
Eigentlich will ich mich ja nicht beschweren. Ich lebe in einer gut geheizten Behausung mit schönem Ausblick. Mein Internet-Zugang ist ausreichend breitbandig dimensioniert. Meine Rechnerhardware arbeitet zuverlässig und die Lieblingsgadgets ebenfalls. Meistens jedenfalls.
Womit wir beim Thema wären: das Digitaljahr 2012. Neben zahlreichen Highlights gab es auch jede Menge Tiefpunkte - und beides verdient, gewürdigt zu werden. Diese ganz persönliche Liste hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie gibt nur das wieder, was mich ganz persönlich in diesem Technikjahr besonders aufgeregt oder erfreut hat. Wie es bei Ihnen war, können Sie mir gerne in den Kommentaren berichten.
Flop 1: Twitters Metamorphosen
Twitter ist nach wie vor ein Phänomen - als Kommunikationsmedium, als Nachrichtenquelle, schlicht und ergreifend als Community. Während man bei Facebook ständig das Gefühl hat, man verrate der Social-Media-Datenkrake zu viel, geben die 140 Zeichen des Kurznachrichtendienstes Nutzern das Gefühl, mehr Kontrolle über ihren Output zu haben. Aus diesem Grund ist es schwer verständlich, dass Twitter das Jahr 2012 hauptsächlich damit verbrachte, eine Art zweites Facebook zu werden.
Bild: dpaJulia Klöckner
Bei der Bundesversammlung 2009 twitterte die CDU-Abgeordnete Julia Klöckner: "Leute ihr könnt wieder Fußball gucken. Wahlgang hat geklappt.“ Das Problem daran: Das offizielle Ergebnis vom Erfolg für Köhler wurde erst 15 Minuten später bekannt gegeben. Klöckner war Mitglied der Zählkommission. Sie verzichtete in der Folge auf das Amt der Schriftführerin des Parlamentes.
Bild: dapdSteffen Seibert
Nachdem amerikanische Spezialkräfte das Versteck von Osama Bin Laden gestürmt und den al-Qiada-Führer getötet hatten, twitterte der Sprecher der Bundeskanzlerin Steffen Seibert: #Kanzlerin: „Obama verantwortlich für Tod tausender Unschuldiger, hat Grundwerte des Islam und aller Religionen verhöhnt." Seibert fiel schnell auf, dass er sich des Namens des amerikanischen Präsidenten bedient hatte, löschte die Nachricht und korrigierte sich.
Bild: dpaKristina Schröder
Herzlich begrüßte die Bundesfamilienministerin Kristina Schröder ihren Kollegen Hans-Peter Friedrich auf Twitter. "Ich begrüße - wenn auch 14 Tage zu spät :-) - meinen Kollegen Innenminister @HPFriedrich auf Twitter!" schrieb sie. Dumm nur, dass hinter @hpfriedrich gar nicht der werte Kollege steckte, sondern ein Fake-Accout.
Bild: dapdSylvia Löhrmann
Wie Kristina Schröder fiel auch Sylvia Löhrmann auf falsche Freunde herein, allerdings auf Facebook. Das ZDF berichtete, die NRW-Ministerin habe Freundschaftseinladungen von Personen angenommen, die sie nicht kennt. Diese wiederum hätten sich den Spaß erlaubt und sie ohne ihr Wissen zum Mitglied einer Gruppe gemacht, die für Sportwetten im Internet wirbt. Löhrmann bemerkte dies erst, als die ZDF-Redaktion sie darauf ansprach. Löhrmann trat sofort aus der Gruppe aus, da Sportwetten nicht mit der Auffassung der Grünen über Glücksspiel konform sind.
Bild: dapdSebastian Edathy
Auf Facebook tickte der SPD-Politiker Sebastian Edathy aus. Ein Fotojournalist wies ihn im Zuckerberg-Netzwerk daraufhin, dass er urheberrechtlich geschützte Fotos auf Facebook verwendet hatte. Edathy reagierte patzig und schlug dem jungen Mann vor, doch einfach Klage einzureichen. Als dieser noch einmal genauer nachfragte, reagierte Edathy heftig: „Sie können mich mal kreuzweise.“ Der Dialog ist auf Facebook nicht mehr zu finden. Sowohl das Gespräch als auch die angesprochenen Fotos wurden gelöscht.
