Elektronikmesse CES: Die Tablet-Welle

Elektronikmesse CES: Die Tablet-Welle

von Matthias Hohensee

Am Donnerstag steigt die größte Unterhaltungselektronikmesse der Welt in Las Vegas – unter anderem mit Audi-Chef Rupert Stadler. Ein Blick auf die wichtigsten Trends der CES.

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Audi-Chef Rupert Stadler

Bald geht es endlich mal wieder richtig rund in Las Vegas. Nicht am Roulettetisch und auch nicht am Spielautomaten – die Umsätze in der Glücksspielbranche sind in der US-Wirtschaftskrise spürbar gesunken und mit ihnen die Besucherzahlen in der Spielerstadt – dafür aber in den Messehallen neben dem Hilton Hotel.

Am Donnerstag öffnet die Consumer Electronic Show (CES) ihre Pforten, die weltgrößte Messe für Unterhaltungselektronik mit 2500 Ausstellern aus rund 130 Ländern. 120.000 Besucher erwarten die Organisatoren, die den Casinohotels endlich mal wieder Bettenauslastung von über achtzig Prozent bescheren.

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Drei große Trends werden die diesjährige CES prägen – Tablet-Computer und die dazugehörigen Apps, Fernsehen via Internet sowie breitbandige Mobilfunknetze, die Unterhaltung und Information überall hinbringen, vom Smartphone in der Hosentasche bis hin ins Auto-Cockpit.

Audi-Chef in Las Vegas

Letzteres ist der Grund, warum gleich zwei Topmanager der Automobilbranche in Las Vegas präsent sind. Am Donnerstag um 11 Uhr Ortszeit tritt dort Audi-Chef Rupert Stadler auf – seit langem der erste Deutsche, der eine Rede auf der CES hält – am Freitag folgt Ford-Chef Alan Mulally.

Eine große Neuheit der CES ist schon vorab bekannt. Am Donnerstag wird Ivan Seidenberg, Vorstandschef der US-Mobiltelefongesellschaft Verizon, das erste Smartphone vorstellen, das mit dem Nachfolger von UMTS umgehen kann. Entwickelt wurde es vom taiwanesischen Smartphone-Spezialisten HTC. Verizon baut im Wettbewerb mit AT&T gerade ein landesweites Netz mit dem sogenannten LTE-Standard auf, der unter anderem den Abruf von Spielfilmen über Mobilfunk erlaubt, ohne dass das Netz stottert oder zusammenbricht.

Wie im vergangenen Jahr wird allerdings auch 3D-Fernsehen ein wichtiges Thema auf der CES 2011 sein. Zwar ist das Geschäft mit 3D-Fernsehern unter den Erwartungen geblieben, auch die Fußballweltmeisterschaft in Südafrika sorgte nicht für den erwarteten Boom. "Aber die Hersteller sehen das ohnehin langfristig", sagt Shawn Dubravac, Chefanalyst der CES-Messegesellschaft. "Es ist ein wichtiger Grund, einen neuen Fernseher zu kaufen, was man ja nicht alle Jahre tut." Auf der CES 2011 erwartet Dubravac deshalb etliche neue 3D-Fernsehgeräte mit Preisen von unter 1000 Dollar sowie neue und bessere Brillen, um den dreidimensionalen Effekt auch sehen zu können. 

Tablet-Computer sind der Megatrend

Wie immer dreht sich viel ums Fernsehen. In diesem Jahr wird der Massenmarkt-Durchbruch für mit LEDs hintergrundbeleuchtete Displays erwartet, was millimeterdünne Fernsehgeräte ermöglicht, mit Preisen von unter 1000 Dollar für Einstiegsgeräte. Fernseher mit vorinstalliertem Internet-Anschluss sind mittlerweile die Regel. Auf der CES werden eine Reihe von Settop-Boxen präsentiert, die für unter 100 Dollar das Nachrüsten von Internet gestatten und damit den Zugriff auf Online-Spielfilme, TV-Serien und Youtube Videoclips. Ursprünglich wollte Google auf diesem Gebiet mit seinem GoogleTV groß auftrumpfen. Doch seit Kritiker die ersten Geräte mit Google inside – Sony und Logitech bieten seit Herbst entsprechende Settop-Boxen an – wegen ihrer Komplexität verrissen, hat Google erst mal einen Gang zurückgeschaltet und will die Benutzeroberfläche gründlich überholen. Das schafft Raum für Apple, das mit seinem AppleTV trotz ebenfalls vieler miesen Kritiken einen neuen Bestseller gelandet hat.

Apple werden CES-Besucher jedoch vergeblich suchen. Der wertvollste Unterhaltungselektronikhersteller der Welt zeigt der CES seit Jahren die kalte Schulter. Apple-Chef Steve Jobs hält einen dortigen Auftritt für rausgeworfenes Geld, weil die Produkte im dem Grundrauschen der Messe untergehen. Trotzdem ist der große Schatten von Apple auch ohne eigene Präsenz in Las Vegas spürbar.

Neben dem Internet-Fernsehen auch bei dem anderen großen Megatrend der CES: Tablet-Computer. Apple hat mit seinem iPad den Markt für diese Flachcomputer neu definiert und laut dem Beratungsunternehmen Strategic Analytics derzeit weltweit einen Marktanteil von über 90 Prozent. Jetzt kommt der Wettbewerb – für 2011 wird eine Woge von über 70 neuen Tablet-Computern und Lesegeräten erwartet, samt dazugehörigen Apps. Mit dieser Flut werden die Preise dieser Tablets auf 200 Dollar sinken.

Als größter Apple-Konkurrent auf diesem Gebiet bringt sich Samsung in Stellung, aber auch Lenovo, Acer, Dell und Motorola ziehen in diesem Jahr nach. Die Tablets nutzen fast ausschließlich das von Google kontrollierte Android-Betriebssystem. Was das Windows-Flaggschiff von Micosoft mächtig unter Druck bringt. Microsoft-Chef Steve Ballmer wird darauf in seiner traditionellen Rede am Vorabend der CES mit einer für Tablet-PCs entwickelten Windows-Version kontern, höchstwahrscheinlich eine aufgebohrte Variante seines Smartphone-Betriebssystems Windows Phone 7.

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