Elektronik: Technik von der Rolle

Elektronik: Technik von der Rolle

Bild vergrößern

Grafik: Vorteile von Folienbatterien (Klicken Sie auf die Grafik für eine erweiterte Auswahl)

von Andreas Menn

Biegsame Bildschirme, funkende Metro-Tickets, Lautsprecher aus Plastikfolie: Elektronik kommt künftig aus dem Drucker. Mini-Computer werden damit nicht nur spottbillig, sondern auch allgegenwärtig.

Wer die aktuelle Ausgabe von "Canvas", dem renommierten Branchenblatt der US-Druckindustrie, in der Hand hält, fühlt sich beim Blick aufs Titelblatt in die Wunderwelt des Harry Potter versetzt. Das Cover aus einer dünnen Plastikfolie zeigt einen halbleeren Notizblock. Knickt der Leser aber ein Eselsohr in die rechte obere Ecke, geht der Spuk los: Wie von magischer Hand geschrieben erscheint eine blaue Schrift. Eine Münze auf eine vorgegebene Stelle gelegt, schon tauchen weitere Notizen auftauchen – der Titel wird lebendig.

Was wie Zauberei aussieht, ist das Ergebnis revolutionärer Technik, die traditionelle Druckverfahren mit modernstem IT-Know-how vereint: Unternehmen setzen dabei herkömmliche Druckmaschinen ein, um leitfähige Tinten auf Papier oder Folie zu drucken. So können sie Leiterbahnen, Displays und sogar eine hauchdünne Folienbatterie in die Canvas-Titelseite integrieren.

Anzeige

Noch ist das magische Cover, das vom amerikanischen Display-Startup Ntera mitentwickelt wurde, ein teures Pilotprojekt, um das Fachpublikum zu beeindrucken. Doch in naher Zukunft könnten solche Ideen auch die Supermärkte erobern. Bald, verspricht Ntera-Technologiechef Alain Briançon, "bedrucken wir Verpackungen, Lottoscheine oder EC-Karten in Siebdruck- und Inkjet-Maschinen mit elektronischen Displays".

Drucken statt löten

Die Elektronik aus der Druckmaschine ist mehr als eine Technikdemonstration für verspielte Zeitschriftenmanager. Das neue Produktionsverfahren wird die etablierte Welt der klassischen Elektronik aus den Fugen heben.

Bisher werden Schalter, Silizium-Chips und Lämpchen auf Leiterplatten gelötet, geätzt und gebohrt. Die Technik ist aufwendig, teuer, starr und schwer. Gedruckte Elektronik dagegen überwindet diese Nachteile: Sie kann auf Plastikfolien, die Bruchteile eines Millimeters dünn sind, Schicht für Schicht Elektroden, Schaltkreise oder Leuchtstoffe auftragen.

"Dabei kommen extrem kostengünstige, hoch effiziente Massendruckverfahren zum Einsatz", sagt Klaus Hecker, der Geschäftsführer der Organic Electronics Association (OE-A), einer Arbeitsgruppe für gedruckte Elektronik im Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau.

Zwar sei die Rechenleistung der Plastik-Elektronik noch etwa um den Faktor Tausend geringer als bei aktuellen Silizium-Chips, sagt Hecker. Doch damit liegt sie auf dem Niveau des ersten IBM-PCs Anfang der Achtzigerjahre und reicht für einfache Sensoren oder elektronisch gesicherte Ausweise allemal.

Elektronik zum Wegwerfen

Zudem ist gedruckte Elektronik so billig, dass sie sich in Wegwerfprodukten wie Konzertkarten, Magazinen oder medizinischen Teststreifen rechnet. "Dabei geht es bei gedruckter Elektronik nicht nur um geringere Kosten", sagt Peter Harrop vom US-Marktforscher IDTechEx, "es geht darum, völlig neue Produkte zu schaffen."

Und so entstehen in Laboren und Pilotfabriken schon gedruckte Speicherchips oder Medikamentenschachteln, die per Funk eine Handysoftware informieren, wenn der Patient eine Tablette aus der Packung drückt. Andere Entwickler arbeiten an tapetenartigen Folien-Lampen. Selbst Plastikbildschirme zum Einrollen und durchsichtige Solarzellen, die sich an Glasfassaden schmiegen, sind in Arbeit. In Tokio hängen sogar schon Plakate des Unternehmens Dai Nippon Printing in der Metro, die Töne abspielen, animierte Schrift darstellen und Strom dafür aus integrierten Solarzellen ziehen.

Die gedruckte Elektronik wird allgegenwärtig und sogar unsichtbar. "Dagegen sieht der Silizium-Chip aus wie ein Feuerstein aus der Steinzeit", sagt IDTechEx-Chairman Harrop.

Das klingt wie die Spinnerei von Zukunftsforschern, ist im Grunde aber längst erprobt. Das beweisen erste einfache Produkte wie gedruckte Teststreifen, die die Ladespannung von Batterien anzeigen, Sensoren, die den Blutzuckerwert bestimmen, oder biegsame Solarzellen in Taschen der Firma Mascotte. Insgesamt summierte sich der Umsatz mit der Plastik-Elektronik laut IDTechEx im vergangenen Jahr auf rund zwei Milliarden Dollar.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%