Wikileaks: Schlammschlacht der Enthüller

Wikileaks: Schlammschlacht der Enthüller

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Wikileaks-Gründer Julian Assange

von Oliver Voß

Der Wikileaks-Insider Domscheit-Berg hat lang erwartete Interna enthüllt und einen Rechtsstreit mit Julian Assange angezettelt - Sympathisanten kritisieren die Schlammschlacht. Derweil erweisen sich die Dokumente der Bank of America als Flop.

Lange hatten Julian Assange und Daniel-Domscheit Berg nur ein gemeinsames Interesse: Wikileaks. Der Australier und der Deutsche waren die wichtigsten Köpfe hinter der Plattform und oft auch die einzigen, die sich um die wesentliche Arbeit kümmerten. Mit mehreren Pseudonymen gaukelten sie eine größere Mannschaft vor. „Hätte die gegnerische Seite gewusst, dass wir nur zwei extrem großmäulige junge Männer mit einer einzigen Uralt-Maschine waren, hätte sie eine Chance gehabt, den Aufstieg zu stoppen", schreibt Domscheit Berg in seinem jetzt erschienen Buch „Inside Wikileaks“.

Darin finden sich einerseits viele Einblicke in die Arbeitsweise der Plattform, andererseits das Bild seines Gründers Assange der eine ständige Gratwanderung zwischen Genialität und Größenwahn vollführt. Domscheit Berg beschreibt ihn als einerseits "freigeistig", "energisch", "genial", andererseits als "paranoid", "machtversessen" und "größenwahnsinnig".

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Vor allem Paranoia und Kontrollwahn führen schließlich zum Bruch der beiden Männer. Assange duldete laut der Darstellung des Deutschen keine starke Persönlichkeit neben sich. Nachdem sie sich über Wochen Domscheit-Bergs Wiesbadener Wohnung geteilt haben, kommunizieren sie schließlich nur noch über Chats miteinander.

Schon dabei kam es zu wüsten Beschimpfungen, jetzt kommunizieren die beiden gar nur noch über Anwälte miteinander. Wikileaks hat ihrem ehemaligen Sprecher  Domscheit-Berg Sabotage vorgeworfen und rechtliche Schritte angekündigt. Assange habe zudem einen Berliner Anwalt damit beauftragt, „gegen die von Domscheit-Berg über Herrn Assange verbreiteten Verleumdungen vorzugehen.“

Assange und Domscheit-Berg haben Kredit verspielt

Im Kern des Streits geht es um den Vorwurf, Domscheit-Berg habe Technik und Dokumente von Wikileaks gestohlen. Er hat zugegeben bisher unveröffentlichte Dokumente mitgenommen zu haben. Dies sei notwendig gewesen, um die Quellen zu schützen. "Wikileaks konnte ihre Sicherheit nicht mehr garantieren", sagte er im „Stern“.

Die Technik von Wikileaks war "stümperhaft zusammengebasteltes Zeug", erst als ein Programmierer, der intern „der Architekt“ genannt wurde ein neues System programmiert habe, wurde das System sicherer. Doch nachdem er wie Domscheit-Berg Wikileaks im Streit verließ, nahmen sie auch das System mit.

„Wikileaks ist arbeitsfähig“, ließ Assange dazu am Mittwoch seinen deutschen Anwalt erklären. Doch schon seit Monaten heißt es auf der Seite, im Moment nehme Wikileaks wegen technischen Änderungen keine Dokumente an. Das Portal könne seine ursprüngliche Aufgabe nicht mehr erfüllen, konstatiert auch die Sprecherin des Chaos Computer Clubs, Constanze Kurz. Jetzt gebe es die Frage, wer diese Lücke schließen könne.

Domscheit-Berg selbst will mit Openleaks eine Alternative bieten. Doch das derzeit in der Testphase befindliche Projekt ist eher als anonymer Briefkasten gedacht und will selbst keine Dokumente publizieren. Kurz kritisierte das Konzept, man könne sich nicht darauf zurückziehen, dass man nur eine technische Plattform bereitstelle.

Auch andere Symphatisanten kritisieren das Konzept, vor allem aber den internen Streit. „Aus meiner Sicht haben die beide ihren Kredit verspielt“, schreibt der IT-Sicherheitsexperte Felix von Leitner in seinem Blog. Während die gekränkten Egos sich wie im Kinder im Sandkasten bekriegen, gebe es nun gar keine funktionierende Leak-Site mehr.

Vor allem kritisiert Leitner, dass so zahlreiche Informationen weiter verborgen bleiben: „Das einzige, was nicht im Sinne der Quelle, nicht im Sinne der Öffentlichkeit und nicht im Sinne der Ideale ist, die Wikileaks und Openleaks für sich reklamieren, ist was jetzt mit den Daten passiert, nämlich dass sie irgendwo unveröffentlicht rumliegen.“

Dokumente der Bank of Amerika "völlig unspektakulär"

Für Julian Assange sind die technischen Probleme von Wikileaks dagegen ein Glücksfall, kann er doch immer wieder mit Enthüllungen drohen. Doch wie brisant die noch unpublizierten Dokumente sind, wird immer fraglicher.

So hatte Assange großspurig für Anfang diesen Jahres eine Publikation angekündigt, die eine große US-Bank zu Fall bringen könnte. Dabei soll es sich um die Bank of America handeln. Doch die Bankdaten seien älter und nach seiner Einschätzung "auch völlig unspektakulär", sagt Domscheit-Berg.       

Auch Assange habe im privaten Kreis geäußert, dass er nicht genau wisse, ob die internen Informationen über die Bank of America (BofA) einen großen Skandal enthielten, sagten drei mit den Gesprächen vertraute Personen am Mittwoch.

Assange habe gesagt, ihm lägen E-Mails vom Festplattenlaufwerk eines Computers eines leitenden Angestellten der US-Großbank vor, wobei die jüngsten Mitteilungen von 2006 datierten. Der WikiLeaks-Gründer habe eingeräumt, dass das ihm vorliegende Datenmaterial nicht selbsterklärend sei, verlautete weiter aus den Kreisen. Er selbst sei unfähig, darin einen größeren Sinn zu erkennen.

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