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E-Auto: Neue Allianzen für das Stromauto

von Franz W. Rother und Jürgen Rees

Der wachsende Markt für Elektroautos und die kostspielige Forschung an der neuen Antriebstechnik lässt Autohersteller aus Deutschland und Frankreich zusammenrücken.

Dieter Zesche (rechts) und Quelle: REUTERS
Dieter Zesche (rechts) und Carlos Ghosn bei der Unterzeichnung des Kooperationsvertrags am 7. April 2010 Quelle: REUTERS

Norbert Reithofer, 55, und Philippe Varin, 58, haben beinahe das gleiche Alter, tragen den Scheitel auf der gleichen Seite und ähnliche Brillenmodelle. Nicht nur aufgrund ihrer Körpergröße begegnen sich die Vorstandschefs der deutschen BMW Group und des französischen Autoherstellers PSA Peugeot Citroën auf Augenhöhe, wenn sie sich über Kooperationen unterhalten. Im Motorenbau gehen beide Unternehmen schon seit bald zehn Jahren gemeinsame Wege. Ein Joint Venture für Hybridtechnologie haben BMW und PSA gerade gegründet – und vielleicht, deutet Varin an, wird noch mehr daraus. Denn die Komponenten, die ab 2014 in der neuen gemeinsamen Fabrik im französischen Mulhouse gebaut werden sollen (Elektromotoren, Energiewandler, Hochleistungsbatterien) ließen sich auch gut in Elektroautos einsetzen: „Wir stehen am Anfang eines technischen Abenteuers. Mit einem Partner lässt sich dies besser bestehen als im Alleingang.“

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Zu dem Schluss sind auch schon andere Unternehmen aus Deutschland und Frankreich gekommen und haben grenzüberschreitende Allianzen geschlossen: Daimler und Renault-Nissan hatten sich im vergangenen Jahr zum gemeinsamen Bau von Kleinwagen, Motoren und Stadtlieferwagen verbandelt und dafür auch wechselseitig beteiligt. Nun planen sie eine weitere Arbeitsteilung bei Elektroautos: Entwicklungskosten in Höhe von mehreren Milliarden Euro verlieren ihren Schrecken, wenn sie durch zwei geteilt werden. Auch wenn Daimler-Vertriebschef Joachim Schmidt sein Unternehmen „von allen Autoherstellern technologisch am weitesten vorn“ und „bestens vorbereitet“ sieht – während in Deutschland die Elektromobilität noch gründlich erforscht wird, ist sie jenseits des Rheins fast schon Alltag. Bei PSA können der Peugeot iOn und der Citroën C-Zero zum Preis von rund 35.000 Euro geordert werden.

Lautlose Flitzer

Renault startet in diesen Tagen den Verkauf des Handwerkerautos Kangoo Rapid Zereo Emission sowie der fünfsitzigen Familienkutsche Fluence Z.E. – alles Fahrzeuge mit Elektroantrieb.

Kein anderer Hersteller setzt so konsequent auf elektrisches Fahren wie Renault Nissan. Vier Milliarden Euro will der Konzern bis 2015 alleine für die Entwicklung und Erforschung der Elektromobilität ausgeben. Schon 2020, davon ist Konzernchef Carlos Ghosn überzeugt, werden zehn Prozent aller Neuwagen über Elektroantrieb verfügen: „Wir treiben diesen Wandel voran.“ Seine Absatzziele sind ehrgeizig: Eine halbe Million Elektroautos will der Konzern 2015 verkauft haben. Die dafür nötigen Lithium-Ionen-Batterien will die Allianz zum großen Teil selbst produzieren. Allein in Europa werden dafür drei neue Werke hochgezogen: im britischen Sunderland, im portugiesischen Cacia sowie im französischen Flins. Zusammengenommen über 200 000 Hochleistungsakkus sollen hier jedes Jahr entstehen.

Aus deutscher Sicht ist das Vorhaben sehr mutig. „Es ist nicht zu erwarten, dass man mit Elektroautos in den nächsten drei bis fünf Jahren Geld verdienen wird“, sagt Stefan Bratzel vom Center of Automotive in Bergisch Gladbach. „Renault geht ein hohes Risiko ein.“

Kosten teilen, Gewinne mehren

Ein Risiko sind auch Roman Dudenhausen, Vorstandschef des Essener Energiedienstleisters ConEnergy, und der saarländische Pharmaunternehmer Edwin Kohl eingegangen: Sie besitzen und betreiben gemeinsam ein kleines Automobilwerk in Frankreich. Denn im Juli vergangenen Jahres übernahmen sie die E-Auto-Sparte des französischen Herstellers Heuliez, als dieser infolge von Auftragsmangel in die Insolvenz schlitterte.

Den Kontakt zu Heuliez vermittelte Murat Günak, Ex-Chefdesigner von VW und Entwickler des Schweizer Hybridautos Mindset. Heute leitet Günak die Produktion bei Heuliez. 150 Mitarbeiter bereiten gerade in Cerizay die Serienfertigung eines Elektroautos namens Mia vor. Es soll weniger als 500 Kilogramm wiegen und zu Preisen um 20 000 Euro zu kaufen sein. Anfang Juni 2011 sollen die ersten 5000 batteriebetriebenen Stadtflitzer ausgeliefert werden. Die Hälfte der Mia-Produktion ist für Kunden in Frankreich bestimmt.

3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 13.04.2011, 00:54 UhrSkarrin

    Der ion und der c-zero sind keine PSA-Entwicklungen, sondern lediglich umdekorierte Mitsubishi i-MiEVs.
    in Wirklichkeit hat PSA also genau so wenig zu bieten wie Daimler - ob eine solche Looser-Allianz wirklich etwas bringt?

    Eigentlich unverständlich, denn PSA hat, zusammen mit Renault, seit 1992 über 10.000 E-Autos mit NiCd-Akkus produziert von denen viele heute noch fahren, sie müßten also wissen wie es geht!
    im Gegensatz zu Daimler, die 1997 die bis zur Serienreife entwickelte Elektro-A-Klasse wieder verschrottet und die Pläne anscheinend geschreddert haben.

  • 12.04.2011, 21:41 Uhrbond

    es ist ein Witz wenn die Autokonzerne mit Elektroautos angeblich kein Geld verdienen. Allein die Anzahl der beweglichen Teile verringert sich um mindestens 80 %. Elektromotoren sind technisch ausgereift und die Vorboten in der batterie sind die Notebooks. Gleichzeitig werden Startups im bereich der batterietechnik nicht berücksichtigt.

  • 12.04.2011, 20:01 UhrGast

    "Autofahrer in Frankreich können deshalb bei Zulassung eines Elektromobils auf eine staatliche Prämie von 5000 Euro zählen."
    Also der gleiche Unfug wie beim EEG. Sobald die Subventionsgieskanne zu Lasten der Unbeteiligten zum Einsatz kommt, kreisen die Geier. Und mit den unzähligen batterien, welche als Sondermüll enden, kann die Ökomafia am Schluß noch einmal kräftig abkassieren.

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