Web 2.0: Soziale Online-Netzwerke voller Datenschutzlücken

Web 2.0: Soziale Online-Netzwerke voller Datenschutzlücken

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Soziale Online-Netzwerke boomen - aber sie sind nicht ohne Risiko

Soziale Netzwerke im Internet boomen. Immer mehr Deutsche erhoffen sich durch die virtuelle Vernetzung Vorteile in Job und Privatleben. Dabei geben sie Dinge von sich Preis, die schnell in falsche Hände geraten können. Jetzt liegt die erste Studie zur Sicherheit in sozialen Internetnetzen vor. Die Ergebnisse sind ernüchternd.

Axel H. mag den 1. FC Köln, spricht neben französisch auch spanisch und war mal Verlagskaufmann.

Vor allem möchte Axel H. aber vermutlich gar nicht, dass das jeder weiß.  Deswegen ist an dieser Stelle sein Nachname abgekürzt ist. Es könnte den Namen an dieser Stelle auch ohne Abkürzung geben.

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Denn Axel H. steht mit vollem Name auf der Mitgliederliste in einem sozialen Online-Netzwerk. Dort stellt er sich auf einer eigenen Profilseite vor und versucht, für seinen Job nützliche Kontakte zu pflegen. Nur, wem Axel H. vorher die Einsicht auf seine Seite erlaubt hat, soll eigentlich an seine privaten Daten kommen. So verspricht es ihm der Betreiber seiner Netzwerkseite.

Leider kommen auch andere Nutzer und Datenhändler an das Profil – sofern sie im Umgang mit Suchmaschinen einigermaßen gewitzt sind. Denn die Netzwerk-Seite von Axel H. hat, so wie nahezu alle anderen großen Online-Netzwerke, große Sicherheitslücken.

Zu diesem Ergebnis kommen jetzt Forscher des Fraunhofer Institut für Sichere Informationstechnologie. Die Wissenschaftler aus Darmstadt haben jetzt zum ersten Mal umfassend untersucht, wie sicher die Nutzerdaten in den einzelnen Netzwerken sind. „Von den getesteten Plattformen konnte keine vollständig überzeugen", sagt Autor Andreas Poller, der seine Studie am 13. Oktober vorstellen möchte.

Damit dürften viele Internetnutzer auf dem falschen Fuß erwischt werden. Denn immer mehr von ihnen entdecken die Vorteile der virtuellen Freundschaften für sich. Nutzten im vergangenen Jahr noch 19 Prozent der deutschen Internetnutzer ein Social Network, sind es in diesem Jahr nach Analysen der Agentur Universal McCann bereits 41 Prozent.

Sie erhoffen sich auf Business-Plattformen wie Xing oder Linked In bessere Beziehungen für die Karriere und auf privaten Plattformen wie Facebook, Studi VZ – das wie die WirtschaftsWoche zum Holtzbrinck-Verlag gehört – oder Lokalisten Kontakte fürs Privatleben. Dafür könnten sie aber einen hohen Preis bezahlen.

Denn die untersuchten  Social-Networking-Plattformen verlangen von ihren Nutzern bei der Registrierung viele private Daten, bieten aber nur wenig Möglichkeiten, diese persönlichen Informationen vor ungewollten Zugriffen zu schützen. Das ist das Kernergebnis der Studie.

„Von der Nutzung mancher Dienstfunktionen ist sogar abzuraten, weil die Zugriffskontrollen teilweise einfach nicht funktionieren oder ganz fehlen“, rät Poller.

Getestet wurden die Plattformen Facebook, Studi VZ, Myspace, Wer-Kennt-Wen, Lokalisten sowie die aufs Berufsleben fokussierten Portale Xing und Linked In. Unter den Plattformen für den privaten Gebrauch erzielte Facebook das beste Ergebnis, wenngleich selbst diese Plattform erhebliche Schwächen offenbarte. Die meisten Negativbewertungen erhielten die Lokalisten.

Von den zwei getesteten Geschäftsplattformen bietet Linked In bessere Möglichkeiten zum Schutz der Privatsphäre als Xing: Zum einen erlaubt Linked In eingeschränkt die Nutzung eines Pseudonyms, zum anderen lässt sich der Zugang leichter kündigen und die persönlichen Daten besser entfernen. „Linked In schnitt in Sachen Pseudonymisierung sogar am besten ab", sagt Poller, „obwohl diese Form der Kommunikation im geschäftlichen Alltag eher wenig genutzt wird. Das hat uns schon überrascht.“ Allerdings steigen in den vergangen Wochen die geschäftlichen Nutzerzahlen.

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