Wirtschaftswelten 2025: Genies vom Fließband

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Wirtschaftswelten 2025: Genies vom Fließband

von Andreas Menn

Mensch und Computer wachsen zusammen, intelligente Maschinen übernehmen Arbeit und Alltag. Aber was bleibt von uns, wenn Maschinen klüger sind als wir? Der Auftakt zur neuen Serie „Wirtschaftswelten 2025“.

An das Idol ihrer Jugend in den Achtzigerjahren kann sich Cynthia Breazeal noch lebhaft erinnern. Nicht etwa John Travolta begeisterte sie – sondern R2D2, der Roboter aus Star Wars. „Er sorgte sich um die Menschen“, sagt sie, wenn sie über ihre Faszination für schlaue Maschinen spricht, „er entwickelte enge persönliche Beziehungen.“

Heute, mit 47 Jahren, hat sich Breazeal einen Namen als Roboter-Expertin gemacht. Die Professorin am Massachusetts Institute of Technology (MIT) sieht die Zeit gekommen: R2D2, der mitfühlende Kino-Droide, soll Wirklichkeit werden.

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Ihre Schöpfung sieht zwar noch aus wie ein Schreibtischcomputer des Designers Luigi Colani: Ein kreisrunder Bildschirm auf einem zylindrischen Fuß. Doch Jibo, wie die Forscherin ihre schlaue Schöpfung nennt, kann weit mehr als übliche Rechner.

Er erkennt Menschen am Gesicht und dreht sich zu ihnen hin. Er hört zu und antwortet. Er erledigt Jobs, die sein Besitzer ihm zuruft: Pizza beim Italiener bestellen etwa oder Termine im Kalender notieren.

Die Entwicklungsstufen Künstlicher Intelligenz

  • 1950 - Alan Turing

    Der britische Informatiker entwickelt den nach ihm benannten Test. Er soll ermitteln, ob eine Maschine denken kann wie ein Mensch. Ein russischer Chat-Roboter soll ihn 2014 erstmals bestanden haben.

  • 1956 - Dartmouth-Konferenz

    Experten einigen sich auf den Begriff "Künstliche Intelligenz". Der Rechner IBM 702 dient ersten Forschungen.

  • 1974 - Erster KI-Winter

    Katerstimmung bei den Forschern: Die Fortschritte bleiben hinter den Erwartungen zurück. Computer sind zu langsam, ihre Speicher zu klein, um die Daten von Bildern oder Tönen zu verarbeiten. Budgets werden gestrichen, erst ab 1980 geht es wieder voran.

  • 1997 - Deep Blue

    Der Supercomputer von IBM siegt im Schachduell gegen Weltmeister Garry Kasparov. Die Maschine bewertete 200 Millionen Positionen pro Sekunde. 2011 siegt IBMs Software Watson in der Quizsendung "Jeopardy".

  • 2005 - Ray Kurzweil

    Der KI-Forscher sagt in einem Buch für das Jahr 2045 den Moment der "Singularität" voraus: Die Rechenleistung aller Computer erreicht die aller menschlichen Gehirne. Seit 2012 arbeitet Kurzweil für Google an KI-Systemen.

  • 2014 - KI-Boom

    Ein Google-Programm beschreibt präzise in ganzen Sätzen, was auf Fotos zu sehen ist. Nahrungsmittelkonzern Nestlé kündigt an, 1000 sprechende Roboter namens Pepper in seinen Kaffeeläden in Japan als Verkäufer einzusetzen. Physiker Stephen Hawking warnt: KI könne eines Tages superschlau werden – und die Menschheit vernichten.

  • 2045 - Roboter-Revolution

    Computer sind schlau wie Menschen – und machen sogar Witze. Fabriken, Verkehr und Landwirtschaft sind nahezu komplett automatisiert.

Für die rund 5000 Kunden, die Jibo zum Preis von 500 Dollar vorbestellt haben, mag er vor allem ein Spielzeug sein. Für Forscher wie Breazeal, die sich mit künstlicher Intelligenz (KI) beschäftigen, aber ist er viel mehr: Er ist Wegbereiter einer nicht mehr fernen Ära, in der Jibo sein Abitur besteht, Medizin studiert und seine Mitmenschen mit neunmalklugen Sprüchen nervt. In der uns keine Lehrer mehr unterrichten, sondern virtuelle Tutoren, die so schlau sind wie die besten Experten ihres Gebiets – sozusagen Genies vom Fließband. In der uns Roboter so gut kennen wie sonst nur unsere Partner.

„Es wird nichts Größeres geben in diesem Jahrhundert als den Aufstieg künstlicher Intelligenz“, sagt auch Jürgen Schmidhuber, wissenschaftlicher Direktor des Schweizer Forschungsinstituts für KI, IDSIA.

Das Ende einer Epoche

Seine Töchter sind um das Jahr 2000 geboren, laut Statistik werden sie 100 Jahre alt. „Sie verbringen vielleicht den größten Teil des Lebens in einer Welt“, sagt Schmidhuber, „in der die Klügsten keine Menschen mehr sind.“ Sondern Maschinen.

Es wäre das Ende einer Millionen Jahre währenden Epoche, in der Homo sapiens und seine Vorfahren die größten Schlauberger auf diesem Planeten waren.

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Die Stadt der Zukunft in futuristischen Neubauten Quelle: pr-vca

Für Fortschritts-Enthusiasten wie den Zukunftsforscher Ray Kurzweil oder den Publizisten Kevin Kelly kann diese Zeitenwende gar nicht bald genug kommen. Schlaue Maschinen, glauben sie, schaffen ein ungeheures Plus an Produktivität, eine Welle neuen Wohlstands.

Schon in 15 Jahren, hofft Kurzweil, werden fast nur noch Roboter in unseren Fabriken schuften, unsere Felder beackern, unsere Autos chauffieren. Dann werden Roboter Roboter bauen, Software wird Software programmieren, Maschinen werden Maschinen überwachen. Niemand müsste mehr arbeiten.

Mehr noch: Noch vor 2050, glaubt Kurzweil, könnten künstliche Superwissenschaftler unsere Gene umprogrammieren und so die großen Plagen der Menschheit besiegen: Krebs, Alzheimer, ja gar den Tod.

Andere fürchten sich vor einer Zukunft voller künstlicher Gehirne. Der Physiker Stephen Hawking, mit einem IQ von 160 einer der intelligentesten Menschen der Welt, warnte jüngst vor einem Zeitalter, in dem superclevere Maschinen die Macht über die Menschheit übernehmen.

Skeptisch ist auch Elon Musk, Gründer der Elektroautoschmiede Tesla und des Raumfahrtunternehmens SpaceX, ebenso wie Nick Bostrom, Philosoph an der Oxford University.

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