Von Nullen und Einsen: Draw Something - nur ein kurzer Hype?

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Hohes Suchtpotential: Das Spiel "Draw Something" von OMGPOP.

Kolumne von Ben Schwan

Die Smartphone-App "Draw Something" ist ein Phänomen: 50 Tage nach dem Start wurde sie 50 Millionen Mal heruntergeladen, bis zu 24 Millionen Menschen sollen sie täglich nutzen. Doch seit dem Verkauf an den Spielespezialisten Zynga für bis zu 210 Millionen Dollar geht es wieder abwärts. War alles nur ein Hype?

So mancher Netzveteran fühlt sich in diesen Tagen an selige Dotcom-Zeiten erinnert, als das Internet-Geld noch auf den Bäumen zu wachsen schien. Da kauft dann Facebook das geschmackvolle wie unprofitable 13-Mann-Fotonetzwerk Instagram für eine satte Milliarde Dollar in Cash und Aktien, während der börsennotierte Spielespezialist Zynga bis zu 210 Millionen Dollar für ein Unternehmen mit dem schönen Namen OMGPOP ausgibt, das eine Variante des Gesellschaftsspiels Pictionary auf Smartphones gebracht hat.

Ich gebe zu, "Draw Something" von OMGPOP kann durchaus süchtig machen. Die Möglichkeit, mit wildfremden Menschen (oder alternativ mit Facebook- oder E-Mail-Bekanntschaften) über das Internet spaßige Raterunden abzuhalten, die je nach Zeichenkunst des Online-Gegenübers zu Lachtränen oder Seufzern der Frustration führen, ist eine feine Sache. 50 Millionen Downloads in nur 50 Tagen hat der App-Hersteller aus dem hippen New Yorker Stadtteil SoHo damit laut eigenen Angaben verzeichnet, bis zu 24 Millionen Menschen sollen sich angeblich täglich mindestens einmal mit "Draw Something" beschäftigen.

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Sogar über eine lukrative Monetarisierung hatte man sich bei OMGPOP Gedanken gemacht: Zunächst lief sie - offenbar ziemlich gut - per mobiler Online-Werbung, dann ergänzte man auf iPhone und iPad eine Bezahlvariante ohne Reklame und schließlich setzte man auch noch eine In-App-Währung namens "Coins" ein, um den Geldsegen zu beschleunigen. Süchtige können sich seither Ratetipps oder Zusatzfarben zum besseren Malen erkaufen und tun das für bis zu 25 Euro pro virtuellem Münzpaket offensichtlich auch in größerer Stückzahl.

Zynga geht es nicht so proper

Die Frage ist nur, wie lange sich der Hype hält. Nach dem Aufkauf durch Zynga gab es Anfang April erst einmal schlechte Nachrichten. Zuerst sorgte eine neue Version von "Draw Something" für Nutzerverwirrung, weil sie User aufforderte, weitreichende Facebook-Freigaben zu erteilen. Und dann ging laut einer Untersuchung des Facebook-Statistikunternehmens AppData die Anzahl der täglich aktiven "Draw Something"-Nutzer auf der Plattform ("Daily Active Users", DAU) von März zu April auch noch innerhalb weniger Tage um mindestens 300.000 zurück.

Das klingt zuerst einmal nach einem wenig signifikanten Statistikereignis - von 14,6 Millionen DAUs herunter auf 14,3. Doch erstens setzte sich der Abstieg später weiter fort, sogar die 11-Millionen-Marke wurde mittlerweile unterschritten. Und zweitens basiert die teure Bewertung solcher Super-Start-ups vor allem darauf, dass sie eine gigantische Wachstums-Story sind - wenn nicht beim Gewinn, dann immerhin bei den Nutzerzahlen. Auch das erinnert übrigens wieder an Dotcom-Zeiten: Damals sprach man zwar nicht von DAUs (ein lustiges Wort, übrigens), sondern von "Eyeballs" (Augenpaaren), nahm aber ebenso an, dass Gewinne schon später kämen.

Der frischgebackenen OMGPOP-Mutter Zynga geht es indes auch nicht mehr so proper. Ein Blick auf die NASDAQ-Chart seit dem Börsengang im vergangenen Dezember demonstriert, dass das Unternehmen wieder ziemlich genau an seinem aktientechnischen Ausgangspunkt von um die 9 Dollar angekommen ist. Außerdem gab es bei der Bekanntgabe der letzten Quartalszahlen ein Minus von 85,4 Millionen Dollar zu berichten.

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Da kann es nicht recht trösten, dass der Umsatz um 32 Prozent auf 321 Millionen stieg. (Zynga gönnte sich im Quartal allerdings satte 133,9 Millionen Dollar an aktienbasierten Kompensationsausgaben, über die sich diverse Mitarbeiter freuen durften.) Immerhin gibt es über virtuelle Güter potenziell solide Einnahmeströme. Das Problem dabei bleibt, dass Spieler eben auch bei einem Titel dabeibleiben müssen, damit sich dieses Geschäft lohnt.

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