Deutschlands Forscher führen einen skurril anmutenden Streit, ob sie Deutsch oder Englisch miteinander reden sollen. Mit sieben Thesen zu Deutsch als Wissenschaftssprache haben führende Vertreter aus Forschung und Lehre wie Gesine Schwan und Hans-Olaf Henkel den Disput losgetreten. Dass Vorlesungen und Kongresse deutscher Referenten vor deutschem Publikum ständig auf Englisch stattfinden, sei grotesk. Jüngster Stein des Anstoßes: Von Ende September an akzeptiert die Deutsche Forschungsgemeinschaft viele Anträge nur noch auf Englisch. Walter Krämer, Gründer des Vereins Deutsche Sprache, gibt den Kritikern Recht. Krämer, 56, ist Professor für Wirtschafts- und Sozialstatistik an der Universität Dortmund. Er lehrte ein Jahr lang in Kanada, ist Gastprofessor in Shanghai und gründete 1997 den Verein Deutsche Sprache, dessen Vorsitzender er noch heute ist. WirtschaftsWoche: Herr Krämer, Sie ermuntern unsere Forscher, Deutsch zu sprechen, statt ins Englische auszuweichen. Ist das angesichts einer immer internationaler werdenden Welt nicht völlig antiquiert? Krämer: Ganz und gar nicht. Es ist die Voraussetzung dafür, dass deutsche Wissenschaft auch in Zukunft erstklassig sein kann.
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Wo ist das Problem? Das Denken in der Muttersprache ist niemandem verwehrt. Wir Deutschen binden uns selbst einen Klotz ans Bein, wenn wir selbst in Situationen Englisch sprechen, in denen das völlig unnötig ist. Es ärgert mich zum Beispiel maßlos, dass unsere Fakultätsleitung deutschsprachige Gäste zwingt, selbst vor einem rein deutschen Publikum auf Englisch zu referieren. Manche Kollegen schwenken gleich ganz aufs Englische um, damit ihre Studenten es später können. Das klingt sehr fortschrittlich. Ist es aber nicht. Wenn wir anfangen, unsere Gedanken in dieser Pidgin-Sprache zu entwickeln, die ich in Anlehnung an den Rinderwahn BSE gerne Bad Simple English nenne, kommt dabei nichts Gutes heraus. Das ist, als würden sie einen rechtsfüßigen Mittelstürmer zwingen, mit links zu schießen. Auf uns Forscher übertragen heißt das: Genial sind wir nur auf Deutsch. Klassiker der Literatur: Test











