Von Nullen und Einsen: Schnüffelnde Bücher

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Wer liest wie? Aktivitäten der E-Book-Nutzer lassen sich genauso einfach tracken wie das Surfverhalten im Web

Kolumne von Ben Schwan

Ein Sadomaso-Softporno wird als E-Book zum Bestseller. Doch während das Gegenüber in der Bahn nicht erkennt was man liest, verfolgen andere das Leseverhalten ganz genau.

Der Trend zum elektronischen Buch hat sich dank kostengünstiger Lesegeräte und preiswertem Lesestoff zum Boom entwickelt - mittlerweile werden einzelne Titel in Millionenauflage verkauft. Was viele Nutzer nicht wissen: Ihre Aktivitäten mit E-Books lassen sich genauso einfach tracken wie das Surfverhalten im Web.

Anbieter analoger Medienprodukte müssen seit Jahr und Tag mit indirekten Methoden arbeiten, wenn sie Marktforschung bei ihren Kunden betreiben wollen. Egal ob die Quotenmessung beim Fernsehen, die Medianalysen bei Print und Radio oder die Zielgruppenbefragungen der Filmproduzenten: Man greift sich stets einen möglichst repräsentativen Ausschnitt der Konsumentenschaft heraus, um dann auf die Gesamtbevölkerung zu schließen. Entsprechend schief sind oft die Ergebnisse, auch wenn man in der Branche ungern darüber spricht.

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Was für eine Offenbarung muss da für Medienforscher das World Wide Web sein, in dem man mittlerweile jeden einzelnen Klick messen und sogar mit früheren Surftouren in Beziehung setzen kann: Der Nutzer ist geradezu gläsern, mit entsprechender Analysesoftware fast schon vorhersehbar.

Und nun kommt der große Schub bei der Digitalisierung analoger Medieninhalte: Aus dem Printmagazin wird die Nachrichten-Website, bei der man weiß, wie oft jeder einzelne Beitrag gelesen wurde, das Online-Musikradio sammelt fleißig jeden durchgehörten Song. Filme erhalten genaue Abrufzahlen und IPTV-Sender wissen, wie oft ein Nutzer den Kanal gewechselt oder Werbung weggeschaltet hat.

Da wundert es eigentlich nicht, dass der aktuell letzte Kandidat der großen Digitalisierungswelle, das gute, alte Printbuch, in seiner Reinkarnation als E-Book ähnliche Möglichkeiten bietet. Allerdings dürfte genau dieser Bereich es sein, in dem die Nutzer am wenigsten damit rechnen, dass ihnen beim Schmökern über die Schulter geschaut wird. Das Lesen von Büchern gilt vielen Freunden des gedruckten Wortes als etwas sehr Privates.

Erotik-Schmonzette wird zum Millionenerfolg

Tatsächlich offeriert so ein hübscher E-Reader zunächst mehr Privatsphäre. Egal was man da gerade liest - von außen sieht das Gerät nur aus wie ein Kindle, Kobo, iPad oder Galaxy Tab. Wer den aktuelle E-Book-Megaseller, die S/M-Schmonzette "Fifty Shades of Grey", in der U-Bahn geniest, hätte sich das Werk vermutlich für diesen Ort nicht als Printausgabe besorgt - schließlich sehen die Umstehenden dann das Cover. So aber weiß scheinbar niemand, dass man einen Erotik-Titel konsumiert, der sich mittlerweile in einigen Weltregionen flotter verkauft als einstmals der letzte "Harry Potter". Das Buch wurde in Amerika bereits 15 Millionen-Mal verkauft und hat inzwischen auch in Deutschland Platz Eins der Amazon-Charts erobert.

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