Wirtschaftsspionage: Geringes Bewusstsein für Datenklau in deutschen Unternehmen

Wirtschaftsspionage: Geringes Bewusstsein für Datenklau in deutschen Unternehmen

von Michael Kroker

Die Mehrzahl der Unternehmen wähnt ihre IT-Systeme gut geschützt gegen den Abgriff von sensiblen Informationen. Dabei sind die Schutzvorkehrungen oft nur unzureichend, wie eine Studie zeigt.

Im Zeitalter von Prism, Tempora, XKeyscore & Co. zeigen die IT-Verantwortlichen von deutschen Unternehmen gewisse Charakterzüge von gespaltenen Persönlichkeiten: So halten es 86 Prozent aller Manager für unwahrscheinlich, dass das eigene Opfer zum Ziel von digitalen Abhöraktionen, Wirtschaftsspionage oder Datenklau werden könnte. Trotzdem fürchten gleichzeitig aber neun von zehn Befragten, dass das Risiko für Cyber-Attacken künftig zunimmt – und zwar insbesondere aus China und den USA.

Diese Diskrepanz hat eine jüngst veröffentlichte Umfrage von Ernst & Young zutage gefördert. Dazu hat die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft im Juli die Geschäftsführer und IT-Führungskräfte von 400 deutschen Unternehmen befragen lassen.

Anzeige

Die Umfrage deckt weitere interessante Widersprüche zwischen Anspruch und Realität auf. So bezeichnen acht von zehn Unternehmen die eigenen Sicherheitsvorkehrungen als ausreichend, um unerwünschten Informationsabfluss zu verhindern.

Bei Lichte betrachtet handelt es sich bei den Maßnahmen meist aber nur um Standardvorkehrungen wie etwa Firewalls (85 Prozent) oder Komplexitätsanforderungen für Passwörter (84 Prozent). Beides stellt für geübte Hacker freilich kein ernsthaftes Hindernis dar.

Aber damit nicht genug: Wirklich umfassende IT-Sicherheitssysteme hat die Mehrzahl der deutschen Unternehmen gar nicht installiert: Sogenannte Intrusion-Detection-  oder -Prevention-Systeme, die Hinweise auf die Aktivitäten von Eindringlingen ins Firmennetzwerk geben können, leisten sich gerade mal 13 respektive 12 Prozent aller Unternehmen. Und eine eigene Sicherheitsabteilung gibt es nur bei 14 Prozent der Unternehmen; bei knapp drei Viertel aller Befragten kümmert sich die IT-Abteilung um die Datensicherheit (72 Prozent).

Weitere Artikel

Der Hauptgrund dafür, dass sich die Unternehmen dennoch relativ sicher wähnen, liegt in der fehlenden Erfahrung mit Hackerangriffen. Konkrete Datenklau- oder Spionagefälle haben die Unternehmen demnach sehr selten: So räumen lediglich sieben Prozent der Manager in der Befragung ein, dass sie schon einmal Opfer von Cyber-Angriffen geworden seien.

„Wenn es um ihre eigene Sicherheit geht, sind die Unternehmen leider oft blauäugig und wiegen sich in falscher Sicherheit“, lässt sich der für die Studie verantwortliche Bodo Meseke, Leiter Forensic Technology & Discovery Services bei Ernst & Young, zitieren. „Die Dunkelziffer ist außerordentlich hoch, und das Bewusstsein für diese Art der Wirtschaftsspionage ist bislang kaum geschärft. Wir beobachten häufig Datenklau oder Produktplagiate – bei Weitem nicht nur bei Großkonzernen. Aber die wenigsten Unternehmen decken Spionageakte überhaupt systematisch auf.“

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%