Von Nullen und Einsen: Gefängnisausbruch per Computervirus

kolumneVon Nullen und Einsen: Gefängnisausbruch per Computervirus

Kolumne von Ben Schwan

Wenn Hacker in Hollywood-Filmen früher per Computer Tresore aufmachten, Stromnetze lahmlegten oder Industrieanlagen explodieren ließen, hatte man als Mensch mit IT-Kenntnissen das gute Gefühl, dass das alles nur eine actionreiche Show war. Mittlerweile kann man dank zunehmender Vernetzung aber Szenarien vorhersehen, die solchen Horrorvorstellungen nahe kommen. wiwo.de-Technik-Kolumnist Ben Schwan mit einer Schauergeschichte, die dank unterlassender Sicherheitsmaßnahmen Realität werden könnte.

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Die neue Angst vor Hackern und Computerviren - Was für IT-Fachleute vor wenigen Jahren noch schlicht als Unmöglich galt, rückt heute zunehmend in den Bereich des Möglichen.

Als im Jahr 2007 die vierte Folge der "Die Hard"-Reihe in die Kinos kam, hatte der Bruce-Willis-Streifen alle Merkmale, die man von einem Hollywood-trifft-Hacker-Film erwarten konnte: Online-affine Ganoven legen darin das Strom- und Telefonnetz lahm, lassen Pipelines durch geschicktes computergestütztes Umleiten von Erdgas hochgehen und Justin "I'm a Mac" Long darf mit einem Nokia Communicator John McClane dabei helfen, die Welt zu retten.

Alles nur Fiktion?

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Mit solchen und ähnlichen Desaster-Shows wurden Menschen mit IT-Kenntnissen in den letzten drei bis vier Jahrzehnten konfrontiert - und sie konnten dann nur schmunzeln. Meist waren solche Filme Ausdruck der diffusen Angst, die Otto Normalverbraucher laut Meinung vieler Regisseure vor moderner Technik hat. Außerdem war es oftmals schlicht unterhaltsam, wenn Computer und ihre Bediener Amok liefen. Das knallte dann so schön.

Da half es wenig, wenn man seinen Freunden erzählte, dass das doch technisch gar nicht gehe, weil die Stromnetzrechner schlicht überhaupt nicht (oder nur mit hohem Aufwand) von außen erreichbar waren. Oder dass Relais in vielen Fällen noch über ein analoges Kontrollpult geschaltet wurden und man mit dem Handy keine Satelliten hacken kann.

Eine durchaus ernste Gefahr

Doch mittlerweile weicht das angenehme "Das ist doch nur Hollywood"-Gefühl technisch bewanderter Personen einer "Oha, das geht ja vielleicht doch"-Ängstlichkeit. Der erste ernstzunehmende Vorfall in dieser Richtung geriet 2010 in die Schlagzeilen, als der Computerwurm Stuxnet in Kraftwerksanlagen kursierte und eine Schnittstelle zur Manipulation sogenannter Programmable Logic Controller (PLCs) enthielt. Diese cleveren kleinen Schalter sitzen mittlerweile in zahllosen Industrieanlagen, in Zugangssicherungssystemen, Automatisierungsanlagen und sogar Aufzügen. Gesteuert werden PLCs von standardisierten SCADA-Programmen ("Supervisory Control and Data Acquisition"), die nicht selten auf normalen Windows-Maschinen laufen.

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