Windows bald kostenlos?: Wie Nadella Microsoft umkrempelt

ThemaMicrosoft

Windows bald kostenlos?: Wie Nadella Microsoft umkrempelt

Bild vergrößern

Nach langen Jahren der Defensive ändert Microsoft-Chef Satya Nadella die bisherige Strategie.

Seit gut neun Monaten lenkt Satya Nadella die Geschicke von Microsoft. Nach langen Jahren der Defensive ändert der Manager die bisherige Strategie – aber statt eine ideologische Offensive zu starten, setzt er auf Kooperation.

Am Dienstag dieser Woche hatte Satya Nadella seinen ersten Auftritt in Deutschland. Schon seine Person vermittelt den Wandel, den Microsoft unter seiner Führung durchmacht. Trat sein Vorgänger Steve Balmer noch laut als Bulle in die Öffentlichkeit, der auf der Bühne schnaubend hin- und herläuft und die Software aus seinem Unternehmen quasi als allein glücklich machende anpreist, kommt Nadella ruhiger daher, weniger auf Konfrontation aufgelegt. Von Ballmer wird kolportiert, er habe seinen Kindern iPods von Apple und seinen Mitarbeitern iPhones verboten und stattdessen den erfolglosen MP3-Player Zune von Microsoft und Windows Mobile Phones empfohlen.

Anzeige

Der neue Unternehmenschef schließt dagegen auch andere Systeme in seine Strategie ein – ohne dabei seinem Vorgänger an Ehrgeiz nachzustehen: „Wir erfinden Produktivität neu und stellen Lösungen für alle Anwender zur Verfügung – egal welches Gerät sie nutzen und auf welcher Plattform sie unterwegs sind“, sagte er zur Eröffnung einer Entwicklerkonferenz in Berlin.

Wie Windows wurde, was es ist

  • Windows 1.0

    Der Urahn des inzwischen meistgenutzten PC-Betriebssystems kam im November 1985 auf den Markt. Damals war Microsoft noch ein Außenseiter, während der Platzhirsch IBM und der Aufsteiger Apple den Kampf um den PC-Markt auszufechten schienen. Anfangs arbeitete sich Windows nur mühsam ins Geschäft – denn Microsoft verzichtete zunächst angesichts eines jahrelangen Patentstreits mit Apple auf grafische Bedienungselemente.

  • Windows 3.1

    Mit dieser Version lernte Windows 1992, Videos abzuspielen, bekam die ersten integrierten Spiele und neue Schriften. Die Grundansicht mit den überlappenden Fenstern und einem Desktop für Programm-Symbole blieb – mit einigen Design-Änderungen – lange erhalten.

  • Windows NT

    Parallel zu den Consumer-Versionen von Windows entwickelte Microsoft nach dem Scheitern des OS/2-Projektes mit IBM eine Windows-Version mit einem neuen Programm-Kern („Windows New Technology“). NT wurde mit Windows 2000 fortgeführt und ging später in Windows XP auf.

  • Windows 95

    Die radikale Erneuerung von 1995 brachte in Grundzügen das Windows, das heute praktisch jeder kennt. Unter anderem wurde der „Start“-Knopf mit dem Balken am unteren Bildschirmrand eingeführt. Nachdem nachträglich der Web-Browser Internet Explorer zum Windows-Grundpaket hinzugefügt wurde, setzte sich Microsoft zum Ärger der Wettbewerbshüter in diesem Bereich gegen den Pionier Netscape durch. Auf die Version folgten die kleineren Aktualisierungen Windows 98 und ME.

  • Windows XP

    2001 brachte Microsoft die bisher langlebigste Version seines Betriebssystems auf den Markt. Mit Windows XP wurden viele visuelle Effekte hinzugefügt, ebenso wie wichtige Funktionen wie etwa schneller Benutzerwechsel, eine integrierte Firewall für mehr Sicherheit und verbesserter Medienwiedergabe.

  • Windows 7

    Das Betriebssystem Windows Vista sollte XP verdrängen, wurde von den Nutzern aber weitgehend ignoriert. Die 2007 veröffentlichte Version bot zwar neue Bildschirmansichten, aber eine für viele Nutzer verwirrende Rechteverwaltung für Benutzerkonten. Erst mit der Vorstellung von Windows 7 im Oktober 2009 konnte Microsoft die Anwender wieder überzeugen.

  • Windows 8

    Mit Windows 8 rüstet sich Microsoft für den Wandel der Computer-Welt: Die neue Kacheloberfläche ist für Touchscreens ausgelegt und eignet sich damit auch für Tablet-Computer – äußerlich ähnelt das System damit dem Smartphone-Betriebssystem Windows Phone. Microsoft stellte Windows 8 im Oktober 2012 vor. Gerade an der neuen Bedienung wurde jedoch schnell viel Kritik laut.

