Wirtschaftskriminalität: Der sorglose Umgang mit der Sicherheit

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GastbeitragWirtschaftskriminalität: Der sorglose Umgang mit der Sicherheit

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Viele Unternehmer unterschätzen die Gefahr, zum Opfer von Kriminellen zu werden. Doch die machen gezielt Jagd auf Schwachstellen im Sicherheitsnetz - und finden sie häufig bei den Mitarbeitern.

Der Lagebild des Bundeskriminalamts (BKA) zur Wirtschaftskriminalität zeigt ein klares Bild: Bei deutlich gesunkenen Fallzahlen ist die Gesamtschadensumme von 3,8 Milliarden in 2013 auf 4,6 Milliarden Euro in 2014 angestiegen.

Das ist nicht alles. Das BKA selbst weist darauf hin, dass die polizeilichen Daten das tatsächliche Ausmaß der Wirtschaftskriminalität nur eingeschränkt wiedergeben. Die Dunkelziffer ist nach wie vor hoch, da viele Taten nicht zur Anzeige gebracht werden. Ferner fehlen Straftaten in der polizeilichen Statistik, die direkt von Staatsanwaltschaften und Finanzbehörden ohne polizeiliche Beteiligung verfolgt werden. Oft werden Straftaten von den Unternehmen gar nicht entdeckt. Dies gilt insbesondere für den Diebstahl von Betriebsgeheimnissen, wie zum Beispiel neu entwickelten Verfahren oder Produkten.Schließlich sind die indirekten Kosten einer Wirtschaftsstraftat, wie Ermittlungs- und Rechtsberatungskosten, Bußgeldern und Gewinnabschöpfungen nicht in den Schadenssummen enthalten. Reputationsschäden bleiben ebenfalls unberücksichtigt.

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Zur Person

  • Robert Kilian

    Robert Kilian ist Sachverständiger für Risikomanagement (BDSF) und Vorstandsvorsitzender des Spezialverband s ACFE (German Chapter of the Association of Certified Fraud Examiners e.V), der für die Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität in Deutschland eintritt.

Schätzungen, die von zehn- bis zwanzigfach höheren Schadenssummen ausgehen als in der polizeilichen Statistik ausgewiesen, sind daher durchaus plausibel. Eine Tendenz lässt sich aus dem Lagebild des BKA jedoch klar ablesen: Während die Fallzahlen sinken nimmt die Qualität der ausgeübten Straftaten erheblich zu.

Die rasante technologische Entwicklung ist sicher eine Erklärung dieser Entwicklung. Zum einen eröffnen neue technologische Verfahren - insbesondere Internet-basierte Technologien - auch neue Angriffsfelder. Zum anderen bietet die immer preiswertere Massenverfügbarkeit von High-Tech-Produkten bisher nicht gekannte Möglichkeiten für Wirtschaftsstraftäter.

Aber auch die Qualität und Organisation wirtschaftskrimineller Straftäter hat sich verändert. Waren in der Vergangenheit die Wirtschaftsstraftaten auf die einfache und schnelle Überwindung meist unzureichender Sicherheitsmaßnahmen gerichtet oder einer „günstigen“ Gelegenheit geschuldet, „investieren“ heutige Angreifer Zeit und Mittel in Analyse der Angriffsziele, sowie in Planung und Erfolgsstrategie der Tat.

Mittelstand im Visier

Das eingesetzte Know-How, die Strategie und die Organisationsstruktur dieser Angreifer gleichen eher einem modernen Wirtschaftsunternehmen denn einer kriminellen Räuberbande. Dank enormer finanzieller Mittel, die in manchen Ländern sogar aus direkter oder indirekter staatlicher Unterstützung stammen, sind solche wirtschaftskriminellen Organisationen oft besser ausgestattet, als die von ihnen angegriffenen Unternehmen.

Forum IT-Sicherheit

  • Sicherheitschefs diskutieren über Cyberrisiken

    Der Hackerangriff auf den Deutschen Bundestag hat auch dem letzten Vorstand die Augen geöffnet. Kein Unternehmen ist gefeit vor Cyberangriffen. Jede noch so kleine Sicherheitslücke in den IT-Systemen kann zum Einfallstor für Spionage- oder Sabotageattacken werden und Schäden in Millionenhöhe verursachen. Die Verunsicherung in den Unternehmen ist jedenfalls groß. Sind die Sicherheitsvorkehrungen wirklich auf dem allerneusten Stand, um die Kronjuwelen des Unternehmens zu schützen? Kennen die Mitarbeiter alle Indizien, die auf einen Angriff hindeuten? Wie lange brauchen die Alarmsysteme, um einen Angriff zu erkennen? Es gibt viele Fragen, aber nur wenige Experten, die fundierte Antworten liefern können. Zusammen mit Bernd-Oliver Bühler, geschäftsführender Gesellschafter der Janus Consulting und Spezialist für IT-Sicherheit, hat die WirtschaftsWoche die Sicherheitsverantwortlichen in deutschen Unternehmen gebeten, aus ihrer Sicht die größten Probleme und mögliche Lösungen vorzustellen.

    Alle Beiträge finden Sie auf www.wiwo.de/it-forum

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob die Abwehrmaßnahmen der Wirtschaftsunternehmen noch zeitgemäß sind und die eingesetzten Mittel und Methoden dieser neuen Bedrohung gerecht werden. Die gleiche Frage stellt sich auch für die staatlichen Organe hinsichtlich eines zeitgemäßen und ausreichenden Wirtschaftsschutzes.

Nicht nur Methodik und Struktur der Wirtschaftsstraftäter hat sich geändert. Verstärkt rücken mittelständische Unternehmen in den Fokus wirtschaftskrimineller Angriffe. Während Großunternehmen und global agierende Konzerne in den letzten Jahren stark in ihre Sicherheitsarchitekturen investiert haben, ist die Investitionsbereitschaft in dieser Hinsicht bei mittelständischen Unternehmen eher zurückhaltend. Dabei hat sich die hohe Qualität und die starke Innovations- und Leistungskraft  deutscher mittelständischer Unternehmen auch bei Wirtschaftskriminellen herum gesprochen. Insbesondere Technologie Unternehmen, die häufig zu den Weltmarktführern ihrer Branche zählen, sind lohnende Ziele für Wirtschaftsspionage.

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