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Von Nullen und Einsen: Was vom iPad-Fieber übrig blieb

Kolumne von Ben Schwan

Seit knapp einem Monat ist Apples viel gehypter Tablet-Rechner in Deutschland verfügbar, in den USA sogar schon seit fast drei. Haben sich die Erwartungen erfüllt oder ist eher Enttäuschung angesagt bei Medien, App-Produzenten und vor allem Kunden? wiwo.de-Technik-Kolumnist Ben Schwan mit einer Analyse.

Ben Schwan
WiWo-Technik-Kolumnist Ben Schwan lebt als Journalist in Berlin
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Es gab eine Zeit, da brüstete sich Apple mit der Tatsache, keine "Vaporware" zu produzieren - Vorabankündigungen von Geräten also, die erst viele Monate später erscheinen würden. "Verfügbarkeit: Ab heute" ließ Steve Jobs bei einer seiner legendären "Keynotes" dann auf die letzte Folie schreiben und die Apfeljünger zückten gleich danach ihre Kreditkarten.

Spätestens seit dem ersten iPhone hat sich diese sehr kundenfreundliche Taktik geändert: So dauerte es bei dem "Wunderhandy" zwischen Ankündigung am 9. Januar 2007 bis zur Auslieferung am 29. Juni ein geschlagenes halbes Jahr. Menschen außerhalb der USA waren noch schlimmer dran, mussten sich bis mindestens Herbst jenes Jahres gedulden, bevor Deutschland, Frankreich und Großbritannien versorgt wurden - der "Rest der Welt" gar erst ab 2008.

Ein bisschen wie Planwirtschaft

Beim iPad, das jahrelang durch die Internet-Gerüchteküche geisterte und im Januar dieses Jahres dann endlich vorgestellt wurde, setzte sich die unschöne Vorankündigungspolitik fort. In den USA gab's die silberne Computer-Flunder erst vier Monate später, Deutschland und acht weitere Länder mussten bis Ende Mai warten. Diverse andere Weltregionen, etwa das designverliebte Skandinavien, sind nach wie vor überhaupt nicht versorgt.

Entsprechend schwierig ist, bereits jetzt ein Zwischenfazit zum iPad-Fieber zu ziehen - das Gerät ist schlicht noch nicht in die Hände aller Kunden gelangt, die es auch wirklich wollen. Man kommt sich schon ein bisschen vor wie in der Planwirtschaft: Zwar verkündet Apple mal wieder einen Verkaufsrekord nach dem anderen, doch die Lagersituation ist nach wie vor bescheiden. Insbesondere wenn man es auf das Einsteigermodell (WLAN mit 16 GB, 500 Euro) oder das Topgerät (3G mit 64 GB, 800 Euro) abgesehen hat, heißt es: Warten.

Das ist durchaus peinlich für Apple, hat das Unternehmen mit dem iPhone 4 doch längst das nächste Hype-Produkt des Sommers auf dem Markt. Beide Geräte, iPhone 4 und iPad, weisen eine offizielle Lieferzeit zwischen einer und vier Wochen auf - faktisch dürfte es deutlich länger dauern. Wer vorhat, ein iPad-Topmodell im Laden zu erwerben, wird bei mir hier in Berlin einfach ausgelacht - da kann Apple das Gerät noch so großflächig plakatieren.

Apple hat ein Produktionsproblem

Beim E-Commerce-Händler Amazon sorgte die Geräteknappheit mittlerweile dafür, dass die Preise steil nach oben gehen: Wer jetzt sofort ein iPad 3G mit 64 GB haben möchte, blecht mindestens 900 Euro, wenn nicht gar über 1000 - und das Geschäft scheint zu laufen. Beim offiziellen iPad-Zubehör sieht es noch schlimmer aus: Läppische Dinge wie die (überteuerte) Original-Apple-Hülle oder ein USB-Kamera-Adapter sind erst in drei Wochen lieferbar. Apple hat, so scheint es, ein echtes Logistik- und Produktionsproblem - was den Konzern durchaus auch Umsätze kosten könnte, so geduldig die Fans bislang auch sein mögen. Die Zwischenfälle beim Zulieferer Foxconn verstärken die Krise noch.

