Werbesprech: Unter die Gürtellinie gezielt

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Werbesprech: Gesichtserkennung für Werbung? Jetzt reicht's!

Unter die Gürtellinie gezielt

Doch Real und die Post haben die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Die Datenschützer sind alarmiert und kündigen Klagen gegen die Inbetriebnahme dieser Scanner-Software an.

Der Hamburgische Beauftragte für den Datenschutz, Johannes Caspar, warnt: "Wenn das System erkennt, dass ein männlicher Kunde beim Anblick von Werbung für Herren-Unterwäsche stärkere Reaktionen zeigt als beim Anblick für Damen-Unterwäsche, dann könnte er als homosexuell identifiziert werden - das geht niemanden etwas an."

Der Verein Digitalcourage hat bereits Strafanzeigen gegen Real und Post angekündigt. Er bezieht sich dabei auf das Bundesdatenschutzgesetz und bemängelt, dass die Videoüberwachung zweckentfremdet werde und nicht mehr dem Ziel diene, der ursprünglich darin bestand, Diebe zu überführen.

Maßgeschneiderte Ablehnung

Es geht darum, Werbung maßzuschneidern. Die Werber sind sicher, dass wir dann schneller oder häufiger zugreifen, wenn wir Werbung sehen, die für uns besonders relevant ist. Die Gegner befürchten jedoch, dass Menschen über Gesichtserkennung eindeutig zugeordnet und wiedererkannt werden können. Zusammen mit anderen Daten, zum Beispiel welche Waren gekauft wurden oder wie teuer ihre Kleidung ist, könnten umfangreiche, persönliche Profile angelegt werden.

Das alles stößt bei den Verbrauchern auf schroffe Ablehnung. Nach einer YouGov-Umfrage finden fast drei Viertel der Befragten es schlecht, dass Gesichter von Kunden gefilmt werden, um diese dann zu analysieren und zielgruppengerechte Werbung an sie auszuspielen. Sogar 81 Prozent würden nicht in einem Laden einkaufen, wenn Sie wüssten, dass Ihr Gesicht dort gefilmt und analysiert wird. Die vermeintliche „Kundenzufriedenheit“, wie sie die Post erwartet, schlägt also in Wirklichkeit um in blankes Entsetzen.

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Werber im Glashaus

Die Menschen sind es gewohnt, im öffentlichen Raum überwacht zu werden, da es angeblich ihrer Sicherheit dient. Doch auch hier sind heiße Diskussionen an der Tagesordnung. Schnell ist die Rede vom "Überwachungsstaat Deutschland". Dass nun jedoch auch jede Marke und jede Agentur die Verbraucher ausspionieren kann, um ihre Werbung zielgenauer zu adressieren, das geht den meisten dann doch zu weit.

Die Werber sollten vorsichtig sein, den Bogen nicht zu überspannen. In einer Situation, in der die Werbung unbeliebt ist wie nie zuvor, droht die Überwachung unseres Verhaltens das Fass zum Überlaufen zu bringen.

Was kommt als nächstes? Sprach-Assistenten, die jedes Wort im Wohnzimmer aufzeichnen und auswerten? Überwachungskameras im Küchenschrank, die Maggi melden, wie hoch der Vorrat ist? Werbe-Drohnen, die uns durchs Fenster beim Kochen beobachten?

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Angesichts der enormen Kosten, die alleine Systeme wie die Gesichtserkennung verschlingen (jede Kamera kostet circa 1000 Euro, mitsamt Software und Auswertung wird die Investition schnell siebenstellig), würde man sich wünschen, die Unternehmen würden diese Beträge tatsächlich in die Zufriedenheit ihrer Kunden investieren. Und nicht in deren Überwachung.

Die Menschen wollen nicht gläsern werden. Erst recht nicht für Marken und deren Werbung, die sie eigentlich zu umgarnen und um ihre Sympathie zu kämpfen haben.

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Nun sind es die Werber selbst, die im Glashaus sitzen. Sie sollten nicht mit Steinen nach uns werfen.

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