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Windows Phone 7: Microsoft nimmt den Kampf um seine mobile Zukunft auf

von Axel Postinett Quelle: Handelsblatt Online

Besser spät als nie: Ab dem 21. Oktober will Microsoft mit seiner Mobilplattform Windows 7 Phone die Konkurrenz von Apple, Google, Nokia und Blackberry auf dem Smartphone-Markt angreifen. Der Ausgang der Mobilschlacht ist ungewiss - und der Erfolgsdruck für Microsoft groß. Ein Scheitern hätte Experten zufolge fatale Folgen.

Im Kampf um die mobile Plattform der Zukunft ist nun auch Microsoft dabei. Experten vermuten, dass der Chefposten von Steve Ballmer in Gefahr geraten könnte, wenn Microsoft mit Windows Phone 7 scheitert. Quelle: dpa
Im Kampf um die mobile Plattform der Zukunft ist nun auch Microsoft dabei. Experten vermuten, dass der Chefposten von Steve Ballmer in Gefahr geraten könnte, wenn Microsoft mit Windows Phone 7 scheitert. Quelle: dpa

HAMBURG. Von wegen Fest der Liebe. Weihnachten wird ein erbarmungsloses Hauen und Stechen werden. Jedenfalls auf dem Smartphone-Markt. Wenn die Verkäufer am 21. Oktober in 17 europäischen Staaten die neuen Windows-Smartphones in die Regale räumen werden, ist die Schlachtordnung komplett. Apple, Google, RIM (Blackberry) und Nokia mit seinem Hoffnungsträger N8 sind schon da und Microsoft-CEO und Chef-Bullterrier Steve Ballmer wird mit einem geschätzten weltweiten Marketingaufwand von 500 Mio. Dollar für seine Phone-7 genannten Smartphones nachstoßen.

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Der Ausgang des Kampfes ist ungewiss. Gewiss ist nur, dass Microsoft auf der Gewinnerseite sein muss. Analysten sind gespalten: Der Marktforscher IDC rechnet mit maximal 30 Mio. verkauften Geräten weltweit bis Ende 2011, Gartner sagt Microsoft eine kurze Blüte voraus und dann bis 2014 einen weiteren kontinuierlichen Abwärtstrend. Gartner-Analystin Carolina Milanesi sagte gegenüber dem Handelsblatt: "Unzweifelhaft ist Phone 7 eine massive Verbesserung. Aber ist es genug, um in fünf Jahren noch eine wichtige Rolle zu spielen? Da bin ich mir nicht sicher." Gartner sieht Microsoft 2014 bei einem Marktanteil von unter vier Prozent, nach fünf Prozent in diesem Jahr. Zum Vergleich: Googles Android liegt bei 17 Prozent - nach zwei im Vorjahr.

In Deutschland werden die Microsoft-Geräte bei allen großen Mobilfunkbetreibern verfügbar sein. Vodafone mit Modellen von HTC und LG, die Deutsche Telekom ebenfalls mit HTC und Samsung, auch O2 und E-Plus sind am Start. Die Preise ohne Mobilfunkverträge liegen zwischen 460 und 600 Euro.

Ein Scheitern hätte fatale Folgen, es könnte nach Meinung von Beobachtern sogar das Ende für CEO Steve Ballmer bedeuten. Es geht um mehr als nur ein neues Smartphone. Windows Phone 7 ist Microsofts Eintrittskarte in die Zukunft. Mit zunehmender Bedeutung mobiler Endgeräte verliert die Windows-dominierte PC-Welt an Einfluss. Nicht von heute auf morgen, aber der Trend ist klar. Telekom-Vorstand Niek Jan van Damme erwartet, dass alleine in Deutschland dieses Jahr 8,2 Mio. Smartphones abgesetzt werden, ein Plus von 47 Prozent. Gartner erwartet gut 270 Mio. Geräte weltweit, das wären nur noch knapp 100 Mio. weniger als PCs und Laptops zusammen.

