Von Nullen und Einsen: Kickstart für Kreative

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Oberfläche des iTunes-Store

Kolumne von Ben Schwan

Junge Künstler, Filmemacher oder Unternehmer brauchen neben guten Ideen vor allem Startkapital, um ihre Träume verwirklichen zu können. Einen Bankkredit braucht man dafür heute nicht unbedingt: Neuartige Kreativ-Finanzierungsplattformen bringen Menschen per Internet zusammen, die gezielt interessante Projekte fördern. Und das dürfte in den nächsten Jahren noch für einige spannende Entwicklungen sorgen, meint wiwo.de-Technik-Kolumnist Ben Schwan.

Seit Jahren hält sich das hartnäckige Gerücht, dass im Internet eine "Kostenloskultur" herrsche. Nutzer hätten gerne alles umsonst, heißt es dazu - egal ob einfache Nachrichten oder teuer produzierte Videos. Und wenn es darum gehe, doch einmal kleine bis mittlere Beträge für Inhalte zu bezahlen, bleibe die Geldbörse eben zu.

Allerdings zeigen schon höchst erfolgreiche digitale Film- und Musikläden wie iTunes zumindest in ihren Teilbereichen, dass diese Einschätzung nicht stimmt. Ergo: Sind Inhalte ausreichend attraktiv und einfach genug zu erwerben, funktionieren Bezahlinhalte.

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Und auch in einem anderen Segment des Netzes kann man nun sehen, dass Nutzer durchaus zahlbereit sind, wenn nur das Produkt stimmt: Bei der Finanzierung von Kreativprojekten. Der aktuelle Leuchtturm zum Thema, der das überdeutlich zeigt, hört auf den Namen Kickstarter. Die Firma aus New York versammelt auf einer einfach zu bedienenden Plattform aktuelle Vorhaben aus den Bereichen Film, Comics, Verlagswesen, Malerei, Fotografie, Journalismus, Technologie und sogar Kochkunst.

Wer als Kreativer eine gute Idee hat, für die nur noch das Startkapital fehlt, kann sie auf Kickstarter ausführlich vorstellen - in Bildern, Texten und auch Videos. Dann wählt man nur noch den benötigten Betrag, setzt eine Frist, innerhalb derer er zusammenkommen soll - und wartet. Klappt die Finanzierung, erhält man den von den Nutzern zugesicherten Betrag, Kickstarter behält 5 Prozent Bearbeitungsgebühr ein. Daneben fallen dann noch Kreditkartenkosten zwischen 2,2 und 2,9 Prozent pro Buchung plus eine 30 Cent-Transaktionsgebühr an, die der Zahlungsdienstleister Amazon berechnet.

Kickstarter löst alle Entwicklungssorgen

Kickstarter hat seit seinem offiziellen Start im letzten Jahr schon einige spektakuläre Finanzierungserfolge vorzuweisen - sicher auch, weil die Plattform klar strukturiert ist und sich einfach bedienen lässt. So konnte sich das als Anti-Facebook konzipierte, offene soziale Netzwerk Diaspora innerhalb kürzester Zeit 200.000 Dollar sichern und war seine Entwicklungssorgen los.

Erst vor wenigen Tagen sorgte ein simpler iPhone-Ständer auf der Plattform für Furore: Der praktische Tripod-Mount für Kamerastative namens "Glif" konnte von den Machern erst hergestellt werden, wenn diese 10.000 Dollar für den Kauf der Fertigungsanlage beisammen hatten. Gesagt, getan: Innerhalb weniger Tage kamen satte 70.000 Dollar zusammen. Diejenigen, die spendeten, erhielten den iPhone-Ständer einfach gleich.

Auch Film- und Musikprojekte erhalten regelmäßig Kickstarter-Förderungen - so manche Band verschaffte sich über die Plattform Geld für ihr erstes Demoband und hatte dann auch gleich schon erste Fans. Auch aus Deutschland wird das Angebot mittlerweile genutzt - wenn auch noch recht zaghaft. So ließ sich ein Berliner Veranstaltungsort ein Theaterprojekt finanzieren und eine US-Multikünstlerin ihren Aufenthalt bei einem Leipziger Kunstprogramm.

Technik wird immer günstiger

Natürlich sind Kickstarter und Co. nicht die Lösung aller Finanzierungsprobleme für Menschen mit guten Ideen und wenig Geld. Begeistert ein Projekt nicht die beabsichtigte Zielgruppe oder will es über die einschlägigen Social Media-Kanäle einfach nicht bekannt erden, helfen auch grundsätzlich gut funktionierende Förderplattformen wenig. Aber genau das ist es ja, was Kreative ausmacht: Sie suchen sich stets einen Weg, ihren Output vor ein möglichst großes Publikum zu bringen. Das Netz erleichtert das nun immens.

Problematisch ist höchstens, dass Konkurrenten auf die Idee kommen könnten, auf Kickstarter vorgestellte Ideen abzukupfern. Das lässt sich nur verhindern, indem der Projekteinsteller eher wage bleibt - oder aber über Fähigkeiten verfügt, die sich nicht so leicht nachahmen lassen. Zudem hat er im Falle eines Projekterfolges gleich passende Kunden an der Hand.

Es ist durchaus vorstellbar, dass in den nächsten Jahren wichtige Kulturwerke über Plattformen wie Kickstarter entstehen. Das liegt auch an der Technik zur Umsetzung, die immer günstiger wird: Musste man früher beispielsweise für Filme Millionen in die Hand nehmen, damit sie professionellen Maßstäben entsprachen, gibt es mittlerweile Equipment für einige Tausend Euro zu kaufen, das frühere Kinokameras fast alt aussehen lässt. Im Musikbereich ist es ähnlich: Kostengünstige Profiausrüstung und Softwarelösungen lassen mittlerweile Amateure wie Studioexperten klingen. Alles, was man braucht, ist Talent.

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