Von Nullen und Einsen: Foursquare weiß, wo Du bist

kolumneVon Nullen und Einsen: Foursquare weiß, wo Du bist

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Drei Männer checken mit dem iPhone bei Foursquare ein

Kolumne von Ben Schwan

Ortsdienste erfreuen sich zunehmender Beliebtheit: Der aktuell größte, Foursquare, hat gerade die Marke von sechs Millionen Nutzern überschritten und wuchs so mit erstaunlichen 3400 Prozent. Menschen, die Wert auf ihre Privatsphäre legen, schütteln angesichts der ausgefeilten Möglichkeiten zur Profilbildung, die diese Dienste bieten, mit dem Kopf. Zu stoppen ist der Trend trotzdem nicht, meint wiwo.de-Technik-Kolumnist Ben Schwan.

Dennis Crowley war seiner Zeit voraus. Als der Internet-Freak im Jahr 2000 zusammen mit einem Mitstudenten an der New York University den Dienst Dodgeball gründete, mit dem man sich per Handy ortsbasiert vernetzen konnte, gab es noch keine echten Smartphones auf dem Markt - und mobiles Internet nutzen die wenigsten Menschen. Entsprechend verhalten eingesetzt wurde das Angebot dann auch, bei dem man sich anfangs allein per SMS verabreden konnte. Trotzdem wurde der Online-Riese Google auf das Unternehmen aufmerksam und übernahm Dodgeball schließlich 2005 mit Mann und Maus. Aus Crowley wurde ein wohlhabender Mensch.

Schon zwei Jahre später, vermutlich genau passend mit dem Auslaufen entsprechender Sperrklauseln, verabschiedete sich der Handy-Experte von Google - öffentlich, per Blog-Posting. "Unglaublich frustrierend" sei die Zeit bei dem Internet-Giganten gewesen, schrieb er darin, "besonders, weil wir [Google] nicht davon überzeugen konnten, dass Dodgeball Entwicklerressourcen wert war". Stattdessen habe man zusehen müssen, wie andere Start-ups "im Mobile- und Social-Bereich Innovationen entwickelten".

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Knallhartes Geschäft um tolle Plätze

Wenige Monate nach seinem Google-Ende gründete Crowley dann ein frisches Unternehmen. Dessen Ansatz war so erstaunlich gleich zu Dodgeball, dass die Internet-Szene spekulierte, Google könne sehr sauer reagieren. Dem war aber nicht so: Stattdessen entwickelte sich Foursquare, wie Crowley sein neues Baby nannte, zum Hit. Mittlerweile sind sechs Millionen Mitglieder erreicht, das aktuelle Wachstum liegt bei sage und schreibe 3400 Prozent. 382 Millionen Mal sollen sich die Mitglieder bei Foursquare mittlerweile "eingecheckt" haben, sprich: sie übermittelten ihre aktuelle Position.

Während der Misserfolg von Dodgeball kein bisschen verwunderlich war, kann man über den aktuellen Erfolg von Foursquare schon ins Grübeln kommen. Der Dienst basiert darauf, dass Nutzer ihren Freunden - beziehungsweise häufig genug der halben Welt - ihren Aufenthaltsort verraten. Was ein trendiger Dienst sein soll, um Freunde in der Nähe zu finden und neue "tolle Plätze" zu entdecken, hat ein knallhartes Geschäftsmodell: Nur so wird sich später ortsbasierte Werbung verkaufen lassen, von der Foursquare leben will, sobald das Risikokapital nicht mehr reicht.

Eine aktuelle Studie von Microsoft zeigt, dass es echte Fans solcher Services gibt. Über 40 Prozent aller Nutzer scheint es dabei wenig zu interessieren, dass sie ihre Daten abgeben und freuen sich gleichzeitig, dass die Dienste deshalb nichts kosten.

Mit Narzissmus zum Erfolg

Nun ist es modern, sich im Internet zu präsentieren und Dienste wie Twitter oder Facebook erlauben ein Maß an gefühlter Online-Intimität, das es bislang noch nicht gab. Genau das - neben der Möglichkeit der leicht narzisstischen Selbstdarstellung - sorgt für den Erfolg der Dienste. Aber die Tatsache, dass hier Firmen genaue Bewegungsprofile anlegen und das zur Erfüllung ihres Auftrags auch müssen, macht nicht nur Datenschützer nervös.

Nicht dass Ortsdienste die einzigen Anbieter wären, die Profile erstellen (können): Geodaten werden mittlerweile von vielen Geräten auch erfasst, wenn der Nutzer sie nicht händisch übermittelt. Bekannt ist das beispielsweise beim iPhone: Hier lässt sich Apple in seinen Lizenzbedingungen zusichern, "nicht persönlich identifizierbare" Standortinfos in regelmäßigen Abständen zu sichern. Sinn der Sache ist unter anderem der Aufbau eines eigenen Kartendienstes. Nutzer werden so quasi zu unbewussten Kartographen der halben Welt.

Und Foursquare ist längst nicht der einzige Ortsdienst. Gowalla, ein direkter Konkurrent, gab zwar die Idee auf, eine eigene Infrastruktur bereitzuhalten, stattdessen übermittelt man mit der Handy-Software der Firma seine Position nun an bis zu vier verschiedene ehemalige Wettbewerber. Facebook hat mit Places einen eigenen Dienst und Google kommt kurz dahinter. Wachsen werden die Dienste also, da kann man als Mensch mit Affinität zur eigenen Privatsphäre noch so mit dem Kopf schütteln.

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5 Kommentare zu Von Nullen und Einsen: Foursquare weiß, wo Du bist

  • Die Menschen werden immer bLÖDER !!!!

  • @mathias: hart ausgedrückt, aber immer noch viel zu milde ausgedrückt ;-)

    Oder vielleicht waren sie (wir?) schon immer so.

  • Neeeee sonst würde hier keiner dagegenschreiben

    Wir sind schuld weil( wir) unseren Kindern kein Verstand eingeprügelt
    haben.
    Statt dessen mit Geld abgespeist,um Sportschau zu sehen!

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