WLAN-Experimente: Freies Internet wird zum Geschäftsmodell

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WLAN-Experimente: Freies Internet wird zum Geschäftsmodell

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Wlan für alle in der Innenstadt, das soll es in Hamburg bald flächendeckend geben.

von Meike Lorenzen

Hamburg, Düsseldorf, Pforzheim, Berlin - in immer mehr Städten in Deutschland können Smartphone- und Tablet-Nutzer in den Innenstädten kostenfrei Surfen. Doch die Angebote haben ihre Grenzen.

Wer am Hamburger Hafen unterwegs ist, kann ab sofort kostenfrei mit dem Smartphone, Tablet oder Laptop im Internet surfen. Am Freitag startet in der Elbestadt das Pilotprojekt "HotSpot-City" der Telekom. Dafür müssen Nutzer sich nur ein Profil auf der Online-Seite der Telekom anlegen und schon sollen sie lossurfen können. Für mobile Endgeräte gibt es eine App.

Das Unternehmen preist sein Projekt an. Hamburg werde die erste deutsche Stadt, die großflächig mit WLAN-Technologie ausgerüstet werde. Der Hafen sei nur der Anfang. Zunächst wolle man die touristischen Zentren um die Landungsbrücken, den Fischmarkt und die Cruise Terminal Altona ausbauen. Dann sollen die großen Shopping-Meilen Mönckebergstraße, Jungfernstieg und Co. folgen. Erst danach kämen die Bereiche Reeperbahn und St. Pauli hinzu.

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Mit dem Angebot baut die Telekom ihr bestehendes Netzwerk aus. 500 einzelne Hotspots haben die Bonner bereits am Flughafen oder in Cafés aufgestellt, über hundert sollen nun noch dazu kommen. Besonders viele von ihnen waren schon im Hamburger Hafen vorhanden. "Hier haben wir die Dichte jetzt noch um mehrere Dutzend weitere HotSpots erhöht", sagt Telekom-Sprecher Makus Jodl. Somit sei nun alle 200 bis 300 Meter eine WLAN-Station eingerichtet. Die Nutzer sollen von einer Sendezone in die nächste gehen können, ohne sich neu einwählen zu müssen. Die Stationen sind aufeinander abgestimmt.

Zwei Dinge vergisst die Telekom jedoch bei ihren Ankündigungen zu betonen. Zum einen wird sich das Angebot immer auf den innerstädtischen Raum beschränken. Wer in Poppenbüttel, Harburg oder Blankenese wohnt, wird die Hotspots nicht nutzen können. Sie sind eindeutig für Touristen gemacht, die sich in der Innenstadt über Restaurants, Cafés, Shoppingmöglichkeiten oder einfach den schnellsten Weg von A nach B informieren wollen. Zum anderen ist das Netz nicht unbegrenzt kostenlos. 60 Minuten am Tag können die Nutzer die HotSpots kostenlos nutzen, dann poppt ein Fenster auf, dass den Nutzer fragt, ob er einen Tagespass für 4,95 Euro kaufen möchte.

Die Gratisstunde ist somit nur Kundenwerbung. Die Bonner suchen händeringend nach neuen Einnahmequellen. Die neuen Möglichkeiten des Internets haben dem Konzern etliche Geschäftsmodelle abgegraben. Eines der wichtigsten war lange die SMS. Doch wie wird immer weniger verschickt. Das Londoner Telekommunikations-Beratungsunternehmen Ovum schätzt, dass die europäischen Mobilfunkbetreiber im vergangenen Jahr 17,7 Milliarden Euro durch die Konkurrenz von mobilen Internet-Messengern wie WhatsApp durch die Lappen gegangen sind.

Fakten rund um LTE

  • Was ist LTE?

    LTE (Long Term Evolution) ist ein Mobilfunknetz und der Nachfolger von UMTS. LTE bietet mit bis zu 100 Megabit pro Sekunde deutlich schnellere Downloadraten.

