Vorbild Tankstelle: Wie das Internet die Preise in Bewegung bringt

Vorbild Tankstelle: Wie das Internet die Preise in Bewegung bringt

Rauf, runter, rauf: Online-Händler jonglieren immer stärker mit den Preisen. Manchmal sogar mehrmals am Tag. Für die Kunden ist das oft schwer durchschaubar. Doch hilflos ausgeliefert sind sie der Achterbahnfahrt nicht.

Wer öfter im Internet einkauft, merkt es schnell: Viele Preise fahren Achterbahn. Online-Shops wie Amazon verändern die Preise viel öfter als der Laden nebenan. Der auf E-Commerce spezialisierte Marktforscher Metoda zählte allein bei Amazon in Deutschland im vergangenen April über 3,4 Millionen Preisbewegungen.

Für den Kunden ist das schon heute oft verwirrend. Doch ist der Marketingexperte Martin Fassnacht von der Wirtschaftshochschule WHU überzeugt: „Die Preise im Online-Handel werden in den nächsten Jahren noch mehr in Bewegung geraten. So wie an Tankstellen oder bei Flugreisen werden sie je nach Tageszeit und Nachfrage schwanken.“

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Möglich ist das nur, weil die Preise immer öfter vom Computer festgesetzt werden.

Acht wissenswerte Fakten über Online-Shopper

  • Zwei von zehn...

    ...Online-Shoppern, also ein Fünftel aller Befragten, möchten, dass ihre Pakete an einen lokalen Verkäufer geliefert werden, wenn sie gerade nicht zu Hause sind, um den Empfang zu bestätigen.

  • Drei von zehn...

    ...Kunden sind zufrieden mit der Verfügbarkeit von Live-Chats.

  • Vier von zehn...

    ...Online-Shoppern (43 Prozent), die ihre Bestellung nicht pünktlich geliefert bekommen haben, suchen sich für die nächste Einkaufstour einen anderen Shop aus.

  • Fünf von zehn...

    ...Konsumenten (47 Prozent) sind nicht zufrieden mit der Verständlichkeit der Rückgaberichtlinien auf den Seiten der ihnen bekannten Online-Shops.

  • Sechs von zehn...

    ...Kunden (59 Prozent) finden, dass online angebotene Produkte in der Regel detailliert genug beschrieben sind, um festzustellen, ob sie ihren Erwartungen entsprechen.

  • Sieben von zehn...

    ...Käufern finden, dass kostenloser Versand ein wichtiger Faktor beim Online-Einkauf ist.

  • Acht von zehn...

    ...Kunden (81 Prozent) reagieren positiv auf die Möglichkeit, bestellte Produkte kostenlos im Geschäft zurückzugeben oder mithilfe eines vorfrankierten Retourenscheins zurückzusenden.

  • Neun von zehn...

    ...Befragten lesen sich die Rückgaberichtlinien eines Verkäufers durch; immerhin Zweidrittel tun dies vor dem Kauf.

  • Quelle

    UPS Pulse of the Online Shopper, UPS-Konsultationspapier, März 2015

Eines der Unternehmen, die sich darauf spezialisiert haben, ist der Karlsruher Big-Data-Spezialist Blue Yonder. Sein Gründer, der Physiker Michael Feindt, hat im Zuge seiner Arbeit am Europäischen Kernforschungszentrum CERN einen Algorithmus zur Auswertung großer Datenmengen entwickelt. Das Computerprogramm nutzt er heute, um Unternehmen wie den Versender Otto.de bei der Preisfestsetzung mit wissenschaftlicher Methodik unter die Arme zu greifen.

Das Urteil von Feindt über die Preispolitik vieler deutscher Einzelhändler fällt verheerend aus. „Heute wird noch viel mit dem Bauchgefühl gemacht, oder es gibt einen Preisführer wie Aldi und alle anderen versuchen, hinterher zu laufen. Doch Beides ist ziemlicher Blödsinn“, meint Feindt. Stattdessen setzt der Wissenschaftler darauf, mit Computerhilfe die im Handel vorhandenen Datenberge über die Preis- und Umsatzentwicklungen der Vergangenheit zu analysieren, um den idealen Preis für die Gegenwart zu finden. Und der kann durchaus morgens ein anderer sein als abends.