  • Windows 8.1

    Ein Update für Windows 8 kam im Oktober 2013 auf den Markt. Das kostenlose Windows 8.1 soll die größten Kritikpunkte an dem Vorgänger ausräumen. So können Nutzer direkt auf den Desktop starten und so die Kacheloberfläche umgehen. Zudem kehrt der Startknopf zurück, wenn auch nicht das klassische Startmenü.

  • Windows 10

    Mit Windows 10 bietet Microsoft eine einheitliche technische Plattform für PCs, Tablets und Smartphones an. Das von Nutzern ersehnte Start-Menü kehrt auf den Desktop zurück. Am 29. Juli 2015 stellte der Softwaregigant das jüngste Betriebssystem vor. Ein Jahr lang war das Upgrade auf Windows 10 für Computer mit Windows 7 und 8.1 kostenlos. Was das neue System bringt und für welche Nutzer es sinnvoll ist, lesen Sie hier.

Microsoft verlässt alte Pfade

Nadellas Offenheit, andere Geräte und Plattformen als die von Microsoft bislang unterstützten in seine Strategie aufzunehmen, hat schon jetzt zu erstaunlichen Kooperationen geführt. So hat Microsoft erst vor wenigen Wochen verkündet, mit Salesforce enger zusammenzuarbeiten – dabei gilt der Marktführer in Kundenmanagementsystemen aus der Cloud in diesem Bereich als der Hauptgegner der Redmonder, die schon seit einigen Jahren mit der Online-Version Dynamics CRM dagegenhalten. Gerade erst gab Microsoft bekannt, Dropbox als beliebten Online-Speicher stärker in sein Office-Paket einzubinden und Kunden so den Datenaustausch zu erleichtern – obwohl Microsoft mit OneDrive selbst ein sehr ähnliches System anbietet. Und nicht zuletzt die Ausweitung von Microsoft Office auf die Plattformen von Apple und Google, auf iOS und Android, als kostenloses Angebot zeigt die neuen Wege, die der neue CEO geht.

Das ist Satya Nadella

  • Geboren in Hyderabad

    Satya Nadella wurde 1967 in der indischen Großstadt Hyderabad als Sohn eines hochrangigen Beamten geboren. Nach der Schulausbildung studierte er zunächst Elektroingenieurwesen in Indien, dann Computer Science und Management in den USA.

  • Anfänge bei Sun Microsystems

    Bevor Nadella 1992 zu Microsoft wechselte, arbeitete er als Elektroingenieur beim Silicon-Valley-Urgestein Sun Microsystems. Das Unternehmen wurde später von Oracle übernommen.

  • Entwickler von Bing und Office

    Nadella war bei Microsoft maßgeblich an der Entwicklung der Suchmaschine Bing sowie des Bürosoftwarepakets Office beteiligt. Bevor er zum CEO aufstieg, leitete er beim Softwarekonzern das wichtige Cloud- und Unternehmensgeschäft.

  • Mann der leisen Töne

    Nadella ist verheiratet und hat drei Kinder. Mit seiner Familie lebt er in Bellevue im US-Bundesstaat Washington. Medien beschreiben ihn als einen Mann der leisen und überlegten Töne.

Auch bei der nächsten Windows-Version verlässt Microsoft alte Pfade: Nie zuvor hat das Unternehmen eine Vorversion in einem so frühen Stadium veröffentlicht. Die Anwender sollen so früh wie möglich in die Entwicklung einbezogen werden, damit die Weichenstellung für Windows 10 nicht wie beim Vorgänger Windows 8 in die falsche Richtung läuft. Dessen Marktanteil sank laut NetMarketShare von September 2013 bis September 2014 um 1,1 Prozentpunkte auf 12,3 Prozent, während der der Vorgängerversion Windows 7 im selben Zeitraum um 6,1 Prozentpunkte auf 52,7 Prozent stieg.

Touch-Bedienung hat sich bei Unternehmen nicht durchgesetzt

Vor allem Geschäftskunden tragen wohl zu dieser Entwicklung bei. Während der Verbraucher mit einem neuen PC in der Regel Windows 8 kauft, können Unternehmen meist auch ältere Betriebssysteme von Microsoft auf neuen Computern nutzen. Bei ihnen hat sich die Idee, das komplexe Windows-System über eine einfache Touch-Oberfläche bedienen zu können, nicht durchgesetzt.

Eine derartige Fehlentwicklung kann und will Nadella sich nicht leisten. Windows ist nach wie vor die wichtigste Basis für den Erfolg seines Softwarekonzerns. Es läuft auf rund 1,5 Milliarden Computern weltweit. Diese Basis soll verbreitert werden –Windows soll zukünftig in ein und derselben Version auf allen möglichen Geräten laufen, von PC und Notebook über Tablet und Smartphone bis hin zu allen möglichen Geräten, Schaltern und Sensoren mit Internetverbindung, dem sogenannten Internet der Dinge (IoT, Internet of Things).

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%