E-Sports auf der Gamescom: Das Geschäftsmodell der Spiele-Streamer

E-Sports auf der Gamescom: Das Geschäftsmodell der Spiele-Streamer

, aktualisiert 17. August 2016, 15:42 Uhr
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Mittlerweile können auch immer mehr Streamer von ihrem Hobby leben.

von Jakob BlumeQuelle:Handelsblatt Online

Immer mehr Menschen schauen anderen beim Zocken zu. Um Gaming-Videos ist auf Plattformen wie Youtube oder Twitch ein Milliardenmarkt entstanden. Einblicke in das Geschäftsmodell der Streamer.

KölnEin paar Lockerungsübungen mit dem Finger, ein konzentrierter Blick zu seinem Nebenmann – dann ist Thomas Kilian live. Seine Zuschauerbegrüßung wird auf Dutzende Monitore übertragen, tausende Menschen schauen über das Internet zu. In den nächsten Stunden wird Kilian auf der Messe Gamescom in Köln Partien des PC-Spiels „Heroes of the Storm“ kommentieren, bei dem zwei Fünfer-Teams mit Fantasiehelden gegeneinander antreten.

Kilian, den in der Gaming-Szene alle nur „Khaldor“ nennen, ist professioneller Kommentator von E-Sports-Turnieren. Er wird von Turnierveranstaltern wie dem Kölner Unternehmen Electronic Sports League (ESL) zu Computerspiel-Wettbewerben in der ganzen Welt eingeladen. Vor allem aber ist Kilian auf Twitch aktiv, einer Plattform zur Liveübertragung von PC-Spielen. Dort kommentiert Kilian für seine Fangemeinde regelmäßig Turniere mit professionellen Zockern. Im Schnitt schalten bei seinen Liveübertragungen, sogenannten Streams, 3000 bis 5000 Menschen ein.

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Streamer wie Kilian alias Khaldor und Plattformen wie Twitch profitieren von einem Trend: Nicht nur Computerspiele erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Im vergangen Jahr erwirtschaftete die Branche laut Verband BUI einen Umsatz von 2,8 Milliarden Euro – ein Plus von 4,5 Prozent. Doch offenbar gibt es auch immer mehr Menschen, die Gamern über das Internet beim Zocken zuschauen wollen.

So überträgt etwa Twitch längst nicht nur Gaming-Turniere. Einzelne Nutzer spielen einfach ihr Lieblingsspiel, kommentieren oder bewerten es, unterhalten ihre Zuschauer dabei und bauen sich so eine Fan-Gemeinde auf. Twitch profitierte wie kein anderes Unternehmen vom Streaming-Hype: Pro Tag zählt die Plattform 9,6 Millionen Zuschauer, monatlich wird die Seite 100 Millionen Mal besucht. Das einstmals kleine Start-up aus Kalifornien wurde 2014 von Amazon übernommen – für fast eine Milliarde Dollar.

Auch die Google-Tochter Youtube investiert in den Markt und schneidet seinen Streamingdienst für Computer- und Videospieler nun auch auf Deutschland zu. Die Plattform Youtube Gaming wurde am Mittwoch offiziell auf der Gamescom gestartet. Über sie können Gamer anderen beim Spielen zuschauen oder ihre eigenen Partien ins Netz streamen. Fans sollen zudem schnell auf neue Videos zu ihren Lieblingstiteln oder von ihren Lieblings-Youtubern aufmerksam gemacht werden.

Das US-Marktforschungsinstitut Super Data schätzt die weltweiten Zuschauerzahlen für Gaming-Videos 484 Millionen. Darin sind Live-Streams auf Plattformen wie Twitch ebenso enthalten wie Aufzeichnungen, die bei Videoportalen wie Youtube hochgeladen wurden. Die Branche erzielt mit Gaming Videos laut Super Data Werbeumsätze von rund 3,8 Milliarden Euro.

„Portale wie Twitch oder Youtube ermöglichen es, professionelle oder semiprofessionelle Produktionen an den Zuschauer zu bringen“, sagt der ESL-Chef Ralf Reichert. 2009 oder 2010 sei ein Wendepunkt gewesen. Sein Unternehmen arbeitet eng mit Twitch zusammen – heute erreicht ESL als größter Anbieter von E-Sports-Veranstaltungen Millionen von Nutzern weltweit. Ein Zeichen für den Boom der Branche: Der größte Anbieter von E-Sports-Ligen zieht bald in die früheren Studios von Harald Schmidt um. Dort gibt es nicht nur ausreichend Büros, sondern auch einen großen Saal mit Bühne. Und mittlerweile können auch immer mehr Streamer von ihrem Hobby leben.


„Ich muss ja auch noch an die Zeit denken, wenn ich 50 bin.“

„Wir haben tausende Vollzeit-Streamer, dutzende von Ihnen verdienen sechsstellige Einkommen“, sagt Simon Koschel von Twitch. Genaue Zahlen verrät er nicht, doch E-Sport-Kommentator Kilian gewährt einen kleinen Einblick in sein Geschäftsmodell. Für einen Acht-Stunden-Stream mit über 3000 Zuschauern erhalte er etwa 50 Euro für Werbespots. „Die Werbeeinnahmen bei Twitch sind in den letzten Jahren ziemlich in den Keller gegangen“, sagt er. Haupteinnahmequelle sind seine Abonnenten, die monatlich fünf Dollar zahlen. Etwa 30 Prozent davon behält Twitch. Auch bei Spenden zeigten sich manche Fans großzügig: Der größte Einzelspender hat insgesamt mehr als 5000 Dollar an Kilian überwiesen.

„Leute, die anderen beim Videospielen zuschauen, gab es schon immer“, erklärt Twitch-Manager Koschel das Phänomen Streaming. „Das ist eine natürliche Gaming-Erfahrung.“ Doch wer erfolgreich sein will, für den gelten ähnliche Regeln, wie im Fernsehen oder im Profisport: „Man muss entweder sehr unterhaltsam sein, oder sehr gut in einem Spiel. Dann möchten das die Leute auch sehen.“ Eine weitere Eigenschaft der Streamer macht sie für die Spiele-Industrie besonders wertvoll: „Sie sind Meinungsmacher und haben einen starken Einfluss auf ihre Community“, sagt Koschel.

Kein Wunder also, dass auch die Industrie die Streamer-Szene im Blick hat. So betreibt etwa der Grafikartenhersteller Nvidia firmeneigene Kanäle bei Twitch, auf dem beliebte Streamer die neuesten Spiele zocken – und damit auch die Leistungsfähigkeit der Nvidia-Karten demonstrieren. „Wir erreichen so eine jüngere Zielgruppe, die sich kaum über andere Kanäle informiert“, sagt ein Nvidia-Sprecher. Erhebungen des Branchenverbandes BUI scheinen dem Chiphersteller recht zu geben: Knapp 40 Prozent der deutschen Internetnutzer zwischen 16 und 24 haben bereits ein E-Sports-Spiel angeschaut. 63 Prozent dieser Altersgruppe haben bereits im Internet „Let‘s Play“-Videos konsumiert.

Ein Zukunftsmarkt also? Ganz sicher können Streamer wie Kilian nie sein. Der studierte Betriebswirt hat für sein Leben als E-Sports-Kommentator einen sicheren Job bei SAP abgelehnt und viel Geld in ein eigenes Studio zu Hause investiert. „Als Streamer läuft es mal drei Monate super. Dann kann es auch ein ganzes Jahr eher schlecht gehen“, berichtet er. Mit seinen Einnahmen müsse er daher gut haushalten: „Ich muss ja auch noch an die Zeit denken, wenn ich 50 bin.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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