Yahoo-Chefin gefeuert: Niedergang einer Netzikone

Yahoo-Chefin gefeuert: Niedergang einer Netzikone

Bild vergrößern

Nun die Ex-Chefin von Yahoo: Carol Bartz REUTERS/Robert Galbraith/Files

von Matthias Hohensee

Sie sollte Yahoo wieder auf Kurs bringen, nun wurde die erfolglose Carol Bartz am Telefon gefeuert. Selbst Startups wollen nicht mehr von Yahoo gekauft werden und Bartz Nachfolger droht bald die nächste Schmach.

Überraschend kam der Rauswurf von Carol Bartz nicht. Im Silicon Valley liefen schon seit Monaten Wetten wie lange sich die glücklos agierende Managerin noch an der Spitze von Yahoo würde halten können. Via Telefonanruf wurde sie schließlich von Yahoo-Aufsichtsratschef Roy Bostock gefeuert, der Bartz einst zu Yahoo gelockt hatte.

In seinem wichtigsten Geschäft, dem Handel mit Internet-Bannerwerbung, wird Yahoo von allen Seiten in die Zange genommen, allen vorweg von Google, aber mehr noch von Facebook. Ebenso wie bei der Werbung auf Mobiltelefonen, wo der Konzern dank seines deutschen Managers Marco Börries lange Zeit Vorreiter war. Yahoo vertandelte auch diesen Vorsprung.

Anzeige

Facebook-Kauf an 200 Millionen Dollar gescheitert

Der 63jährigen Managerin gelang es nicht, Wachstumsimpulse zu setzen. Reihenweise liefen ihr die Talente davon. Zumindest bleibt ihr die Schmach erspart, dass Facebook Yahoo beim Umsatz überholt. Das wird im nächsten Jahr geschehen. Die bittere Ironie ist, dass Yahoo im Herbst 2006 Facebook hätte übernehmen können. Man hätte nur etwa 200 Millionen Dollar auf die Kaufofferte von rund einer Milliarde Dollar raufpacken müssen. Doch dies ist Bartz´ Vorgänger Terry Semel anzulasten.

Vor Januar 2009 war die langjährige Chefin des Softwarehauses Autodesk zu Yahoo geholt worden, um endlich wieder Schwung in die Internet-Ikone zu bringen. Bartz, bekannt durch ihre derben Flüche, fand ein zerrüttetes Unternehmen vor, ohne klare Management-Zuständigkeiten, Intrigen und kleinen Königtümern. Sie brachte wieder klare Strukturen ins Unternehmen, stellte verlustträchtige Projekte ein und kürzte die Kosten. Eine umstrittene Suchmaschinen-Allianz mit Microsoft sparte zwar Kosten. Doch damit gab Yahoo eigene Expertise ab und ist nun bei der Internet-Suche auf Microsoft angewiesen. Der Softwarekonzern, der im Februar 2008 sogar Yahoo für 44 Milliarden Dollar kaufen wollte, hat immer weniger Freude an einer Zusammenarbeit. Konzernchef Steve Ballmer hat einen Narren an dem Yahoo-Konkurrenten Facebook gefressen und baut die Kooperation mit dem sozialen Netzwerk stärker aus.

Bartz vorläufiger Nachfolger Tim Morse muss nun schleunigst den Internet-Konzern wieder auf Wachstum trimmen. Und vor allem dessen Image loszuwerden, so ziemlich alles früher oder später gegen die Wand zu fahren. Deshalb wehrten sich Startups wie Yelp, von Yahoo übernommen zu werden. Der frühere Finanzchef von Yahoo muss einen ähnlichen Schlager wie Google-Chef Larry Page mit Google Plus finden, um seine Truppen wieder aufzurütteln. Noch ist allerdings unklar, wo dieser herkommen soll. Im Silicon Valley laufen schon wieder Wetten. Diesmal auf einen Merger mit dem Konkurrenten America Online (AOL). Auch der Medienkonzern News Corp soll schon seine Fühler ausgestreckt haben. Wahrscheinlich wird Yahoo auch sein Asiengeschäft verkaufen. Denn das ist mittlerweile  kostbarer als der Börsenwert des Unternehmens.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%