Ballmer ist schon zum zweiten Mal in die Defensive geraten. Zuerst hat ihn Apple mit dem iPhone ausgestochen, dann auch noch Google mit seinem Android-Betriebssystem, zum Schluss setzte Apple-Gründer Steve Jobs mit seinem iPad auch noch im Tablet-PC-Markt die Referenzmarke. Ein harter Schlag für Ballmer, er muss den Aktionären Erfolge vorweisen. Die Aktie notiert auf dem Stand von vor acht Jahren und hat im laufenden Jahr fast 20 Prozent verloren. "Auf diesen Augenblick habe ich lange gewartet", sagte er bei der Präsentation in New York. "Sehr lange". Vor anderthalb Jahren hat er die komplette Sparte ausgewechselt und noch mal von vorne angefangen.

Dabei beschreitet Microsoft neue Wege. Alle Hersteller müssen sich an feste Hardwarevorgaben halten, die Benutzeroberfläche darf, auch den Mobilfunkern, nur noch minimal mit eigenen Anwendungen angereichert werden. Damit kopiert Microsoft den Apple-Ansatz einer geschlossenen Softwareplattform fast vollständig, setzt jedoch auf verschiedene Gerätehersteller. So soll die Marktdurchdringung deutlich schneller von statten gehen, mehr Geräte, mehr Telekomfirmen als Partner. Besonderen Wert legt Ballmer auf die Integration der Gaming- und Onlinedienste. Über 25 Mio. Online-Spieler sind auf Xbox Live aktiv ein enormes Kundenpotenzial.

Der Absturz der alten Windows Mobile-Smartphones war atemberaubend. Mit kleinen Plastikstiften zu bedienen und verschachtelten Menüs wie auf dem PC, oft langsam und mit zu schwacher Hardware ausgestattet, waren sie eher geduldet als geliebt. In Scharen liefen die Käufer dann davon, als Apple zeigte, wie es auch anders geht. Zum Schluss haben Unternehmen wie etwa Online-Telefondiest Skype entnervt die Entwicklung von Apps für Windows Mobile ganz eingestellt.

Der Marktanteil sank so rapide, dass man es sich leisten konnte, das sterbende System nicht mehr zu bedienen. Der Branchendienst IGR befragt einmal jährlich amerikanische Profi-Entwickler überwiegend aus dem Business-Bereich, für welche Plattform sie in den kommenden zwölf Monaten entwickeln werden. 2009 stand Windows Mobile noch an erster Stelle. Aber 2010 stand dort Apple und Microsoft war bis auf den vierten Platz hinter RIM (Blackberry) und Android durchgereicht. Das darf auf keinen Fall noch einmal passieren, das ist Steve Ballmer klar. Darum auch die rigiden Vorgaben an die Hersteller, die unveränderbare Standards einhalten müssen, bis zu Anzahl und Platzierung der Knöpfe unter dem Startbildschirm.

Doch das alleine wird nicht reichen: IGR-Analyst Matthew Vartabedian: "Es wird alles davon abhängen, ob Microsoft eine attraktive Softwareplattform für Entwickler schaffen kann."

Die Hardwarehersteller geben Microsoft jedenfalls dieses Weihnachten eine Chance. HTC, derzeit schnellstwachsender Smartphone-Hersteller, der 2010 erstmals bis in die Top-Ten der Branche vorgestoßen ist und dort direkt hinter Apple steht, wird mit gleich fünf Geräten an den Start gehen. Andere, wie Dell, Toshiba, Samsung und LG werden folgen. Hartnäckig halten sich Gerüchte, auch Nokia wird Windows-Smartphones auf den Markt bringen, immerhin steht mit Steven Elop jetzt ein Manager aus Redmond an der Spitze des Weltmarktführers. Und der Chefentwickler des Nokia-eigenen Betriebssystems Meego hat gerade gekündigt.

Wenig erstaunlich ist der massive Einstieg des Apple-Partners Deutsche Telekom. Noch dieses Jahr werden die Bonner den deutschen Exklusivstatus für das iPhone verlieren und da ist der Weg frei für Microsoft und seinen Mobilfunkmanager Achim Berg, der noch beste Kontakte zu seinem ehemaligen Arbeitgeber pflegt. Telekom-Vorstand van Damme: "Wir haben sehr große Erwartungen an das Produkt, was den Absatz angeht." Konkreter wollte er nicht werden. Und eine Hintertür hat er auch: "Wir werden auch unser Portfolio an Android-Geräten auf elf aufstocken." Sicher ist sicher.

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