Von Nullen und Einsen: Sicher durch die Wolke

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Facebook-Chef Mark Zuckerberg will mit Cloud Computing die Welt vernetzen

Kolumne von Ben Schwan

Cloud Computing hat für Firmen wie Privatanwender jede Menge Vorteile - die ständige Verfügbarkeit wichtiger Informationen gehört dazu, weniger Stress beim Informationsmanagement und vieles mehr. Die Technik bringt aber auch ganz neue Herausforderungen an Datenschutz und Datensicherheit mit sich. Umso mehr gilt deshalb ein altes Schiller-Wort, meint wiwo.de-Technik-Kolumnist Ben Schwan: "Drum prüfe, wer sich ewig bindet."

Facebook-Boss Mark Zuckerberg ist ein Datenvielfraß. Er will die Profilinformationen seiner Nutzer, ihren Beziehungsstatus, ihre Hobbys, ihre Fernsehvorlieben, ihre politische Haltung, ihre Lieblingsmusik, ihr Lieblingsessen - und am besten all das auch noch von ihrem Freundeskreis. Dazu kamen in jüngster Zeit noch weitere, einst als datenschutztechnisch heilig geltende Infos: Wo man vorbeigesurft ist, beispielsweise, erfasst der sich wie eine Grippewelle im Web ausbreitende "Like"-Knopf, wo man sich aufgehalten hat, Facebooks "Places"-Service. Und nun, in der vergangenen Woche, kamen auch noch alle E-Mails, SMS-Botschaften und Facebook-Nachrichten hinzu. Die sollen auf immer und ewig auf den Servern des kalifornischen Netzwerkriesen lagern, wenn die Nutzer mitspielen - wovon, zumindest in großer Zahl, auszugehen ist.

Facebook ist ein Beispiel für einen Super-Cloud Computing-Dienst, der von seinen Kunden quasi alles wissen will. Es ist aber auch ein Beispiel dafür, wie vorsichtig User mit den im Netz abgelegten Infos umgehen sollten, wenn sie nicht möchten, dass es irgendwann Ärger gibt. Das peinliche Party-Foto, der ungebührliche Witz, die schiere Menge an rückverfolgbaren Lebensinformationen, die man bei Facebook hinterlässt, all das sollte Nutzern zu denken geben. Manche wehren sich deshalb auch. So gibt es eine nicht kleine Anzahl an Fake-Profilen, die Nutzer angelegt haben, um anonym kommunizieren zu können (was wiederum Facebooks Nutzungsbedingungen widerspricht). Andere User editieren ihre Pinnwand mit fast manischer Energie, um ja nichts Negatives stehen zu lassen. Wieder andere verabschieden sich einfach stets dann aus Facebook, wenn sie nicht online sind - das Profil ist dann mal eben weg, bis wieder der Schalter betätigt wird.

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Cloud Computing verschreckt die Nutzer

Cloud Computing bedingt, dass man Vertrauen in seinen Diensteanbieter hat. Davon wird, siehe Facebook und seine Datenskandale, manchmal zu viel vergeben. So schön und praktisch etwa ein Internet-Backup-Anbieter wie Dropbox oder Mozy ist: Nutzer müssen sich klar sein, dass man damit Infos nach Amerika sendet, für die sich dortige Behörden womöglich in ihrer Aufklärungswut interessieren. Dagegen hilft nur, seinen Datenbestand lokal zu verschlüsseln und auch verschlüsselt hochzuladen. Allein: Es tut fast niemand, weil es schlicht zu kompliziert ist.

Beim De-Mail-Projekt von Telekom und Web.de und dem (meiner Meinung nach zu recht viel belächelten) "E-Post-Brief" der Post sieht man, wie Anbieter von sich aus dafür sorgen, dass Cloud Computing die Nutzer verschreckt. Statt eine sichere End-to-End-Verschlüsselung zu integrieren, was technisch heutzutage überhaupt kein Problem mehr darstellt, muss die angeblich so sichere Superpost während des Transports zwischenzeitlich in den Rechenzentren der Anbieter ausgepackt werden. Wo sie potenziell ausgelesen werden kann! Da können die Dienstebetreiber noch so sehr betonen, sie betrieben Hochsicherheitsrechentechnik: Entschlüsselt ist entschlüsselt.

Science Fiction wird zur Realität

Bei so manchem von vielen Menschen tagtäglich genutzten Dienst kommt es aber noch viel schlimmer, wie neulich ein kleines Zusatzprogramm für den Browser Firefox demonstrierte. Firesheep entführte Sitzungen bei E-Mail-Anbietern, Kurznachrichtendiensten, Blogging-Anbietern und sozialen Netzwerken. Und das nur, weil deren Betreiber es bis heute nicht einsehen, das Standard-Web-Verschlüsselungsverfahren SSL einzusetzen, das mittlerweile weder besonders viel kostet noch zu viel Rechenleistung in Anspruch nimmt. Wer in einem Internet-Cafe sitzt und erlebt, wie ihm in 10 Sekunden sein Facebook-Profil entführt wird, bekommt dann hoffentlich einen erholsamen Schock. Und verlangt von seinem Dienstleister, endlich zu handeln - oder schützt sich eben, solange das nicht passiert, mit einfachen Mitteln selbst.

Wir leben in einer Zeit, in der Science Fiction zur Realität wird. Wer früher über Hollywood-Hacker-Szenarien lachte, hat Stuxnet noch nicht gesehen. Wer meinte, Kundeninformationen bei einem renommierten Dienstleister seien stets hochgesichert, kennt die vielen Datenskandale nicht. Die Idee, sich als Unternehmen besser sein eigenes Cloud Computing-Rechenzentrum hochzuziehen, das man selbst kontrollieren kann, wirkt mittlerweile verlockend - und Großkonzerne tun das längst. Den Komfort, den die Technik Nutzern bringt, wollen diese nicht missen. Ihr Albtraumpotenzial muss nicht sein.

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