Zoff um Zeichenlimit bei Twitter: Twitter in 150 Zeichen

KommentarZoff um Zeichenlimit bei Twitter: Twitter in 150 Zeichen

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Bei Twitter ist ein Streit um eine Erweiterung des Zeichenlimits entbrannt.

von Thorsten Firlus

Mehr als 140 Zeichen für Tweets? Twitter plant einen Umbau des Systems. Die Nutzer sind entsetzt. Und zeigen, wie reaktionär sie sind.

Der Charme des Kurznachrichtendienstes Twitters ist genau das: Die Nachrichten sind kurz. 140 Zeichen exakt. Von allen Mitbewerbern im immer bunteren und bewegteren Kampf um die Aufmerksamkeit seiner Nutzer setzt sich Twitter ab mit: Beschränkung. Was nicht in 140 Zeichen, noch mal 20 weniger als in einer SMS, gesagt werden kann, ist es nicht wert, aufgeschrieben zu werden.

Wer partout mehr sagen will, muss dafür mehrere Tweets hintereinander formulieren. Das Kürzen, das Ringen mit einzelnen Buchstaben statt mit ganzen Worten, die Suche nach Synonymen zeitigt sich bisweilen in liebevoll gepflegten Miniaturen der Sprache. Schwätzer haben allein technisch kaum eine Chance, ein größeres Publikum zu erreichen.

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Nun plant der einstige Twitter-Gründer und designierte Twitter-CEO, dem wirtschaftlich weiter unter Druck stehenden, eine gravierende Veränderung zu verschreiben. Unter dem Stichwort "140plus" gibt es Pläne, das Zeichenlimit aufzuheben. Ob auf eine fixe größere Zahl oder gar eine ganz offene: Das ist noch nicht bekannt. Ein Schritt in die richtige Richtung, denn Dorsey braucht neben begeisterten Fans des Limits auch eine Idee, wie der beliebte aber im Vergleich zu Facebook wirtschaftlich erfolglose Dienst Geld verdienen kann. Das Limit auf 140 Zeichen aufzuheben, mag ein Weg sein.

Twitter Mitgründer Dorsey soll Twitter-Chef bleiben

Das haben die Vöglein bei Twitter schon von den Dächern gezwitschert: Der als Übergangslösung eingesprungene Twitter-Mitgründer Jack Dorsey soll angeblich ständiger Chef werden.

Jack Dorsey Quelle: REUTERS

Dorsey greift damit gegebenenfalls tief in die DNA des Unternehmens ein und die Reaktionen kommen prompt: Unter dem Hashtag #pro140 formiert sich Widerstand. "In der Kürze liegt die Würze", fasst @stadtneurotikr die Haltung vieler zusammen, "Mehr Zeichen braucht #twitter nicht", schreibt @tmsklein. Der User @schwarztal moniert, dass viel vom pointierten Witz verloren ginge.

Abwegige Kritik der Twitter-Nutzer

Diese Kritik ist aus vielen Gründen abwegig und zeigt, dass auch Nutzer der frischeren Formen der Kommunikation binnen Jahren zu konservativen Haltungen neigen, wenn es darum geht, etwas Liebgewonnenes auch nur ein wenig zu ändern. "Das haben wir immer schon so gemacht", schwingt neben "früher war alles besser" in diesen Kommentaren mit von Menschen, die für den Dienst kein Geld bezahlen und Werbungstweets oft mit einer gewissen Verachtung betrachten.

Zum einen ist das Limit auf 140 Zeichen für deutschsprachige Twitterer noch herausfordernder als für englischsprachige, da deutsche Wörter länger sind. Englischsprachige Twitterer haben somit von Beginn an mehr Spielraum für Kürzungen.

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Zum anderen ist Twitter jene Plattform, auf der man keine Freunde hat oder Verwandte. Die Accounts, denen man folgt, liest man also, weil es einen interessiert. So bildet sich jeder Nutzer eine mehr oder minder transparente Filterbubble. Was nicht gefällt, kann überlesen werden und einen Account, der konstant nervt, kann jeder Nutzer entfolgen. Oder zumindest muten, so dass der Betroffene nicht mal sieht, dass man sein Geseier nicht länger lesen will.

Twitter, das ist nicht nur die Verantwortung für das, was man selber schreibt, es ist auch die Verantwortung für das, was man konsumiert. Mehr als auf Facebook, wo man in der Regel die trifft, die man eh schon kennt. Es ist die selbstbestimmteste Variante des Social-Media-Konsums. Das Limit ist ein willkürliches und wer glaubt, Tweets würden besser oder schlechter weil sie 140 oder 160, gar 280 Zeichen hätten, spielt die gute Kurzgeschichte gegen den guten Roman aus. Es zeigt sich, dass sich in der kurzen Zeit, in der Twitter existiert auch dort genügend Menschen es gemütlich gemacht haben und jede Veränderung ablehnen. Gerade jene, die den Konventionen klassischer Medien zu entrinnen versuchen, verschanzen sich hinter - vermeintlich moderneren, zeitgemäßeren - Usancen.

Twitter war zum Zeitpunkt seiner Gründung eine neue Form der Kommunikation. Es wäre für die Entscheider bei Twitter ein Fehler, zu glauben, ihr einst erfolgreiches Modell sei sakrosankt und bedürfe keiner Veränderung.

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