Von Nullen und Einsen: Track me if you can

kolumneVon Nullen und Einsen: Track me if you can

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Wenn es nach den Technikern bei Microsoft, Mozilla und anderen großen Browser-Herstellern geht, sollen Nutzer in den nächsten Versionen ihrer Web-Surfbretter künftig eine Möglichkeit haben, all zu invasiven Trackingmaßnahmen durch Werbeindustrie und Internet-Unternehmen zu widersprechen

Kolumne von Ben Schwan

In den USA tobt eine heiße Diskussion um die Einführung eines neuen Privatsphärenschalters für Web-Browser. Noch tut der zwar überhaupt nichts und könnte auch in seiner Endversion eher nutzlos sein, doch die Werbebranche fürchtet schon jetzt, lieb gewonnene Verfahren zum Nutzertracking zu verlieren. Dabei wäre es durchaus sinnvoll, sich mit den Usern in der Mitte zu treffen.

Eigentlich ist die Angelegenheit ganz einfach. Wenn es nach den Technikern bei Microsoft, Mozilla und anderen großen Browser-Herstellern geht, sollen Nutzer in den nächsten Versionen ihrer Web-Surfbretter künftig eine Möglichkeit haben, all zu invasiven Trackingmaßnahmen durch Werbeindustrie und Internet-Unternehmen zu widersprechen - anfangs beschränkt auf US-Firmen, später aber auch weltweit. Dabei geht es beispielsweise darum, dass keine Anzeigen erscheinen, die auf vorher unternommenen Surftouren basieren, oder dass Firmen nutzerspezifische Profile anlegen, die dann zielgerichtete Werbung erlauben.

Das technische Verfahren dazu nennt sich "Do Not Track" - "Verfolge mich nicht". Dabei setzt der Nutzer dann einen simplen Schalter in Firefox und Co. und schon sendet der Browser beim Surfen ein kleines Datenbit mit, den sogenannten DNT-Header. Steht dieser auf "1", heißt das, dass man keine Lust hat, potenziell über Websites hinweg verfolgt zu werden, steht er auf "0", dass einen das nicht stört. (Oder, seien wir ehrlich, dass man die Funktion noch nicht kennt.)

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Prinzip der Selbstregulierung

Damit DNT funktioniert, muss die Technik allerdings nicht nur im Browser integriert sein, sondern Reklametreibende und Netzkonzerne müssen das Verfahren zunächst einmal anerkennen. Anschließend können sie den DNT-Header auswerten - und die Nutzerschaft darf darauf hoffen, dass sich die Unternehmen auch an ihren Wunsch halten. Denn die Technik soll zunächst einmal auf Prinzipien der Selbstregulierung basieren, bevor sie die US-Handelsaufsicht FTC, die die Grundzüge von DNT einst definierte, eventuell eines Tages zur Pflicht macht. (Entsprechende Diskussionen gab und gibt es in der amerikanischen Politik.)

Nachdem die technischen Maßgaben festgelegt waren, was alleine schon knapp fünf Jahre dauerte, tobt nun ein Streit darum, wie man es denn bitte schön mit der Aktivierung von DNT halten soll. Microsoft ging hier einen erstaunlich mutigen Schritt: In der aktuellen Vorabversion (Platform Preview) des neuen Browsers Internet Explorer 10 ist der "Do Not Track"-Header nicht nur funktionsfähig, sondern er ist sogar standardmäßig in "Bitte nicht verfolgen"-Stellung aktiviert. Böse Zungen behaupten, dies sei als Seitenhieb auf Google zu verstehen, dessen hauseigener Chrome-Browser vermutlich eher spät mit der Technik ausgerüstet werden soll - Google selbst habe ein Interesse daran, möglichst viel zielgerichtete Werbung zu verkaufen.

Explizite Einwilligung wäre sinnvoll

Beim Browser Firefox dagegen, dem zweiten DNT-Champion, soll es beim sogenannten Opt-out bleiben - User müssen den Privatsphärenschalter selbst umlegen. "Wer personalisierte Anzeigen möchte, wird/soll diese erhalten. Wer es aber nicht möchte, der sollte (ähnlich wie beim Aufkleber am Briefkasten) darauf hinweisen können und dann auch keine bekommen", schrieb mir dazu kürzlich die deutsche Mozilla-Pressestelle. Offensichtlich will man bei dem Open-Source-Browser der Internet-Wirtschaft nicht allzu massiv auf die Füße treten.

Beim World Wide Web Consortium (W3C), dem wichtigsten Standardisierungsgremium im WWW, ist man ebenfalls dagegen, dass der DNT-Header sofort geschaltet ist. Es gehe hier ja schließlich um einen Nutzerwunsch, dem man nicht vorgreifen wolle, heißt es in einer Diskussion der entsprechenden Arbeitsgruppe. Dass viele Nutzer gar nichts wissen, dass sie getrackt werden und daher womöglich eine explizite Einwilligung sinnvoll wäre, bleibt in der Debatte außen vor.

Den deutschen Datenschützern ist "Do Not Track" sowieso viel zu schwammig. Thilo Weichert, Landesbeauftragter für den Datenschutz in Schleswig-Holstein, sagte mir dazu in einem Interview, es sei zweifelhaft, dass mit "Do Not Track" den Internet-Usern ihre Souveränität zurückgegeben wird. "Daran glauben wir nicht." Man wisse in Europa, dass der Selbstregulierungsansatz allein nicht funktioniert. Aus diesem Grund habe er große Hoffnungen hinsichtlich einer europäischen Regulierung, wenn diese zugleich mit einer massiven Verbesserung beim Gesetzesvollzug verbunden wird. Mit anderen Worten: Wenn die Industrie nicht selbst auf die Nutzer zugeht, kommt die juristische Keule.

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