Online-Shopping Wo die Händler Nachholbedarf haben

Die Deutschen shoppen immer häufiger online. Doch jeder Zweite hat Schwierigkeiten beim Einkauf im Netz. Eine Studie zeigt, was Kunden besonders nervt und wo Händler nachbessern müssen.

Schuhe werden auf einer Seite im Internet zum Kauf angeboten. Quelle: dpa

Eine wichtige Rolle spielen dabei auch die Ziele des Unternehmens: Soll der Marktanteil gesteigert werden, steht ein höherer Ertrag im Vordergrund oder müssen volle Lager kassenschonend geleert werden.

Für den Kunden macht der High-Tech-Preiszauber den Einkauf nicht einfacher. Selbst wenn er weiß, was er wo kaufen will, wird die Entscheidung über den Zeitpunkt zum Glücksspiel. Zwar gibt etwa der Preisbeobachtungsdienst Spottster einige Tipps für Verbraucher: So seien Elektronikprodukte tendenziell Dienstag etwas günstiger als an anderen Tagen, Wein dagegen sei am Donnerstag billiger, verriet das Unternehmen kürzlich dem Hessischen Rundfunk.

Doch warnt Feindt davor, zu große Hoffnungen in solche Tipps zu setzen. „Ein echt cleverer Preisfestsetzungsalgorithmus ist nicht leicht voraussehbar“, betont der Experte. Sonst sei die Gefahr zu groß, das er ausgenutzt werde.

Völlig ausgeliefert ist der Kunde den Computer-Algorithmen dennoch nicht, ist Marketingexperte Fassnacht überzeugt: „Es ist das alte Spiel: Wenn sie günstigere Preise haben wollen, müssen sie sich als Kunde bei der Suche mehr Mühe geben und mehr Zeit investieren.

Welche Probleme beim Online-Kauf auftreten

  • 14 Prozent

    … beklagen, dass sie nie einen Artikel erhalten haben, obwohl der Händler sagt, die Ware wurde ausgeliefert. Auch die Zahl hat sich gegenüber dem Vorjahr nicht geändert.

  • 15 Prozent

    … haben den Artikel, den sie bestellt haben, nie erhalten. 2015 waren das noch 26 Prozent.

  • 17 Prozent

    … wurde ein falscher Artikel zugeschickt. Keine Veränderung gegenüber 2015.

  • 26 Prozent

    … haben einen beschädigten Artikel erhalten. Gegenüber 2015 ist das ein Zuwachs von zwei Prozentpunkten.

  • 42 Prozent

    … beschweren sich darüber, dass sie eine Information über eine verpasste Lieferung erhalten haben, obwohl sie daheim waren. 2015 waren es noch 45 Prozent.

  • 48 Prozent

    … monieren eine verspätete Lieferung – im Vorjahr waren es genau so viele.

Dann finden sie wahrscheinlich noch ein günstigeres Angebot.“

Aber auch wenn der Kunde den idealen Zeitpunkt zum Einkauf verpasst: Der Schaden dürfte sich nach Einschätzung von Preisfachmann Feindt in den meisten Fällen Grenzen halten. „Die Schwankungen sind in der Regel nicht idiotisch groß. Sie liegen vielleicht bei fünf Prozent, nicht bei 30 Prozent“, betont er.

Der Handelsexperte Kai Hudetz vom Kölner Institut für Handelsforschung (IFH) dämpft ebenfalls die Sorgen angesichts der verwirrenden, neuen Preisvielfalt. Letztlich sei der Spielraum der Händler durch die hohe Preistransparenz und die zumeist geringen Gewinnmargen im Online-Handel sehr begrenzt. „Bei zu extremen Preisbewegungen nach unten oder oben drohen rote Zahlen oder die Gefahr, auf der Ware sitzen zu bleiben“, meint er.

Die in Deutschland weit verbreitete Angst, dass Online-Händler Kundendaten nutzen könnten, die Preise ganz individuell nach der Zahlungsfähigkeit und -bereitschaft des einzelnen Kunden auszurichten, hält Hudetz erst recht für übertrieben. „In dem harten Wettbewerb im Online-Handel kann kein Anbieter so einfach höhere Preise diktieren, nur weil der Besteller etwa ein iPhone benutzt oder in einem besseren Viertel wohnt.“

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