Von Nullen und Einsen: Wikileaks in Wartestellung

kolumneVon Nullen und Einsen: Wikileaks in Wartestellung

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Wikileaks-Gründer Julain Assange

Kolumne von Ben Schwan

Julian Assange weiter unter Hausarrest, der letzte größere "Leak" Monate her, der sichere digitale Briefkasten für Whistleblower noch immer offline und dann auch noch ein fortgesetzter Ärger mit Finanzinstituten: Die Enthüllungsplattform, die in den letzten Jahren weltweit Schlagzeilen machte, droht, aus selbigen zu fallen. Konkurrenzorganisationen kommen währenddessen scheinbar nicht vom Fleck. Trotzdem ist die Idee, die hinter Wikileaks und ähnlichen Plattformen steckt, nicht mehr zu stoppen, meint wiwo.de-Technik-Kolumnist Ben Schwan.

Senf hat die Eigenschaft, sich nach Entnahme aus der Tube nur äußerst schwer wieder zurück in sein Gefäß pressen zu lassen. Ganz ähnlich dürfte es der Idee hinter dem Whistleblowing via Internet ergehen: Die Enthüllungen von Wikileaks & Co. schlugen in den vergangenen Jahren derart ein, dass sie zahlreiche weitere Insider ermutigt haben dürften, selbst nach vorne zu kommen. Das Netz kann, jedenfalls in seinen besten Momenten, so zum echten Transparenzmedium werden - zum Schrecken etablierter Ordnungen. Und das in einer Datenvielfalt, die man aus klassischen Medien bislang nicht kannte.

Trotzdem sieht Wikileaks' aktuelle Situation, zumindest von außen, nicht besonders gut aus. Da wäre zunächst Gründer und, man darf es wohl so sagen, Posterboy Julian Assange, der noch immer in Großbritannien im - wenn auch wohl komfortablen - Hausarrest sitzt. Erst am 12. Juli soll es mit einem Hearing rund um seine Auslieferung nach Schweden weitergehen, wo er sich Vergewaltigungsvorwürfen ausgesetzt sieht, über die es die unterschiedlichsten kontroversen Einschätzungen gibt.

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Assange klebt in Norfolk fest

Egal wie dieser Fall weitergeht und welche Maßnahmen (etwa eine Weiterauslieferung an die USA) Assange letztlich drohen, sollte er nach Schweden müssen: Die Arbeit ist schon jetzt wegen fehlender Bewegungsfreiheit arg gelähmt. Selbst wenn die Auslieferung durch die Briten weiter abgelehnt wird, sich das Verfahren also zieht, ist es durchaus realistisch, dass der Hausarrest bestehen bleibt. Assange, der früher ständig unterwegs war und so seinen Verfolgern nur ein "Moving Target" bot, klebt in Norfolk fest. Das lähmt Wikileaks ungemein.

Sichtbar wird das unter anderem durch die gesunkene Leak-Frequenz, die auch seine Mitarbeiter nicht aufzufangen in der Lage sind. Nach den Botschaftskabeln, die immer noch nur teilweise veröffentlicht sind, und den Guantanamo-Akten im April, die deutlich weniger Pressewirbel verursachten, scheint der Köcher leer. Hinweise, dass Wikileaks mit Übeltaten von US-Banken nachlegen könnte, bestätigten sich zumindest bislang nicht.

Intern rumort es

Dass da zunächst nichts mehr nachrutscht, kann auch an der einfachen Tatsache liegen, dass der Wikileaks-Website seit mittlerweile vielen, vielen Monaten schlichtweg die Möglichkeit fehlt, neue Enthüllungen entgegenzunehmen. In der entsprechenden Frage-und-Antwort-Liste des Portals steht, man sei "im Moment" nicht in der Lage, neue Übertragungen entgegenzunehmen, weil man die Seite "sicherer und nutzerfreundlicher gestalten" wolle. In "naher Zukunft" werde es weitergehen. Dieser technische Umbau ist aber bislang nicht passiert. Der frühere Assange-Kompagnon und heutige Gegner Daniel Domscheit-Berg behauptet gar, dem Australier fehle die Expertise und/oder der passende Code dafür.

Intern rumort es unterdessen. Wikileaks soll laut einem britischen Medienbericht neuen Mitarbeitern selbst erstaunlich unfreie Regeln vorgegeben haben, wie sie wiederum mit Informationen der Organisation umzugehen hätten. Das scheint der Art, wie Assange bislang agierte, durchaus zu entsprechen: Statt das Material einfach auf den Server zu packen, wo es womöglich untergeht, wird sehr, sehr kontrolliert mit renommierten Nachrichtenmedien zusammengearbeitet, die die Verteilung erleichtern und die Wirkung erhöhen, sollte man sich nicht zwischenzeitlich zerstreiten.

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