Doch wie sieht es mit den Reaktionen jener aus, die ihr Gerät dann endlich in Händen halten? Wie sagt der Amerikaner so schön: "It grows on you" - es wächst an und mit einem. Anfangs ist die Bedienung doch recht gewöhnungsbedürftig. Man muss erst eine Haltung finden, in der man mit dem iPad vernünftig umgehen kann und sich der berühmte "Touchscreen-Arm" nicht einstellt. Meiner Erfahrung nach ist das ohne stützende iPad-Hülle am besten direkt auf den Knien, gerne auch mit einer Ottomane als Fußablage. (Wenn nach dem iPad noch etwas Kleingeld übrig ist, sei hiermit ein Eames Lounge Chair empfohlen.) Aber auch im Bett auf dem Bauch erweist sich der Alu-Rechner als nutzbar.

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7 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 09.07.2010, 16:59 UhrAnonymer Benutzer: Georgetown

    Apple ist produkttechnisch gesehen kein Überflieger... nie gewesen. Wovon Apple profitiert ist die Zielgruppe der Early Adaptor, die Apple-Produkte fas schon wie Scientology-Jünger anbeten. Die meisten kommen aus der Werbebranche und zollen der Marketingstrategie und dem Design Respekt. Apple die Vermarktungsgötter... ich finde das einfach nur dämlich. Kundenfreundlich sind die Produkte nicht... und offen schon garnicht. Leider färbt die Vergötterung der Marke durch Werber und Marketeers tatsächlich positiv auf die Marke ab. Man muss ein iPhone haben um trendy zu sein. Wer ein iPad mit ins Meeting bringt wird beklatscht! Mit Nachhaltigkeit hat das nichts zu tun. Eher mit stumpfer Followermentalität.

  • 05.07.2010, 21:50 UhrAnonymer Benutzer: Hägar Schmidt

    Wirklich interessante Kommentare hier. @bond: vielleicht sind wir einfach am Ende der Dienstleistungsgesellschaft angekommen, noch bevor wir dort angekommen sind. Software hat sehr viel mit Dienstleistungsgedanken zu tun. Sie ist faktisch eine reine Dienstleistung–jemand programmiert für mich meinen Computer–und sie ist leicht zu kopieren.
    Reine Software ist definitiv am Ende. Auch SaaS, Software as a Service ist–bis auf Giganten wie Google–kein großer Renner, zumindest aus volkswirtschaftlicher Sicht. Wenn alle Server in China stehen, dann haben wir auch nicht wirklich was davon.
    Dagegen ist die Strategie Hardware/Software eine sehr zukunftsorientierte Denke. Sie war schon immer zukunftsorientiert :-)

    Allerdings frage ich mich, ob Steve wirklich wusste was er tat. Dass Open Source ein Problem für Microsoft werden kann, war damals noch gar nicht offensichtlich. ich glaube Steve hat einfach richtig Glück gehabt. Muss aber auch mal sein.

  • 05.07.2010, 16:35 UhrAnonymer Benutzer: Bond

    Apple bzw. das Konzept von Steve Jobs war immer Rechner mit Software zu verkaufen. Jahrelang wurde das von der Windows-Welt nur belächelt und heute merken alle User das nur damit benutzerfreundlichkeit und Comfort zusammengehen und alle anderen machen das Modell nach. im übrigen war die Oberfläche von Mac OS9 von Xerox entwickelt worden; nur die wussten nichts damit anzufangen. Gerade jetzt im Zeitalter vom internet wird die Symbiose von Hard- und Software immer wichtiger um sich von den Mitbewerbern abzuheben.

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