  • Unterschiedliche Frequenzen

    ,LTE läuft je nach Region über unterschiedliche Frequenzen (Nordamerika: 700 MHz und 2100 MHz, Westeuropa, Mittlerer Osten und Afrika: 800 MHz 1800 MHz, 2000 MHz und 2600 MHz, Osteuropa: 800 MHz, 1800 MHz, 2300 MHz und 2600 MHz, Asia-Pazifik: 1800 MHz und 2100 MHz). Apples "neues iPad" beispielsweise unterstützt nur LTE in den Frequenzbereichen 700 und 2100 MHz und ist daher in Europa bisher nur ohne LTE-Funktion erhältlich.

  • LTE-Netz in Deutschland

    Von April bis Mai 2010 versteigerte die Bundesnetzagentur LTE-Frequenzen für den drahtlosen Netzzugang an Telekommunikationsdienste. Über den Tisch gingen die Frequenzen 800 MHz, 1800 MHz (bis dahin vor allem von der Bundeswehr genutzt), 2000 MHz (die ehemaligen Quam- und Mobilcom-Lizenzen für UMTS) und 2600 MHz. Die Bereiche 800 MHz und 2600 MHz werden von den vier deutschen Mobilfunkanbietern (Telekom, Vodafone, E-Plus und O2) für LTE genutzt. Die Deutsche Telekom verwendet zusätzlich 1800 MHz.

  • LTE-Smartphones in Deutschland

    Vodafone bietet seit März 2012 mit dem HTC Velocity 4G das erste LTE-Smartphone Deutschlands an. Das Gerät wurde für die Frequenzbereiche 800 bis 2600 MHz auf den Markt gebracht. Da damit die von der Telekom unterstützten Bereiche im Stadtgebiet mit einer Frequenz von 1800 MHz nicht genutzt werden konnten, folgte im Juni das HTC One XL, das auch auf den Frequenzen 1800 MHz und 2600 MHz funktioniert.

  • Stadt und Land

    LTE wurde ursprünglich ausgebaut, um die Breitbandversorgung auf dem Land zu sichern. Seit 2011 ist LTE auch in den ersten Großstädten gestartet. Anfangs standen weiter Gebiete ohne DSL-Breitbandanbindung im Fokus. Doch seit 2012 werden sukzessive immer mehr Städte mit LTE versorgt. Inzwischen wird das Netz in folgenden Städten angeboten: Aachen, Augsburg, Berlin, Bochum, Bonn, Bremen, Darmstadt, Dortmund, Dresden, Düsseldorf, Duisburg, Erfurt, Frankfurt, Hannover, Hamburg, Köln, Karlsruhe, München, Rostock, Leipzig, Münster und Stuttgart.

  • Umrüstung

    LTE übernimmt im wesentlichen die Infrastrukturen der UMTS-Technologie. Die Technik wurde lediglich erweitert, um so zügig vom 3G- zum 4G-Standard zu gelangen. Dadurch sollen die Smartphones und Tablets permanent mit dem Internet verbunden sein können. Vor allem für die mobile Kommunikation, wie Video-Telefonie, wäre das ein riesiger Fortschritt. Branchenkenner vermuten, dass die bestehenden Netze innerhalb der nächsten zehn Jahre auf LTE umgerüstet sein könnten.

Eine weitere wegbröckelnde Geldquelle sind die grenzübergreifenden Roaminggebühren, die unter dem Deckelungsgebot der EU immer weiter schrumpfen. Sie sollen derzeit durchschnittlich noch etwa fünf Prozent des Gesamtumsatzes der über hundert Telekomfirmen in den 28 EU-Staaten ausmachen. Die EU-Kommission will die Gebühren nun sogar ganz abschaffen.

Gleichzeitig wachsen die Investitionen in den Netzausbau. Allein die Telekom will von 2010 bis 2015 insgesamt mehr als 23 Milliarden Euro in die deutsche Infrastruktur stecken. Vor diesem Hintergrund kann die Telekom ihr flächendeckendes WLAN nicht verschenken. "Sie müssen eine Business-Kette dahinter haben", sagt auch Markus Jodl. Jedes Projekt braucht jemanden, der dafür zahlt. So stünden zum Beispiel hinter den freien WLAN-Spots in Flughäfen in der Regel Kooperationsverträge zwischen Anbieter und Unternehmen, die ihren Kunden den Service bieten möchten.

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