
Der Trend zum elektronischen Buch hat sich dank kostengünstiger Lesegeräte und preiswertem Lesestoff zum Boom entwickelt - mittlerweile werden einzelne Titel in Millionenauflage verkauft. Was viele Nutzer nicht wissen: Ihre Aktivitäten mit E-Books lassen sich genauso einfach tracken wie das Surfverhalten im Web.
Anbieter analoger Medienprodukte müssen seit Jahr und Tag mit indirekten Methoden arbeiten, wenn sie Marktforschung bei ihren Kunden betreiben wollen. Egal ob die Quotenmessung beim Fernsehen, die Medianalysen bei Print und Radio oder die Zielgruppenbefragungen der Filmproduzenten: Man greift sich stets einen möglichst repräsentativen Ausschnitt der Konsumentenschaft heraus, um dann auf die Gesamtbevölkerung zu schließen. Entsprechend schief sind oft die Ergebnisse, auch wenn man in der Branche ungern darüber spricht.
Was für eine Offenbarung muss da für Medienforscher das World Wide Web sein, in dem man mittlerweile jeden einzelnen Klick messen und sogar mit früheren Surftouren in Beziehung setzen kann: Der Nutzer ist geradezu gläsern, mit entsprechender Analysesoftware fast schon vorhersehbar.
Bild: PresseKindle Fire
Stark: Handliches Multimediagerät mit Farbdisplay zum Kampfpreis. Zugriff auf Amazons Buch-, Musik- und Videoangebot. Vollwertiger Internet-Zugriff über integrierten Web-Browser.Schwach: Kein Zugriff auf Googles App-Market. Hohes Gewicht und begrenzte Laufzeit (acht Stunden) durch Farbdisplay.
Ausstattung: 17,8-Zentimeter-Display; 1024 x 600 Pixel, 413 Gramm
Preis: 199 Dollar
Bild: PresseAmazon Kindle
Stark: Sehr kompakter E-Reader mit schnellem, kontraststarkem Display. Sicherung und Zugriff auf digitale Bücher übers Internet. Synchronisation von Lesezeichen. Komfortable Integration in den Amazon-e-Buch-Katalog.
Schwach: Aufspielen von Texten, die nicht von Amazon stammen, ist nur per E-Mail möglich. Bücher im beliebten epub-Format werden gar nicht angezeigt.
Ausstattung: 15,2-Zentimeter-Display; 800 x 600 Pixel. 170 Gramm. WLAN
Preis: 99 Euro
Bild: PresseOyo Reader
Stark: Steuerung über Bildschirm und Tasten. Komfortable Integration in den Thalia-E-Buch-Shop. Zeigt neben Büchern im epub-Format auch txt-, pdf- sowie Bilddateien an. Niedriger Preis.
Schwach: Zäher Seitenaufbau beim Blättern. Für die Größe recht schwer.
Ausstattung: 15,2-Zentimeter-Display; 800 x 600 Pixel. 240 Gramm. WLAN
Preis: 99 Euro
Bild: PresseApple iPad 2
Stark: Multimediagerät mit E-Reader-Funktionen, etwa durch Zugriff auf die Amazon-Bibliothek über die Kindle-App.
Schwach: Stark spiegelndes Display bei Sonnenlicht. Ist wegen seines Gewichts und der – verglichen mit reinen E-Readern – kurzen Akkulaufzeit für langes Lesen weniger geeignet.
Ausstattung: 24,6-Zentimeter-Display; 1024 x 768 Pixel. 601 Gramm.
WLAN Preis: ab 479 Euro
Bild: PresseiRiver Story
Stark: Schnelles, besonders – speziell für E-Reader – hoch auflösendes Display. Integration unter anderem des Online-‧E-Buch-Shops von KNV (Buchkatalog.de).
Schwach: Kein eigenes Ladegerät. Aufladen des Akkus über USB-Kabel langwierig.
Ausstattung: 15,2-Zentimeter-Display, 1024 x 768 Pixel. Integrierte Tastatur. 207 Gramm. WLAN
Preis: 139 Euro
Bild: PresseSony Reader WiFi
Stark: Schnelles, kontrastreiches und spiegelfreies Display. Sehr exakt arbeitende, berührungsempfindliche Steuerung. Nur 8,9 Millimeter dünn. Zugriff unter anderem auf die E-Buch-Shops von Libri und Thalia.
Schwach: Kunststoffgehäuse spart Gewicht, wirkt aber weniger wertig.
Ausstattung: 15,2-Zentimeter-Display; 800 x 600 Pixel. 168 Gramm. WLAN
Preis: 149 Euro
Kindle Fire
Stark: Handliches Multimediagerät mit Farbdisplay zum Kampfpreis. Zugriff auf Amazons Buch-, Musik- und Videoangebot. Vollwertiger Internet-Zugriff über integrierten Web-Browser.
Schwach: Kein Zugriff auf Googles App-Market. Hohes Gewicht und begrenzte Laufzeit (acht Stunden) durch Farbdisplay.
Ausstattung: 17,8-Zentimeter-Display; 1024 x 600 Pixel, 413 Gramm
Preis: 199 Dollar
Und nun kommt der große Schub bei der Digitalisierung analoger Medieninhalte: Aus dem Printmagazin wird die Nachrichten-Website, bei der man weiß, wie oft jeder einzelne Beitrag gelesen wurde, das Online-Musikradio sammelt fleißig jeden durchgehörten Song. Filme erhalten genaue Abrufzahlen und IPTV-Sender wissen, wie oft ein Nutzer den Kanal gewechselt oder Werbung weggeschaltet hat.
Da wundert es eigentlich nicht, dass der aktuell letzte Kandidat der großen Digitalisierungswelle, das gute, alte Printbuch, in seiner Reinkarnation als E-Book ähnliche Möglichkeiten bietet. Allerdings dürfte genau dieser Bereich es sein, in dem die Nutzer am wenigsten damit rechnen, dass ihnen beim Schmökern über die Schulter geschaut wird. Das Lesen von Büchern gilt vielen Freunden des gedruckten Wortes als etwas sehr Privates.
Erotik-Schmonzette wird zum Millionenerfolg
Tatsächlich offeriert so ein hübscher E-Reader zunächst mehr Privatsphäre. Egal was man da gerade liest - von außen sieht das Gerät nur aus wie ein Kindle, Kobo, iPad oder Galaxy Tab. Wer den aktuelle E-Book-Megaseller, die S/M-Schmonzette "Fifty Shades of Grey", in der U-Bahn geniest, hätte sich das Werk vermutlich für diesen Ort nicht als Printausgabe besorgt - schließlich sehen die Umstehenden dann das Cover. So aber weiß scheinbar niemand, dass man einen Erotik-Titel konsumiert, der sich mittlerweile in einigen Weltregionen flotter verkauft als einstmals der letzte "Harry Potter". Das Buch wurde in Amerika bereits 15 Millionen-Mal verkauft und hat inzwischen auch in Deutschland Platz Eins der Amazon-Charts erobert.
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