Bild: dpaPeter Altmaier
@peteraltmaier ist ein wahres Twitter-Vorbild unter den Politikern. Einmal hat er sich jedoch einen ordentlichen Rüffel eingefangen. Als der damalige Bundespräsident Christian Wulff sich weigerte, Journalistenfragen zur Affäre um seine Privatkredite öffentlich zu beantworten, twitterte der heutige Bundesumweltminister: „Wünsche mir, dass Christian seine Anwälte an die Leine legt und die Fragen/Antworten ins Netz stellt.“ Damit verärgerte er auch Kanzlerin Angela Merkel, die bis dahin versucht hatte, die Geschichte zu deckeln. Altmaier entschuldigte sich daraufhin für seinen Tonfall.
Bild: dpaHubert Aiwanger
Mutig war ein Mitarbeiter von Hubert Aiwanger, Chef der Freien Wähler, als dieser sich entschied Blondinenwitze auf dem Facebook-Profil seines Vorgesetzten zu posten. Der hingegen fand das gar nicht komisch und zog sich als Reaktion komplett aus Facebook und Twitter zurück.
Bild: dpaDaniel Rousta
Daniel Rousta war für die Organisation des SPD-Wahlkampfes in Baden-Württemberg zuständig und bis vor wenigen Monaten Ministerialdirektor im Stuttgarter Finanz- und Wirtschaftsministerium. Seine Karriere nahm ein jähes Ende, als er sich über die FDP auf Facebook ausließ. Kurz nach diesem Posting wurde er gefeuert: "Netter kleiner 'Shitstorm' der da gerade über die FDPisser hereinbricht."
Bild: dapdErika Steinbach
Die CDU-Politikerin Erika Steinbach polarisiert und kriegt auf ihre Twitter-Feeds oft bissige Kommentare. Als sie jedoch einmal die Nazi-Partei NSDAP als „linke Partei“ bezeichnete, löste sie einen Sturm der Entrüstung aus.
Bild: dpaHelge Limburg
Der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann (CDU, im Bild) wurde vom Grünen-Abgeordnete Helge Limburg via Twitter als „unerträglichen Hetzer“ beschimpfte. Limburg verglich Schünemann sogar mit dem Rechtspopulisten Geert Wilders aus den Niederlanden. Ein FDP-Parlamentarier trug den Text noch während der laufenden Sitzung vor. In der Folge brach ein so heftiger Streit aus, so dass die Sitzung abgebrochen werden musste.
Julia Klöckner
Bei der Bundesversammlung 2009 twitterte die CDU-Abgeordnete Julia Klöckner: "Leute ihr könnt wieder Fußball gucken. Wahlgang hat geklappt.“ Das Problem daran: Das offizielle Ergebnis vom Erfolg für Köhler wurde erst 15 Minuten später bekannt gegeben. Klöckner war Mitglied der Zählkommission. Sie verzichtete in der Folge auf das Amt der Schriftführerin des Parlamentes.
Es wird versucht, möglichst viele Aktivitäten auf die eigene Homepage und die eigenen Client-Programme umzuleiten, während die in den vergangenen Jahren so umtriebige und für User extrem nützliche Entwicklerszene ausgehungert wird. Man bekommt von Twitter mittlerweile Dinge, die man gar nicht braucht. Anstatt sich auf seine Rolle als Nachrichtenvermittler und Infrastruktur zu konzentrieren, wird Twitter zum Portal. Da hilft dann nur noch App.net.
Flop 2: Das Sägen an der Netzneutralität
Man kann es nicht oft genug betonen, wie wichtig die Netzneutralität für den Fortbestand der Innovationsmaschine Internet ist. Trotzdem machte die Politik im Jahr 2012 keinen Finger krumm, um sie zu schützen. Währenddessen sind die Netzbetreiber fröhlich dabei, das eigentlich einheitliche Netzwerk in passgenaue Scheibchen zu zerlegen, die man den Nutzern dann einzeln und für teures Geld verkaufen kann.
T-Mobile spendiert gegen Extrazahlung freie Bahn für Spotify, das im "normalen" Internet, wie wir es zuhause bislang gewohnt wären, keinen Cent extra für den Datenverkehr kosten würde. Bei Vodafone und diversen anderen Netzbetreibern angeblich so schneller Mobilnetze gibt es neben der üblichen Datendrossel Internet-Telefonie und andere "Geschenke" nur gegen Bezahlung oder in einem hochpreisigen Tarif. Kabel-Internet-Anbieter sind unterdessen dabei, den Datenverkehr zu analysieren und gegebenenfalls herunterzuschrauben. Neutral is' das nicht.
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