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Elektromobilität: Deutschlands Autobauer brauchen keine Elektroauto-Subventionen

von Martin Seiwert, Max Haerder (Berlin) und Florian Zerfaß

Immer wieder forden deutsche Autobauer eine Kaufprämie und andere Subventionen zur Förderung von Elektroautos. Dabei haben die Autokonzerne genug Geld, um vorne mitzufahren.

Martin Winterkorn Quelle: dapd
Martin Winterkorn Quelle: dapd

Hamburg, 3. Mai 2011. Bei der Volkswagen-Hauptversammlung im Congress Center tritt Konzernlenker Martin Winterkorn ans Mikrofon. Die nächsten 19 Minuten werden eine einzige Demonstration der Stärke. Die Autoindustrie habe 2010 „ein glänzendes Comeback hingelegt“, Volkswagen „das Feld angeführt“, sagt Winterkorn. Das operative Ergebnis habe sich auf gut sieben Milliarden Euro vervierfacht – ein Allzeitrekord. Darin sei der operative Gewinn von fast zwei Milliarden Euro aus den chinesischen Gemeinschaftsunternehmen noch nicht mal enthalten. Für die Aktionäre gebe es deshalb eine „deutlich gestiegene“ Dividende, für die Mitarbeiter eine „Erfolgsbeteiligung, die in Deutschland ihresgleichen sucht“.

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16. Mai 2011, das Bundeskanzleramt in Berlin. Angela Merkel nimmt von Ex-SAP-Chef Henning Kagermann den 116-seitigen Bericht der Nationalen Plattform Elektromobilität entgegen. Das Gremium mit einem Lenkungskreis von 23 Top-Managern, Forschern, Politikern und Verbandsvertretern sowie sieben Arbeitsgruppen mit insgesamt 147 Mitgliedern hatte sich vor gut einem Jahr auf Betreiben der Bundesregierung konstituiert, um dem Elektroauto in Deutschland zum Durchbruch zu verhelfen. Wenn die Kanzlerin den Bericht aufschlägt, muss es ihr eigentlich Angst werden um die hiesige Autoindustrie.

Angela Merkel, Henning Quelle: dpa
Angela Merkel, Henning Kagermann Quelle: dpa

„Ohne Anreizmaßnahmen“, heißt es auf Seite sechs diplomatisch, aber unmissverständlich, werde das Ziel, bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge zu verkaufen, „nicht gelingen“. Im Klartext: Deutschlands Autoindustrie will Milliarden vom Staat, möglichst, so das Fazit der Nationalen Plattform, in einer Größenordnung von knapp vier Milliarden Euro bis 2014.

Keine zwei Wochen nach Winterkorns Jubelrede nun das Handaufhalten beim Steuerzahler: Binnen zwölf Monaten droht eines der größten Projekte der deutschen Industrie, der Übergang vom Auto mit Verbrennungsmotor zum Elektromobil, zu einem bizarren Bettelstadel zu verkommen. Statt sich über reine Rahmenbedingungen zu verständigen, listete eine unheilige Allianz aus Wirtschaft, Politik und Verbänden ein Sammelsurium an wünschenswerten Subventionen auf, die fast alle unnötig, teilweise schädlich und so gut wie durchgängig wirtschaftlich unbegründet sind.

Dicker Wunschzettel

„Der Subventionstopf sollte nicht zu weit geöffnet werden“, warnt immerhin FDP-Verkehrsexperte Werner Simmling. „Der Staat setzt den Rahmen, er baut keine Autos oder Batterien oder stellt Ladesäulen auf.“ Auch der scheidende Wirtschaftsminister und künftige FDP-Bundestagsfraktionschef Rainer Brüderle hatte sich gegen ein staatliches Füllhorn für Elektroautos ausgesprochen.

Am heftigsten sticht ins Auge, dass ausgerechnet eine Branche auf Subventionsfang geht, die die weltweite Nachfrage kaum befriedigen kann und von einem Rekordergebnis zum anderen eilt. Allein die drei großen deutschen Autobauer VW, Daimler und BMW werden nach Schätzungen von Analysten von 2010 bis 2013 frei verfügbare Mittel erwirtschaften, die sich auf 36,6 Milliarden Euro summieren. Davon sind die laufenden Investitionen bereits abgezogen – auch diejenigen in die Elektromobilität.

22 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 02.06.2011, 22:56 UhrAnonymer Benutzer: Talkreduis

    Um herauszubekommen, dass Emobiltät schon heute funktioniert, hätte man einfach nur die heutigen E-Fahrer befragen müssen.

    Das so gesparte Geld hätte man für Ladestationen für Laternenparker und für Schnellladestationen an den Autobahnraststätten verwenden können. Und mit Ladestationen meine ich nicht z.b. die völlig überteuerten RWE Kisten sondern einfache, kleine Schaltschrankkästen Preisklasse 300 ... 500 EUR /Stk + installation. Jede Aussensteckdose ist in diesem Sinne auch eine Ladestation.
    installierte beispiele davon findet man z.b. unter http://www.lemnet.org zu hauf.

  • 29.05.2011, 23:19 UhrAnonymer Benutzer: Tina

    Faules, korruptes Pack ganz genau das trift es. Unsere ganze Familie fährt schon seit ca. 10 Jahren alle Kurzstrecken bis 130 km elektrisch, mit Hotzenblitz, Kewet, Renault Clio elektric und i-Miev. Den Strom machen die Anlagen auf und am Haus und den mehr als wir brauchen. Trotzdem ist es eine Schande das uns Japaner und andere zeigen müssen wie man Elektroautos baut

  • 25.05.2011, 13:25 UhrAnonymer Benutzer: Skarrin

    Einer der vernünftigsten E-Auto-Artikel seit langem in der Presse!
    Endlich werden mal realistische Akkupreise genannt, die zeigen, dass die bisher für i-MiEV & Co. geforderten Mondpreise nicht mehr lange haltbar sein werden.

    Dass es wenig Sinn hat das Land mit einem Haufen 230V-Ladestationen zuzupflastern kann jeder heutige E-Auto-Fahrer bestätigen, sinnvoll wären nur Schnellladestationen z.b. an Tankstellen oder Gasthäusern für Überlandfahrten.
    Die Firma Tesla hat in England selbst so ein Netz aufgebaut, 10 Stationen für zusammen gerade mal 20.000GbP reichen um mit dem Tesla an einem WE 900 Meilen von Nordschottland nach Südwales zu kommen.

    Leider werden wohl die fleißigen VDA-Lobbyisten dafür sorgen, dass sich unsere Autoindustrie wieder mal an Steuergeldern mästen und die Gewinne selbst einstreichen kann, als belohnung dafür dass sie Hybrid- und E-Antrieb jahrelang verpennt und schlechtgelogen haben.
    business as usual :-(

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