in jedem Haushalt noch keine Realität

Die Frühkindlichkeit des Marktes bedeutet aber auch, dass erste Negativmeldungen, laut denen die Verkaufszahlen digitalisierter Printinhalte gerade wieder zurückgehen, nicht überbewertet werden sollten. Klar, es ist nicht hübsch, dass aus dem großen Hype im Sommer, als "Wired" von seinem E-Magazin über 100.000 Stück absetzte, realistische 23.000 Exemplaren im November wurden. Aber noch mal: Die Geschichte geht ja erst los.

Ein Tablet in jedem Haushalt ist noch lange keine Realität. So ist Apples iOS momentan eher suboptimal auf den Absatz von Medieninhalten getrimmt. Es fehlt ein vernünftiges Aboabrechnungsmodell, auf das die Verlagsbranche seit Monaten wartet. Außerdem müssen sich Konsumenten mit zahllosen einzelnen Apps herumschlagen, statt über eine zentrale Anlaufstelle an Zeitungen, Zeitschriften und andere digitale iPad-Medien zu gelangen. Und die Verlage machen es den Nutzern zudem nicht gerade leicht. Die Apps haben alle eine jeweils eigengestrickte Oberfläche, so dass man jedes Neuigkeitenprodukt quasi frisch erlernen muss. Die einen machen aus ihrer iPad-Anwendung eine Heftkopie als PDF, die anderen überladen ihre App mit multimedialem Schnickschnack. Es gibt schlicht keinen etablierten Styleguide, an dem man sich orientieren könnte, wie man ihn aus dem Web kennt. Hier lernen Nutzer wie Produzenten.

Apropos Web: Die meisten iPad-Medien-Apps sind Inseln. Man bekommt kaum Inhalte heraus, kann sie allein über oft nur eingeschränkt funktionierende Facebook- oder Twitter-Sharing-Funktionen teilen. Das degradiert den Nutzer, der oft der beste Werbeträger für sein Lieblingsmedium ist, zum User 1.0, circa CD-ROM-Zeitalter, um genau zu sein. Vielleicht macht es ja Google mit seinem geplanten E-Kiosk besser, von dem das "Wall Street Journal" kürzlich berichtete. Dazu muss aber erst einmal das Mobilbetriebssystem des Internet-Riesen angepasst werden.

Und so warten wir gespannt darauf, was Google mit seinem Tablet-optimierten Android 3.0, Codename "Honeycomb", fabrizieren wird - und ob die anderen Plattformen Sinnvolles zur Verbreitung der Idee einfach zu bedienender Flachrechner beitragen. Und dann wäre da auch noch Apple selbst: Es ist stark davon auszugehen, dass im Frühjahr iPad Nummer zwei auf den Markt kommt, hoffentlich schneller als langsamer. Apple könnte die Gelegenheit nutzen, Medienanwendungen besser zu unterstützen. Hardwaretechnisch kann man an der ersten iPad-Generation sowieso noch einiges verbessern. Der Bildschirm ist im Vergleich zu den gestochen scharfen Retina-Displays von iPhone 4 oder iPod touch 4G geradezu verschwommen. Und das Gewicht ist zu hoch - in meiner Familie ist der Tablet-Arm längst ein Begriff, da helfen auch keine Tricks.

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