Word-Verkaufsstopp: Auge um Auge mit Microsoft

KommentarWord-Verkaufsstopp: Auge um Auge mit Microsoft

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Microsoft-Stand auf einer Messe

Eine kleine kanadische Firma hält Microsoft in Schach und will den Verkauf der Textverarbeitung Word stoppen lassen. Wahrscheinlich kommt der Konzern mit einer 300 Millionen Dollar Strafe aus dem Streit, der die Schwächen des Patentsystems offenlegt.

Es mutet wie der Kampf eines besonders gemeinen David gegen einen überrumpelten Goliath an. Die kleine Firma i4i – gesprochen eye for eye, wie Auge um Auge - aus Toronto/Kanada hält den weltgrößten Softwarekonzern Microsoft mit einem obskuren Patent in Schach. Nur dass die Waffe keine Steinschleuder ist, sondern das im Namen des amerikanischen Volkes sprechende Bezirksgericht von Ost-Texas in Gestalt des ehrenwerten Richters Leonard Davis. Weil es als extrem erfinderfreundlich und relativ fix gilt, werden dort jährlich Hunderte von Patentstreitigkeiten aus den ganzen USA angemeldet.

Niemand würde von dem Streit groß etwas mitbekommen. Schlagzeilen macht der Fall nur, weil das Pfand Microsoft Word ist, der de facto Standard für Textverarbeitungen. Da laut Auffassung des Gerichts ein winziger Bestandteil der Software das Patent mit der Nummer 5,787,449 der Erfinder Michel Vulpe und Stephen Owens verletzt, droht Microsoft am 10. Oktober ein Verkaufsstopp des Programms, genauer für Word 2003 und 2007. Vulpe ist der Technikchef von i4i. Wie alle Welt weiß, fackeln die Texaner nicht lange – don’t mess with Texas.

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Der Patentstreit um Word wirkt dramatischer als er ist

Das ist peinlich für Microsoft. Schließlich startet gerade der Jahresendspurt für den Softwareverkauf. Das im Microsoft Büropaket Office enthaltende Word ist das Flaggschiff der Microsoft Business Sparte, die mit 19 Milliarden Dollar rund ein Drittel des Gesamtumsatzes des Konzerns erzielt.

Der Fall wirkt jedoch dramatischer als er ist. Die Zivilisation wird ihn überleben. Zum einen – glücklicherweise – gilt der angedrohte Bannstrahl der Texaner nur innerhalb der Vereinigten Staaten. Dort verfügt wohl jeder Computer bereits über eine - in diesem Erdteil größtenteils bezahlte - Version von Word. Nur Nutzer, die noch kein Word haben, müssen zittern. Solche Leute, das Lebensblut der Softwarebranche, gibt es ja glücklicherweise noch.

Wahrscheinlich zahlt Microsoft

Aber die Chance auf einen Verkaufsstopp sind ohnehin gering. Wahrscheinlich wird sich Microsoft vorher mit den Kanadiern einigen. Oder einfach eine Version ohne den beanstandeten Programmteil herausbringen. Dabei handelt es sich um eine auf der Programmierbeschreibungssprache XML basierende Funktion, die den Datenaustausch zwischen Programmen ermöglicht.

Laut Microsoft wird die reklamierte Funktion ohnehin kaum genutzt. Dazu wäre allerdings ein gewaltiger Vertriebsaufwand nötig, um die neuen Kopien im Umlauf zu bringen und die alten zu entfernen. Eine Lizenz von i4i zu kaufen, dürfte billiger kommen. Rund sieben Wochen hat Microsoft nun Zeit.

Wahrscheinlich aber beugt sich der Softwarekonzern einfach dem Urteil, zahlt die Strafe und geht in die Berufung.

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