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kolumneVon Nullen und Einsen: Im Schatten des Crowdfunding-Booms

Kolumne von Ben Schwan

Die überaus erfolgreiche US-Crowdfunding-Plattform Kickstarter zeigt, wie sich interessante Technologien und kreative Projekte von den Käufern selbst finanzieren lassen. Auch in Deutschland klappt die Methode erstaunlich gut. Doch noch lässt sich nicht sagen, wie lange sich der Hype hält - denn nicht immer gibt es ein Happy-End, meint wiwo.de-Technik-Kolumnist Ben Schwan.

Kickstarter Quelle: Screenshot
Kickstarter ist nur eine Plattform unter vielen. Und Crowdfunding keineswegs nur ein amerikanisches Phänomen Quelle: Screenshot

Es klingt wie aus einem Start-up-Märchen: Da stellt ein kleines Team eine zum iPhone passende Uhr mit E-Paper-Anzeige vor, sucht für das auf den ersten Blick doch recht spezielle Zubehör immerhin 100.000 Dollar an Startkapital und nimmt dann völlig unerwartet das Hundertfache dieser Summe ein. Willkommen auf Kickstarter - der US-Crowdfunding-Plattform, auf der Träume noch in Erfüllung gehen.

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Die "Pebble"-Uhr, von deren Qualität sich Käufer frühestens in einigen Monate überzeugen können werden, ist nur das neueste Exempel einer beispiellosen Serie an Projekten, die rein durch interessierte Nutzer finanziert wurden. Da hätte man das soziale Netzwerk, das Facebook Konkurrenz machen will (20-fache Überzeichnung), den Spieleveteranen, der nochmal ein richtig cooles Adventure zusammenbasteln möchte (8-fache Überzeichnung) oder den Lederproduzenten, der einen besonders hippen Schlüsselanhänger herstellt (19-fache Überzeichnung). Daneben gibt es zahllose Filme, Theaterproduktionen, Comics oder Musikalben, die sich auf der Crowdfunding-Plattform gegenseitig die Interessenten abzujagen versuchen.

Kickstarter.com

Die größte und bekannteste US-amerikanische Crowdfunding-Plattform „Kickstarter“ wurde im April 2009 von Perry Chen, Yancey Strickler, und Charles Adler gegründet. Sie ist auch für viele deutsche Plattformen ein Vorbild. Seit April 2009 kamen in über 10.000 Projekten rund 75 Millionen Dollar (rund 56 Millionen Euro) zusammen.

Und der Erfolg des Crowdfundings ist keineswegs nur ein amerikanisches Phänomen. In Deutschland sammelte das Produktionshaus Brainpool für eine Kinoversion der ProSieben-Comedy "Stromberg" innerhalb kurzer Zeit eine Million Euro bei Fans ein - obwohl die Investment-Website fast so kompliziert zu lesen ist wie der Börsenprospekt eines Dax-Konzerns. Eine "namentliche Nennung im Abspann des Kinofilms, untere Position" gab es hier bereits ab 100 Euro, Premierentickets in zweifacher Ausführung ab 1000.

Wie lange hält der Hype?

Die Plattform Startnext hat an aktuell knapp 200 Projekte immerhin über 700.000 Euro verteilt. Hier versuchen sich von einem TV-Projekt der Berliner "Tageszeitung" bis zum türkischen Kochbuch die unterschiedlichsten Vorhaben an einer Finanzierung durch Interessierte. Konkurrent MySherpas betont den "Sponsoring"-Effekt, den Crowdfunding-Zahlende haben - sie sollen Projekten dabei helfen, umgesetzt zu werden.

Die Plattformen selbst nehmen sich unterschiedliche Beträge. Beim Riesen Kickstarter sind es 5 Prozent der Einnahmen plus Kartengebühren zwischen 3 und 5 Prozent, bei MySherpas will man 10 Prozent und Startnext lässt sich als gemeinnützige Plattform abzüglich der PayPal-Gebühren nur für Premiumdienste bezahlen. Trotzdem wollen die Nutzer versorgt sein: Damit ein Crowdfunding klappt, muss nicht nur das Produkt ein interessantes sein, sondern auch die möglichen "Geschenke", die man Kunden bietet, spannend. Ein Musiker bietet dann beispielsweise signierte Platten an oder erlaubt den Besuch des Backstage-Bereiches bei einem Konzert für besonders spendable Nutzer. Bei der Pebble-Uhr gab es für 235 Dollar beispielsweise ein frühes Entwicklermodell, mit dem Geeks gleich mit der Programmierung anfangen konnten.

Fragt sich nur, wie lange sich der aktuelle Crowdfunding-Hype hält. Kritiker sahen ihn schon vor Monaten abflauen, als das Adventure-Projekt des Spieleveteranen Tim Schafer (siehe oben) so derart überzeichnet war. Doch dann kam die Pebble-Uhr und brach erneut alle Rekorde. Es scheint also so zu sein, als könne sich der Trend längerfristig fortsetzen.

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Hauptproblem bleibt die Sichtbarkeit: Viele Projekte schaffen es angesichts der mittlerweile riesigen Auswahl gar nicht erst, die Aufmerksamkeitsschwelle größerer Nutzergruppen zu überschreiten. Besonders gut klappt Crowdfunding immer dann, wenn es sich um bereits bekannte Produkte oder Künstler handelt, die die neue Finanzierungsform wählen. Sie können bestehende Infrastrukturen vom Fanclub bis zum populären Twitter-Profil nutzen, um genügend Unterstützer zu finden. Für alle anderen bleibt nur ein möglichst spannendes Produkt, das in die Zeit passt. Und es muss ja nicht unbedingt ein iPhone-Toaster sein...

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